Freitag, 30. Oktober 2015

Storch-News: "Das Maschinengewehr Gottes" im Dortmunder Theater

Wenzel Storch setzt sich im Theater fest: Nach "Komm in meinen Wigwam" eine zweite Bühnenregiearbeit Storchs: "Das Maschinengewehr Gottes", natürlich nach eigenem Buch und natürlich über sein Lieblingsthema:

Die Meßdiener Lutz, Erika und Egon leben allein in einem alten Pfarrhaus. Der Kaplan ist getürmt, die Kirche ein Trümmerhaufen. Beim Christlichen Versandhandel bestellen sie sich einen neuen Priester: das Maschinengewehr Gottes. Als der dann explodiert, beginnt ein unvergleichliches Road-Abenteuer...

Die Uraufführung der Katholikensause findet am 10, Dezember um 20 Uhr im Studio des Schauspiel Dortmund statt; weitere Aufführungen am 11., 17. und 27 Dezember.

Und vielleicht gibt's ja mal Gastspiel in für uns erreichbarer Nähe...

Mittwoch, 23. September 2015

PM zur dffb-Direktionsbesetzung

In den Streit um die offene Direktionsposten der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin ist Bewegung gekommen. Hier die Verlautbarung der Studentenvertretung vom 23.09.2015:


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Pressemitteilung:

Vorstellungsvorlesung der Short-List-Kandidaten für die vakante Stelle der DFFB-Direktion

Wir freuen uns mitteilen zu dürfen, dass unser langanhaltender studentischer Kampf für ein transparentes und demokratisches Auswahlverfahren erste Früchte getragen hat:

Am 24. September 2015, beginnend um 9 Uhr 30, findet die akademieöffentliche Vorstellungsvorlesung der fünf finalen Short-List-Kandidaten des neu aufgerollten Auswahlverfahrens für die vakante Direktorenstelle an der DFFB statt.

Die Vorstellungsvorlesung der Kandidaten ist ein wichtiger und von uns geforderter Teil des von der Studentenschaft in Zusammenarbeit mit Björn Böhning ausgearbeiteten neuen Auswahlverfahrens, welches mit dem ersten Treffen der neuen Findungskommission (bestehend aus zwei studentischen Stimmen, einer Dozentenstimme, drei Kuratoriumsstimmen) am 2. September 2015 begonnen hatte.
Die fünf Kandidaten, die sich am 24. September 2015 an der DFFB der gesamten Akademie vorstellen werden sind:

Ben Gibson
Béla Tarr
Romuald Karmakar
Dagmar Jacobsen
Pavel Jech

Am darauf folgenden Tag, den 25.September 2015, plant die Findungskommission ein abschließendes Treffen, bei welchem mit der Mehrheit der Stimmen der Findungskommission ein Entscheidungsvorschlag erstellt und dem gesamten Kuratorium der DFFB übergeben wird, welches über die Berufung der Direktion auf Basis des Entscheidungsvorschlags beschließt.

Wir hoffen auf ein gutes gemeinsames Ergebnis im Sinne der DFFB und im Sinne des Erhaltes des Profils der DFFB als wichtige und einzigartige Ausbildungsstätte der Filmkunst.

Der Rat der Studierenden der DFFB
Im Namen der Gemeinschaft der Studierenden der DFFB



Samstag, 27. Juni 2015

Filmfest München: Dietrich Brüggemann und Axel Ranisch

Filmmakers Live - Neues Deutsches Kino - auf dem Filmfest München 2015: Dietrich Brüggemann ("Heil") und Axel Ranisch ("Alki Alki") zum Gespräch:


(Quelle: Filmfest München)

Mittwoch, 10. Juni 2015

"Nordlichter" fördert Mystery

Noch bis zum 30. Juni suchen NDR, Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und Normedia für ihre Nachwuchs-förderprogramm "Nordlichter" Projekt-einreichungen - und zwar für Ideen im Genre "Mystery".

