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Samstag, 27. Februar 2016

Max Ophüls Preis: Svenja Böttger neue Leiterin

Zuletzt gab es etwas Unmut was die Nachfolgesuche für Gabriella Bandel als Chefin des Filmfestival Max Ophüls Preis anbelangte. 

Nun überrascht man in Saarbrücken mit einer erfreulich jungen neuen Leiterin: der 27-jährigen Svenja Böttger, die aktuell noch Masterstudentin an der Babelsberger Filmuniversität KONRAD WOLF (vormal HFF) ist und das u.a. "Sehnsüchte"-Festival verantwortete.

Eine bemerkenswerte Entscheidung.

Hier die Pressemeldung des MOP zur Personalie:

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Svenja Böttger (Foto: privat)
Der Aufsichtsrat wählt Svenja Böttger einstimmig zur neuen Leiterin des Filmfestivals Max Ophüls Preis

Svenja Böttger wird neue künstlerische Leiterin des Filmfestivals Max Ophüls Preis (MOP). Die 27-jährige Berlinerin wird das Festival in den kommenden drei Jahren leiten. Das hat der MOP-Aufsichtsrat am Freitagnachmittag, 26. Februar, einstimmig beschlossen. 

Mit Svenja Böttger bekommt das Festival eine Leitung, die trotz ihres jungen Alters bereits Erfahrungen in der Festivalorganisation, im Projektmanagement, Gästemanagement sowie in der der Presse- und Kommunikationsarbeit mitbringt. Die Medienwissenschaftlerin, die zurzeit ihr Masterstudium an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF abschließt, hatte unter anderem 2015 und 2016 die Gesamtleitung des Empfangs der Filmhochschulen während der Berlinale inne und leitete zuvor 2014 mit „Sehsüchte“ das internationale Studentenfilmfestival der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Bei beiden Aufgaben hatte Böttger Personalverantwortung für jeweils 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Unter anderem in dieser Zeit konnte sich Svenja Böttger gute Kontakte zu den Filmhochschulen im deutschsprachigen Raum aufbauen, aber auch zu Branchenvertretern, Redakteuren, Verbänden oder Filmreferenten. Zu Böttgers weiteren Stationen zählt unter anderem seit September 2015 ihre Tätigkeit bei der Produktionsfirma „ONE TWO Films“ in Berlin. 

„Ich freue mich auf die neue Aufgabe. Es bedeutet für mich eine Ehre, dieses renommierte Festival leiten zu dürfen. Ich werde nun die kommenden Wochen nutzen, um mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu sprechen“, erklärte Svenja Böttger. 


Experten in Auswahlkommission: „Sehr gute Bewerberlage und mutige Entscheidung“

Nach den Vorstellungsgesprächen der fünf Bewerberinnen und Bewerber für die Leitung des Filmfestivals Max Ophüls Preis (MOP) am Donnerstag, 25. Februar, zeigten sich die beratenden Fach-Mitglieder in der Auswahlkommission – Gabriele Brunnenmeyer (u. a. zuständig für „Projektbetreuung Talentfilm“ beim Kuratorium junger deutscher Film) und Professor Dr. Dieter Wiedemann (u. a. Präsident der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF von 1995 bis 2012) – von der Qualität der Bewerber beeindruckt und begrüßten die Entscheidung. „Die Bewerberlage für die neue Leitung des Filmfestivals Max Ophüls Preis war sehr gut. Alle Bewerberinnen und Bewerber brachten uneingeschränkt die Qualifikation mit, das Nachwuchsfestival leiten und weiterentwickeln zu können. Mit der Entscheidung für Svenja Böttger zeigt Saarbrücken Mut und bekennt sich klar für eine weitere Profilierung des Max Ophüls Preis als zentralen Ort für den deutschsprachigen Filmnachwuchs“, sagten Gabriele Brunnenmeyer und Professor Dr. Dieter Wiedemann.“ 

Die Auswahlkommission, in der neben Brunnenmeyer und Wiedemann als stimmberechtigte Mitglieder je ein Vertreter der Stadtratsfraktionen SPD, CDU, Grüne und Linke, Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, der MOP-Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Latz sowie MOP-Geschäftsführer Thomas Brück saßen, sprach sich einstimmig für Svenja Böttger aus. Der MOP-Aufsichtsrat folgte in seiner Sitzung am Freitag, 26. Februar, der Empfehlung. Der MOP-Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Latz: „Die Landeshauptstadt ist sehr zufrieden mit der Entscheidung. Der Aufsichtsrat hat sich einstimmig für Frau Böttger ausgesprochen. Sie kann sich für ihre neue Aufgabe einer breiten Unterstützung gewiss sein.“