Newcomer aus den Bereichen Drehbuch, Regie und Produktion (einer davon muss mindestens aus Norddeutschland stammen) können sich mit Exposees, Treatments oder fertigen Drehbüchern für einen abendfüllenden Spielfilm mit einem Maximalbudget von 900.000 Euro (je 300.000 von jeder Institution) bewerben.Vier davon sollen letztlich herauskommen und im NDR-Programm zu sehen sein.

Mehr: HIER

zyw

Donnerstag, 7. Mai 2015

Nominierungen zum Deutschen Filmpreis 2015

Eine starke Finalauswahl für den Deutschen Filmpreis 2015 wurde nun bekanntgegeben: In Sachen "Bester Spielfilm" finden sich neben IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS: Sebastian Schippers VICTORIA, JACK von Edward Berger, WIR SIND JUNG, WIR SIND STARK sowie WHO AM I von Baran bo Odar und ZEIT DER KANNIBALEN. Eine bunte Mischung - und eine, die mit dem Hackerthriller WHO AM I und dem furiosen One-Shot-Gangsterfilm VICTORIA - zwei Genre-Werke berücksichtigt; drei, wenn man ZEIT DER KANNIBALEN, der dieses Jahr bereits beim Preis des Verbands der deutschen Filmkritik abräumte, mitzählt.

Die ganze Nominiertenliste HIER.

Die Preisverleihung findet am 19. Juni 2015 im Rahmen der Filmpreisgala statt.


WHO AM I

Donnerstag, 16. April 2015

"Eichwald, MdB" - die Turbo-Politgeschäftsposse

Alle vier Folgen der Sitcom "Eichwald, MdB" hat ZDFneo am Donnerstag bereits online gestellt. Und wie "Lerchenberg" (das ebenfalls aus der Versuchslabor "Quantum" des Kleinen Fernsehspiels entstammt), mehr vielleicht noch als dieses, istz "Eichwald, MdB" sehenswert. Sprich: Gerne mehr davon, und bald.

Wie hier schon erwähnt haben sich Regisseur Stefan Fabian Möhrke und Autor Stefan Stuckmann an der mittlerweile in vier Staffeln vorliegenden britischen Serie "The Thick of it" orientiert. Das merkt man deutlich - was keine Schande ist, sondern, im Gegenteil, eine Adelung, weil "Eichwald, MdB" fast ebenso vorzüglich funktioniert. Ebenfalls halbstündig, allerdings weniger wie Armando Iannuccis (dann doch noch etwas trockenerer, bissigerer und komplexerer) Posse auf den Politalltag im Doku-Stil gehalten, geht es auch hier um die kleinen Dauer-Ausnahmezustände auf den mittleren Fluren des Machtgewerbes. Kein Shakespear'sches hohes Regieren, sondern Parteigetaktieren und Profilationsspielchen. Der Witz entsteht durch Druck und Gefahr der öffentlichen Meinung, vergeigte PR-Arbeit und Medienbedrohung. "Eichwald, MdB" erzählt entsprechend vom Taktierens, dem Reagieren - es ist eine Komödie des Krisenmanagements eigener Entscheidungen, das Ausbügeln oder Ausbaden der cleveren (oder nicht ganz so cleveren) Schach- und Winkelzügen, der fadenscheinigen Pseudoevents und Intrigenaktionen, die schnell dem Parlamentarier und seinem um die Ohren fliegen. Politik ist hier Impro-Show-Geschäft, in dem alle fadenscheinig Form zu bewahren suchen, sich jedoch selbst nur der Nächste ist.