Mittwoch, 27. Januar 2016

Deutscher Filmkritik und Personalie Max Ophüls Preis

Mit dem just zu Ende gegangenen Max Ophüls Preis verabschiedet sich Gabriella Bandel als Leiterin vom Filmfestival in Saarbrücken - und prompt gibt es Ärger hinsichtlich der Nachfolge. Deren Suche und Besetzung scheint recht intrasparent vonstatten zu gehen (oder gehen zu sollen). Auch, wenn von offizieller Stelle anderes - und vor allem breiter Konsens - suggeriert wird (oder werden soll). Die Causa dffb-Leitung grüßt von ferne ...

Weiter unten entsprechend die aktuelle Pressemeldung des Verbandes der deutschen Filmkritik (VDFK), der von seiner angeblichen Einbindung in die MOP-Neubesetzung wenig Kenntnis hat. Freilich ist die Formulierung der Saarbrücker Oberbürgermeisterin hinreichend vage: "Vetreter aus dem Verband der deutschen Filmkritik" ist ja nicht gleich "Vertreter des Verbands der deutschen Filmkritik". Mit gutem Willen lassen sich damit auch Personen bezeichnen, die lediglich dem VDFK angehören. Gleichwohl wäre auch in dem Fall die Implikation wohl wenig unschuldig und zufällig ...

Anzumerken zu der Pressemeldung aus dem Saabrücker Rathaus (die Sie HIER finden) ist allerdings auch, dass die OB den Aufsichtsratsvorsitzende des Filmfestivals, Ralf Latz, nur zitiert. Der freilich verweist selbst wieder auf die Stadt Saarbrücken.

Das Latz-Zitat in Gänze:

„Die Landeshauptstadt als Gesellschafter des Festivals hat nach Beratung und einstimmiger Empfehlung im Aufsichtsrat beschlossen, die Leitung nicht auszuschreiben, sondern gezielt qualifizierte Kandidaten anzusprechen. Personalvorschläge kamen auch aus der Filmbranche selbst. Zu den Experten, die uns hier beraten haben, zählten unter anderem Eva Hubert, bis Ende 2015 Chefin der Filmförderung Hamburg Schleswig Holstein, der Leiter des Filmfestes Hamburg, Albert Wiederspiel, oder auch Vertreter aus dem Verband der deutschen Filmkritiker. Wir haben inzwischen mehrere interessierte und hochqualifizierte Kandidaten gefunden und gehen davon aus, die hohe Qualität des Festivals sichern zu können.“

Die PM des VDFK dazu:

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Sehr geehrte Damen und Herren,

in einer gestern von der Saarbrücker Oberbürgermeistern Charlotte Britz versandten Pressemitteilung zur Zukunft des "Festival Max-Ophüls-Preis" und Neubesetzung der Festivalleitung ohne vorherige Ausschreibung heißt es unter anderem: "Personalvorschläge kamen auch aus der Filmbranche selbst. Zu den Experten, die uns hier beraten haben, zählten unter anderem ... auch Vertreter aus dem Verband der deutschen Filmkritiker".

Hierzu stellen wir fest: Es hat keinerlei Beratung durch den "Verband der deutschen Filmkritik" (VDFK) stattgefunden, auch hat der VDFK der Stadt Saarbrücken keinerlei Personalvorschläge gemacht; auch einem Expertengremium der Stadt Saarbrücken gehört der VDFK nicht an.
Mit ihren Formulierungen möchte die Oberbürgermeisterin gezielt den Eindruck erwecken, als stünde der Verband der deutschen Filmkritik hinter besagter Mitteilung und hinter dem darin formulierten Versuch den Nachfolger einer verdienten Festivalleiterin ohne seriöse Ausschreibung oder Fachberatung einzusetzen.

Diesen Eindruck weisen wir entschieden zurück!
Im Gegenteil beobachtet der VDFK mit Sorge und Verwunderung, wie ein funktionierendes, über Deutschland hinaus renommiertes Festival durch politische Willkür gefährdet wird. Wir teilen die Sorgen vieler deutschen Filmemacher wie auch vieler Sponsoren um die Zukunft des "Festivals Max Ophüls-Preis".

Der "Verband der deutschen Filmkritik" fordert die Stadt Saarbrücken auf, die organisatorische und ökonomische Unabhängigkeit des "Festival Max-Ophüls-Preis" sicherzustellen, und die Neubesetzung der Festivalleitung in einem transparenten, Kriterien der "corporate governance" verpflichteten, öffentlichen und fachlich kompetenten Verfahren zu gewährleisten.
Mit freundlichem Gruß
Vorstand und Beirat"

(Pressemeldung des Verbands der deutschen Filmkritik e.V. vom 27.1.2016)

Dienstag, 10. November 2015

Leiterin des Max Ophüls Preis verabschiedet sich

Seit 2007 stand Gabriella Bandel - bis 2014 zusammen mit Philipp Bräuer - dem Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbücken vor. Anfang nächsten Jahres, mit dem 37. MOP, ist Schluss, die herzliche Leiterin nimmt ihren Hut.

Hier die Pressemeldung des MOP dazu:


Foto: MOP

Gabriella Bandel: Nach 17 Jahren Abschied vom
Filmfestival Max Ophüls Preis

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,


mit der 37. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis gibt die künstlerische Leiterin Gabriella Bandel nach mehr als 17 Jahren Tätigkeit für das Festival ihren Abschied. Von 2007 bis 2014 hatte sie gemeinsam mit Philipp Bräuer und zuletzt 2015 und 2016 die alleinige künstlerische Leitung des Festivals inne. Das Filmfestival Max Ophüls Preis hat sich in dieser Zeit außerordentlich erfolgreich in der Film- und Festival-Landschaft etabliert. Seit 2008 sind die Zuschauerzahlen um mehr als 10.000 Besucher gestiegen und die Zahl der akkreditierten Fachbesucher ist auf inzwischen mehr als Tausend gewachsen. Mit vielen Neuerungen und einem deutlich verbesserten Service eroberte Gabriella Bandel mit ihrem Team die Sympathien von Gästen, Fachbesuchern und Publikum. Auch bei der Filmauswahl bewies Gabriella Bandel eine glückliche Hand, Max-Ophüls-Filme waren in der Folge auf Festivals von Berlin bis Cannes vertreten und erhielten weltweit renommierte Preise. Allein 2015 gingen alle drei Studenten-Oscars an Filme, die noch im Januar beim Festival im Wettbewerb liefen.

Gabriella Bandel zu ihrem Abschied: „Das Festival liegt mir seit vielen Jahren am Herzen, die Arbeit mit und für die Filmschaffenden, die jungen ebenso wie die etablierten, macht mir nach wie vor großen Spaß. Ich bin glücklich, dass der Max Ophüls Preis wieder auf so starken Füßen steht und hoffe, dass das Festival seinen Platz in der Branche weiter behaupten kann. Ein guter Zeitpunkt, mich neuen Aufgaben zu widmen.“

„Wir haben uns einvernehmlich dazu entschieden, die erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem kommenden Festival zum Abschluss zu bringen. Der Zeitpunkt der Entscheidung bringt frühzeitig Klarheit. Er ermöglicht uns, für Gabriella Bandel eine Nachfolge zu finden, der es gelingt, ab 2017 die positive Entwicklung des Festivals mit eigener Handschrift fortzuführen“, sagte Max-Ophüls-Preis Geschäftsführer Thomas Brück.

Gabriella Bandel ist in Los Angeles, USA, aufgewachsen und studierte zunächst Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Berlin. 1985 kam Gabriella Bandel nach Saarbrücken. Es folgten ein Studium der Informationswissenschaften und eine redaktionelle Tätigkeit beim Saarländischen Rundfunk im Bereich Hörfunk, Mitarbeit bei verschiedenen Filmproduktionen und die Leitung der städtischen Galerie im Filmhaus.

1997 wechselte Gabriella Bandel zum Filmfestival Max Ophüls Preis, wo sie zunächst englische Programmreihen kuratierte. Ab 2002 betreute sie hauptverantwortlich den Bereich Kurzfilm. Gabriella Bandel lebt in Saarbrücken, sie hat zwei erwachsene Söhne.

Dienstag, 3. Dezember 2013

DICKE MÄDCHEN im Internet gegen die Krise des deutschen Kinos?