Ähnlich wie in "The Thick of it" ist auch das Team gebaut: der ältere, bräsige Berater (Bernd, gespielt von Rainer Reiners), der junge Medienbeauftragte (Sebastian - Leon Ullrich) und als Stimme der Vernunft die Dame im Team Julia (Lucie Heinze). Zwar sind die Rollen einen Tick zu dödelig oder stereotyp angelegt (etwa Power-Lifestyle-Etüden Sebastians), aber das schaded nicht. Denn "Eichwald, MdB" lebt besonders von rasanten Handeln und Geschehen, vor allen den flotten Dialogen, die über kreuz gehen, Gedanken nur anreißen, auf Vergangenes anspielen, en passant höcht politisch unkorrektem Frotzeleien aufwarten (oder den abgeklärten Zynismus demonstrieren), die
tatsächlich mit den hingeworfenen Namen, Gedankensplittern, Polit-Slang und -Phrasen, Metaphern und Affekt-Vulgaritäten fordern, gar überfordern, wegen des Tempos bisweilen, vor allem jedoch weil die Sprachspielebenen so unvermittelt durcheinandergehen. Entsprechend geraten diese Dialoge in ihrer Dichte, Hektik und Mehrlagigkeit des Kommunikationsstils und -gewühls selbst und gerade wenn man den Faden verliert mit ihrem durchexerzierten Termpo und Aktionismus des Moments zu einem ganz eigenen Stimmungsrauschen, das man jenseits von Inhalt und Handlungsführung amüsant genießt wie weiland die menschlichen Worte, Sätze bei Jacques Tati, die bei ihm vor allem atmosphärische Funktion hatten. 

"The Thick of It" - P. Capaldi (v., m.) - (c) BBC
Freilich fehlt "Eichwald, Mdb" ein Peter Capaldi als erfindungsreich obszön fluchende Kommunikationschef, der die kleine Unglückrunde heimsucht wie ein fürchterlicher Racheengel. Und zugleich fehlt er wieder nicht, denn neben der Fraktionschefin (Maren Kroymann) schafft es Eichwald-Darsteller Bernhard Schütz selbst, diesen Part im Ansatz gleich mit zu übernehmen.

Sein Abgeordneter ist ein fauler Opportunist, jemand, der die um seine Aufmerksamkeit buhlenden Berater in gespieltem Zuhören ignoriert, dann wieder um ihre Bestätigung heischt, der sein eigenes geistiges Süppchen kocht, der seine Gefährten in Gesprächen taktisch ans Messer liefert, der sie maßregelt, seine Zuneigung willkürlich verteilt und sofort wieder cholerisch Lösungen fordert, der sie jovial umgarnt oder ganz selbstverständlich ausnutzt oder sich von fadenscheinigen Ideen mitreißen lässt. Schütz' Hajo Eichwald ist ein sympathisch zerknautscher, geschickter Widerling, einer runden Figur allein, weil sie zwischen Lavieren, Karriereismus, hämischer Bosheit (etwa gegenüber dem feindlichen Parteifreund), vergifteter Höflichkeit, dumpfen Sexismus, Lüsternheit und Zynismus im Umgang mit sich selbst wie mit anderen sämtliche Formen der verhaltensmäßigen déformation professionnelle so verinnerlicht und automatisiert hat, dass sie ihm blind zur Natur geworden sind. Und gerade diese linkische Rücksichts- und Reflexionslosigkeit macht ihn für den Zuschauer so einnehmend, zudem hinreichend glaubwürdig: Bei allen Schwächen, Fehlern, kleinen und großen Missgriffen bleibt spürbar, dass und wie dieser Eichwald sich so lange hat im Amt halten können.  