Dem deutschen Film, es geht im mal wieder schlecht. Kaum hat das FILMZ–Festival gezeigt, was für ein gelungenes Jahr wir bald hinter uns haben, klagt Martin Hagemann, Produzent und HFF-Potsdam-Professor auf fr-online über den Stand der Dinge. Hagemann, der eine beindruckend gemischte Palette an (Co-)Produktionen – von Christopher Smiths UK-Horror CREEP über Michael Kliers FARLAND bis Béla Tarrs sperrigen THE TURIN HORSE – vorzuweisen hat, bietet dabei bekannte Argumente und „Feinde“ auf: das hiesige Fernsehen, das bestenfalls Brotjobs und Abhängigkeitsverhältnisse für Produzenten bietet und darüber hinaus nur Seichtes; die historische Fehlentwicklung in Sachen experimentierfeindlicher Förderstrukturen, die „Überproduktionskrise“ und die einhergehende Aufmerksamkeits“kannibalisierung“ etc.

Vieles davon hat man davor schon lesen können – unter anderen bei uns in ANSICHTSSACHE, wie die von Harald Mühlbeyer konstatierte Kluft zwischen Kommerz hier und Kunstkino dort (bei Hagemann: dem, freilich zugestandenen, Erfolg von FACK JU GÖHTE und der MoMA-Adelung er „Berliner Schule“). „Es fehlt an regelmäßigen guten Produktionen“, so Hagemann (quasi unisono mit Mühlbeyer). Genauer: „Es fehlen in Deutschland seit langem Spielfilme, die sich zwischen den Polen von wirtschaftlicher und kultureller Ausrichtung positionieren. Es fehlt an regelmäßigen guten und erfolgreichen Filmproduktionen, die an einem Begriff von Film festhalten, der populär und anspruchsvoll zugleich ist“ (Hagemann).

Da allerdings Hagemann vom Fach kommt, hat er einen spezifischen Blick, der (so) den vielen anderen öffentlichen Klagen, derer es – muss man auch sagen – kaum genug geben kann, insofern abhebt, als er besonders auf seine Berufsgruppe und ihre konkrete Arbeits-, mithin Finanzierungslage verweist, was in anderen Debattenbeiträgen tendenziell weniger der Fall ist.

Hagemann kritisiert die Machtlosigkeit der Produzenten, bzw. deren Entkapitalisierung. „Wenn aber Produzenten heute nur noch von der Herstellung der Filme und nicht von ihrer Auswertung leben können, werden sie zu Auftragsproduzenten der Verleiher und Verwerter, ähnlich wie in der Fernsehproduktion, bei der in der Regel alle Rechte an den Sender abgegeben werden und fest vereinbarte, erfolgsunabhängige Honorare den einzigen Erlös der Produzenten ausmachen.“

Und: „Die Hälfte der sechshundert Millionen Umsatz innerhalb der deutschen Kinofilmproduktion wird heute in einem Prozent der deutschen Produktionsfirmen bewegt, während 83 Prozent der Produktionsfirmen nur für acht Prozent des Umsatzes verantwortlich sind.

Das ist ein richtiger, wichtiger Punkt; ich wüsste gerne, woher er diese Zahl hat (nein wirklich, ist nicht rhetorisch gemeint!). Am Schluss noch verweist Hagemann zur Lösung auf eine ebenfalls nicht allzu neue Idee: Die Trennung zwischen künstlerischer und wirtschaftlicher Filmförderung (was sich leider immer so ein bisschen beißt mit dem versöhnenden Wunsch nach sowohl künstlerische wie kommerziellen „guten“ / „erfolgreichen“ Filmen, s.o.). Aber er nimmt auch die Kinos in die Pflicht, die risikoscheu seien, sich an die Sperrfristen klammerten. „So werden sie wohl das jüngere Publikum an Internetportale wie netflix und Co. verlieren.“

Das ist nun ein besonders spannender Punkt, denn just an dem Tag, da Hagemanns Artikel auf der Onlineseite der Frankfurter Rundschau erschien, verkündete Axel Ranisch und das Team von „Sehr gute Film“, kaum zurück aus Mainz in Berlin, wo sie für ICH FÜHL MICH DISCO den Hauptpreis erhielten, ein ganz besonderes Angebot: Ranischs günstig hergestellter Erfolgsfilm DICKE MÄDCHEN, die erste Produktion von „Sehr gute Filme“ ist für 9,99 Euro als Stream und Download auf der Seite der Firma zu haben [1].

Streams und Downloads ersetzen natürlich nicht die Kinoerfahrung. Das sieht Ranisch aber ohnehin nicht so eng. Und mehr noch ist dieser digitale Selbstvertrieb ein mögliches Konzept, das zwar mit vielen Fallstricken verbunden ist (ob Kino oder Netflix: es braucht wohl eine etablierte Plattform, die den meisten Filmsuchenden das Angebot zumindest vorstrukturiert und präsentiert). Es hat, zusammen mit ähnlichen Direktvertrieben aber Signalcharakter und den Vorteil, tatsächlich sämtliche an oder zumindest in der Misere profitierenden „middle men“ (wie sie Hagemann als Teil des Übels beschreibt), zu umgehen.

Darüber hinaus bindet es Fans natürlich noch mehr Innigkeit; alles aus einer Hand. Wenn „Sehr gute Filme“ die „Bio-Produkte der Deutschen Filmlandschaft“ sind, wie es im „Sehr guten Manifest“ zu lesen steht, was liegt da näher, auch direkt vom Erzeuger zu kaufen?

zyw



[1] Gerne hätte ich in diesem Kontext einen Zwinker-Zwinker-Kalauer in Sachen Sich-Dicke-Mädchen-im-Internet-für-kleines-Geld-anschauen eingebracht (Dicke Mädchen „auf allen Geräten“ - ti-hihi!); passte jetzt aber nicht so, sei aber als famose Idee und Ulkigkeitsbeweis hier nicht ganz unterschlagen.



Dienstag, 6. August 2013

Kino- und TV-Tipps: ARSCHKALT und KOHLHAAS




Heute, am 6. August zeigt Das kleine Fernsehspiel des ZDF um 23.00 Uhr André Erkaus Tragikomödie ARSCHKALT mit Herbert Knaup als griesgrämiger Tiefkühlkostauslieferer und Johannes Allmayer als sein neuer, penetrant wohlgelaunter Beifahrer. Vorher oder hinterher können Sie natürlich in ANSICHTSSACHE nachlesen, was Herr Erkau zu seiner Arbeit, dem Thema Humor und Genre zu sagen hat.






Ansonsten startet am 8. August Aron Lehmanns famoser KOHLHAAS ODER DIE VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT DER DER MITTE, der mit seiner Film-im-Film-Konstellation samt den filmischen Formalien spielt, auf dass für das Publikum faszinierend und elegant die Realitätsebenen zusammenfließen, wie man es selten erlebt hat. Nicht umsonst gewann KOHLHAAS auf dem Max Ophüls Preis den Zuschauer-Award und wurde beim achtung berlin Festival für die Beste Regie ausgezeichnet.

zyw


Mittwoch, 30. Januar 2013

MOP 2013: Der Hauptgewinner und Genrestücke


Dass der kleine Bruder es gut und manchmal auch besser kann, hat sich schon in der Vergangenheit gezeigt. Auch heuer – also 2013 – ging der Haupt-, eben der Max Ophüls Preis wie schon im letzten Jahr (mit MICHAEL von Markus Schleinzer) an einen „Österreicher“:  DER GLANZ DES TAGES von Tizza Covi und Rainer Frimmel zeigt die beiden „Showleute“ Philipp Hochmair und Walter Saabel als – Philipp Hochmair und Walter Saabel, auch, wenn ihre Namen so keine Rolle spielen. Ersterer ist erfolgreicher Theaterdarsteller, der zweite der bislang unbekannte Onkel, ein ehemaliger Zirkusmann (v.a.: Bärenringer), der plötzlich vor der Tür steht. Beide freunden sich an, lassen den anderen an ihrem Leben und dessen Erinnerungen teilhaben; schließlich geht es noch um Hochmairs Nachbarn in Wien, einem osteuropäischen Flüchtling mit seinen Kindern, dessen Frau nicht wieder einreisen kann… Was in DER GLANZ DES TAGES passiert, ist nicht belanglos, aber schlecht oder doch nur falsch zu erzählen. Weil es weniger das Was als das Wie ist, das bestimmend ist, weil er ein Dokument der Beiläufigkeit im besten Sinne ist und darüber hinaus natürlich noch viel mehr bietet, etwa eine sich durchziehende Auseinandersetzung (wenn auch: ohne Konfrontation) mit dem Thema Erziehung in unterschiedlichsten Facetten.