© ZDF/Daniela Incoronato
Eben das unterscheidet die Serie auch von "Stromberg" (mit dem u.a. Carolin Ströbele  "Eichwald, MdB" in ihrer ZEIT-Online-Rezension vergleicht): Während Bernd Stromberg sich als selbstsicherer Macher aufspielt, um sich in und aus den Peinlichkeiten zu winden, dabei mit dem Blick in die ihn begleitende Mockumentary-Kamera sein Unwohlsein, mithin kleinherzige Selbst-Aufmerksamkeit demonstriert, ist Eichwald als Dauer-Hinterbänkler im Politgeschäft dann doch ein altgedienter, souveräner Profi. Desillusioniert und stets am Rande des Abgrunds, aber routiniert. Eichwald ist dahingehend ein ganz anderer Komik-Typ, eher einer wie James Cagneys McNamara in Billy Wilders "Eins, Zwei, Drei" von 1961, undynamischer, weit fauler, egozentrischer und bitter-sarkastischer, aber eben auch einer, der zur vollen Größe aufläuft, wenn es im Augenblick der Krise weniger zu denken als zu kommandieren gilt. 

Nein, mit "Stromberg" hat "Eichwald, MdB" trotz vieler Gemeinsamkeiten eben so wenig zu tun wie mit "House of Cards" und dessen Frank Underwood, weil die ZDF-Serie in ihrem Humor nicht nur ausnahmsweise nicht versöhnlich-brav daherkommt oder mit Witzfiguren und schlimmen Augenzwinkern, sondern auch nicht aufs (Fremd-)Schämen setzt. Während all diese für das deutsche Fernsehen typischen Merkmale auf ein Aus- und dabei Stillstellen hinauslaufen, ist "Eichwald, MdB", nämlich ganz politisch, ganz zeitgemäß, eine Satire der Bewegung, der ständigen Situationsveränderung, Beschleunigung, Eskalation und des Handelns und Handelnmüssens darin. Klar braucht es dafür die passenden Charaktere, die absurden, gar grotesken (immer aber geerdeten) Situationen, Wendungen, Peinlichkeiten. Solche, die oft genug an reale Vorbilder anschließen oder echte Namen anspielen (etwa: Wulff, Wagenknecht). Doch Witz und Gewitztheit entstehen eben in und aus der Dynamik "dazwischen".

Das macht "Eichwald, MdB" zur echten Polit(geschäfts)satire, eine, für die das Abgeordnetenbüro nicht bloße Kulisse oder beliebiger "workplace" ist (wie "Stromberg" oder "The Office" wahlweise in einer Versicherung oder einer Papierfirma spielt). Vor allem aber macht es die Serie zu einem Glücksfall, nicht bloß für das "Zweite". Oder, wie es Christian Buß auf Spiegel-Online schreibt:

"'Eichwald, MdB' ist ein kleiner Schritt in Sachen Polit-Satire, aber ein großer für das Humorverständnis und den Realitätssinn des ZDF."

Wobei "Realitätssinn" hier im besten Sinne mehreres bedeuten kann.

Alle vier Folgen von "Eichwald, MdB" finden Sie online HIER auf der Serien-Website.

zyw 

Montag, 13. April 2015

ZDF-"Breaking Bad" wird keins

Doch kein "Breaking Bad" soll der ZDF-Mehrteiler "Morgen hör' ich auf" mit Bastian Pastewka sein, wie Programmdirektor Dr. Himmler behauptet hatte. Im Horizont-Gespräch gab die zuständige Redakteurin Elke Müller nun bekannt, man habe sich für die Geschichte eines arbeitslosen Druckers, der auf kriminelle Abwege gerät, nicht an der US-Erfolgsserie orientiert. Überhaupt hätte es die Grundidee des unbescholtenen Bürgers, der sich aus eine Notlage heraus immer tiefer verstrickt, ja schon vor "Breaking Bad" gegeben - und mehr hätte "Morgen hör' ich auf" mit "BB" auch nicht gemein. Außer vielleicht: der Vierteiler (60 Min. pro Folge) soll "konsequent horizontal" erzählt werden. Was, in dieser Form als "Besonderheit" herausgestellt, zugleich putzig und traurig wirkt. Ob die  Daredevils vom Lerchenberg da mal nicht ihr Stammpublikum restlos überfordern?

zyw