DER GLANZ DES TAGES ist eine eigentümliche und vor allem durch seine beiden Hauptdarsteller, die sich selbst spielen (und sich dabei immerzu selbst bestaunen, befragen), einnehmende, sanft packende Mischung aus Fiktion und Dokumentation, aus Spiel und Ernst, Improvisation und Inszenierung. Saabel war wirklich Artist (und wurde für seine Spiel in DER GLANZ DES TAGES in Locarno vergangenes Jahr ausgezeichnet), Hochmair ist tatsächlich bekannter Bühnenschauspieler – einer, der bei der Vorführung in Saarbrücken zugab, sich redlich schwer getan zu haben, sich selbst sozusagen zu geben. Unaufgeregt und spannend zugleich liefert der Film einen Ausschnitt aus beider Leben, der zwar endet, als gerade die oder eine „richtig“ Story ins Rollen zu kommen scheint – der jedoch damit einen verblüffend gelungenen Ausstieg aus einer eingesehenen Lebenswelt findet, die auch ohne uns weiterzulaufen verspricht. 

Die Jury urteilte: „Es sind gewichtige gesellschaftliche Fragen, die der Film DER GLANZ DES TAGES auf poetische wie oft auch tragikomische Weise beleuchtet. Freiheit. Identität. Selbstfindung. Selbstinszenierung.“ Aber wenn Saabel und Hochmair sich in den momentverbundenen Reflexionen ergehen, durch den Winter über herrlich knirschenden Kies schreiten, mit der handgeführten Kamera rückwärts stets vor ihnen her im gleichen Schrittrhythmus, dann geht es nicht um „gesellschaftliche Fragen“ – man möchte dann einfach diese ohnehin lange Szene gerne noch viel länger dauern sehen. Des Momentes wegen. Weil DER GLANZ DES TAGES überhaupt, vor allem jedoch in solchen Augenblicken ein faszinierendes Beispiel dafür bietet, wie ein Film sich einerseits treiben lassen kann, ohne getrieben zu werden, zugleich eine souveräne Kontrolle hat, die man selten am Werk sieht. Und dabei: ein Vertrauen – und da hat die Jury Recht – auf die Figuren und, ganz wichtig: deren Geschichte.

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Ein Festival wie der Max Ophüls Preis verführt, gerade weil sich hier die junge deutschsprachige Filmszene versammelt, zur Suche nach Tendenzen und Strömungen, auch wenn so ein Erst- oder Zweitfilm meist einige Jahre Vorlauf hat und das behandelte Thema bereits während des Studiums den oder die Macher umtrieb (wie bei FÜNF JAHRE LEBEN – dazu später mehr). Und tatsächlich ließen sich gewisse „Cluster“ unterschiedlichster Art auch dieses Jahr in Saarbrücken ausmachen. Etwa, dass nach den starken Frauen und den ungestümen, dabei herzergreifend kindsköpfigen Jungmännern immer wieder eine dysfunktionale oder abwesende Mutter eine Rolle spielte. Etwa in dem Wettbewerbskurzfilm GASP (D 2012, R: Eicke Bettinga) oder in NERVEN BRUCH ZUSAMMEN (Ö 2012), der Doku des EXILE FAMILY MOVIE- und EIN AUGENBLICK FREIHEIT-Regisseurs Arash T. Riahi über ein Übergangswohnheim für Frauen in „Stresssituation“ (ein Film, der mich qua Thematik und Zugriff nicht so sehr mitriss wie Riahis Vorgängerfilme). In TALEA (Ö 2013, R: Katharina Mückenstein; Preis der saarländischen Ministerpräsidentin) war das der Fall, in dem die tolle Nina Proll eine Mutter spielt, die frisch aus dem Knast mit ihrer Tochter (Sophie Stockinger) zunächst wenig anzufangen weiß, während das Mädchen, an der Schwelle zur Frau, sich wiederum über sie und in ihr eine Art Ich-Findung und Wegweiserin erhofft. In SCHERBENPARK (D 2012, R: Bettina Blümner, nach dem Roman von Alina Bronsky) fehlt die Mutter, wurde erschossen vom nun inhaftierten Stiefvater, was sich die jungen Sascha (Jasna Fritzi Bauer) nicht verzeihen kann und sie zu einer Kratzbürste werden lässt, die sich durch drei merkwürdige Männerbeziehungen im Film bewegt (auch zu diesem Film, der den Drehbuchpreis in Saarbrücken gewann, ein andermal mehr). 

Ebenfalls in Saarbrücken zu beobachten: Ein Hang zum Genre. Dieser mag allerdings in den vergangenen Jahren nicht weniger ausgeprägt gewesen sein, 2013 gleichwohl deshalb so auffiel, weil er leider oft nicht ganz überzeugte oder geradewegs verunglückte. 

GREY SHEEP (D/USA 2012, R: Nicolai Schwarz) etwa huldigt und eifert dem Hollywoodkino nach, und wie der Film das mit Inbrunst und einer fast heiligen Großäugigkeit tut, ist so bestechend, wie die demonstrierte Freude am bzw. die Wahl des Sujets, dem Sentiment, dem Setting (gedreht tatsächlich denn auch in den USA, mit Darstellern von dort, auf Englisch) an sich schon Respekt abnötigt. Die Story: Slacker Lucas (Daniel Hayek) sucht seinen bis dato unbekannten Halbbruder, den in seinem Job verbiesterten Schönheitschirurgen Jonathan (Chase Hemphill) auf. Beider Vater liegt im sterben, aber Jonathan, ohnehin grantig auf den Papa, zu dem er keinen Kontakt hat, und auf dem Weg zu einem wichtigen Geschäftstermin, lässt sich gerade mal breitschlagen, den nervigen Familienneuzugang ein Stück des Weges im Cabrio mitzunehmen. Woraus sich natürlich prompt ein Odyssee nach bekanntem Muster entwickelt, die wenig Neues, geschweige denn Überraschendes, vor allem in puncto Charakterentwicklung und emotionalen Botschaft bereithält, die aber gleichwohl oft erstaunlich witzig gerät. Ein Feel-Good-Movie mit Odd Couple und Happy End, das warm ums Herz werden lässt, das aber, kaum dass man aus dem Kinosaal war, sich so schnell wieder aus dem Hirn verflüchtigte wie Zuckerwatte im Mund. Zumal der günstig produzierte GREY SHEEP bildästhetisch (Stichwort Video-Optik) wie darstellerisch sympathisch, aber zu unterversorgt ist, als dass man ihm in der Hinsicht hätte etwas dauerhaft abgewinnen können. Als Visitenkarte für das echte Hollywood aber vielleicht tauglich.

Mit ordentlich Furor und sicherer Hand blickt auch Murat Eyüp Gönültas mit seinem Kurzfilm HONEYMOON HOTEL über den Großen Teich, auf Rodriguez, Tarantino und Co. Eine überdrehte überästhetisierte Situationsminiatur, eine wildes Pärchen, ein Team von Polizeieinsatzkräften unter Führung eines vernarbten Fieslings und ein Priester mit Handgranate. Das hat deutliche Wumms, ist überbordend und lustvoll kopiert und zusammengestückelt – gleichwohl eben nicht mehr als eine Fingerübung ohne erkennbar Eigenes. Handwerklich bemerkenswert für einen Studentenzwischenfilm und zugleich gerade in dieser Perfektion schal, wirft HONEYMOON HOTEL als reine Pose doch die Frage auf, ob hier später auch das Zeug (oder der Zug) zu etwas Originellem mal zu finden sein wird. Insbesondere, wenn die großen Vorbilder nicht von anderen, sondern sich selbst, bereits ein wenig totkopiert wurden …

Zum Fremdschämen leider Daniel M. Harrichs EIN SCHMALER GRAD (D 2013), der Dialogduell und Psychodrama sein will, freilich in einer Art, als wäre das Sujet des psychisch maroden serial killers nicht längst bei so etwas wie der TV-Serie Dexter gelandet: Felicitas Woll als kindheitstraumatisierte Journalistin befragt den verurteilten Serienfrauenmörder, gespielt von Heiner Lauterbach. Auch Jürgen Prochnow mit einem Knautschgesicht, dass das eines Tommy Lee Jones in Nichts nachsteht, verspricht als Polizist, der den Killer zur Strecke brachte, eigentlich spannendes Kino. Doch unter den steif-gedrechselten Holzdialogen, dem Seelenpathos oder dem wahlweise Verbrauchten, Vorhersagbare, Überkonstruierten oder Unausgegorenen der Story wird das Schauspielpotenzial des Films ebenso zerquetscht wie von den ulkig frisierten, allem anderen die Show stehlenden Toupets der beiden männlichen Charakterköpfe.

Einen interessanten, mit Crowd-Funding-Unterstützung finanzierten Zwanzigminüter  präsentierte Philippe Weibel. TRAPPED (CH 2012) schielt nicht nur mit seinem Titel und der Besetzung auf den internationalen Markt, sondern kommt in englischer Sprache daher, hat auch eine tragfähige Idee für einen international tauglichen Gruselfilm samt solide funktionierender Auflösung. Die Story: Zwei Studenten und Freunde (Oliver Walker, David Osmond) wollen weitab der Zivilisation in nicht genauer bezeichneten Wäldern Wölfe für ihren Abschluss beobachten. Diese machen sich rar, dafür entdeckt der eine der beiden am Fluss ein hübsches Mädchen (erst nackert, dann im weißen Kleid), die ihm leider entschwindet. Phantom? Zauber? Samenstau? Der andere glaubt ihm natürlich nicht, bis sie eine Korb Äpfel als Geschenk vor den Zelten finden – und später bosartige Schnappfallen in der Umgebung, in die der eine prompt hineintappt. Eine spannende Prämisse also offeriert TRAPPED, leider aber dauert dieser Kurzfilm de facto 92 Minuten, wirkt also wie eine unselig aufgeblähte Adaption einer ansonsten gelungenen Kurzgeschichte – und braucht entsprechend ewig, bis er anrollt, schindet auch zwischendrin einfach so viel Zeit, so dass man schlicht die Geduld verliert. Zumal einfach viele Situationen allzu etablierter Bestandteil des Genre-Repertoires sind (der eine Bub, vorhersehbar wie Ostern, erschreckt nachts den anderen), um mit ihnen hinreichend die Lücken zu füllen. Der Wald mag zwar hübsch fotografiert und in Szene gesetzt sein, leider dann doch nicht genug, dass TRAPPED allein durch seine Atmosphäre (oder die beiden Darsteller) bei der Stange hielte. Und selten – etwa wenn die mysteriöse Fremde im Fluss erscheint – hat man einen eine(n) derart dysfunktionalen Musik(einsatz) zur Untermalung erleben dürfen. 
Gut, vielleicht bin ich zu ungnädig, vielleicht habe ich den Film auch in einer ungünstigen Aufführung gesehen. Es tanzten nämlich allzu oft fremde, störende Lichtflecken über die Leinwand. Von der sich öffnenden Kinosaaltür. Durch die während des Films immer wieder Zuschauer entschwanden, ohne zurückzukommen…

Das Eröffnungsspektakel des MOP, ROBIN HOOD (D 2013) von Martin Schreier, hingegen machte trotz seines doofen Titels geradezu verbotenen Spaß, weil er schamlos stylisches Action-Hollywood in Deutschland versucht, mit Ken Duken als Polizist Alex (Rolle u. Darsteller: Arsch und Eimer!) der in allernächster Zukunft mit einer Gruppe Bankräuber (und in dem Sinne professionals) gegen eine böse Über-Bank (bzw. deren Chef) in den Kampf zieht, denn Bank und Banker tragen bzw. trugen zur allgemeinen Volksverarmung, Wohnungslosigkeit und – in diesem Sinne – zum Selbstmord von Alex‘ Schwester kräftig bei. Das ist alles zwar hinreißend dämlich, hoppla-hopp und zusammenkolportierend dahinerzählt, macht aber gerade deswegen, mit seiner großen Geste und einem – das muss man schlicht unterstellen - Augenzwinkernd, so sinnlos Laune im ja recht „KaWUMM!!“-freien Kontext des deutschen Kinos, dass man ROBIN HOOD wie einem dicken Bernadiner-Jungtier, das in der Küche großes Chaos anrichtet, gar nicht böse sein kann. Noch dicker, platter, lauter! mochte man ihm zurufen (zwischendrin war’s wirklich ein wenig actionarm). Und sich anschließend auf eine mögliche Fortsetzung als Serie auf Pro7 oder sonst wo freuen, auf die der Film vermutlich und klugerweise spekuliert.    
  
Dass in Deutschland Genre aber auch auf hohem Niveau erdacht und produziert werden kann, zeigt sich, zumindest im Bereich des ernsten Politthriller (oder -dramas), an Stefan Schallers FÜNF JAHRE LEBEN (läuft hier und da auch, noch, unter: KURNAZ – FÜNF JAHRE LEBEN) (D 2013). Einer der mitreißendsten Filme des 34. Max Ophüls Preis (nicht nur des Themas wegen). Einer, der durchaus Weltniveau hat und von dem man in Zeiten von ZERO DARK THIRTY mal träumen darf, dass er 2014 den Auslands-„Oscar“ für Deutschland holt…

Zu diesem und weiteren bemerkenswerten Filmen hier aber erst demnächst mehr.

(zyw)