(Quelle: Filmfest München)
ANSICHTSSACHE - ZUM AKTUELLEN DEUTSCHEN FILM kommentiert und analysiert die derzeitige deutsche Filmlandschaft, berichtet über Neues und verweist auf Bemerkenswertes.
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Samstag, 27. Juni 2015
Filmfest München: Dietrich Brüggemann und Axel Ranisch
Filmmakers Live - Neues Deutsches Kino - auf dem Filmfest München 2015: Dietrich Brüggemann ("Heil") und Axel Ranisch ("Alki Alki") zum Gespräch:
(Quelle: Filmfest München)
(Quelle: Filmfest München)
Labels:
Festival,
German Mumblecore,
Veranstaltungen
Montag, 15. Dezember 2014
Tipp: ALTERSGLÜHEN bei epd Medien
"'Altersglühen' ist deshalb ein eminent brauchbarer Film über den Augenblick hinaus, weil er die Redaktionen herausfordert, weil er die Gewerke provoziert, weil er Arbeitsabläufe verändert. [...] [D]as Fernsehen soll von Ideen wie diesen und Kreativen wie Jan Georg Schütte heimgesucht werden".
Den Beitrag finden Sie online HIER.
Montag, 24. November 2014
Filmkritik: "Liebe mich!" von Philipp Eichholtz
„Von Oma gefördert“ ist dieser Film laut Vorspann – eine andere Produktionsfirma wird nicht genannt. Und der Abspann konstatiert: Gedreht nach dem „Sehr guten Manifest“ von Axel Ranisch. Das heißt insbesondere: In einem Schwung gedreht, in einem rauschhaften Arbeitsvorgang. Mit einem kleinen Filmteam, beweglich und spontan. Improvisiert ohne ausgefeiltes Drehbuch. Und: Tragisch und komisch. In Freiheit selbstbestimmt und unabhängig entstanden, gedreht von glücklichen Filmemachern, ein Bioprodukt der deutschen Filmlandschaft.
„Liebe mich!“ ist ein persönlicher Film: „Ab und an trifft man auf Menschen, an denen man wächst. Für mich war Sarah so eine Person“, sagt Regisseur Philipp Eichholtz: „Nach drei Jahren Sehnsucht, Herzschmerz und Liebeskummer ist dieser Film eine Liebeserklärung an alle lauten, impulsiven und fordernden Menschen, die ihre Fehler und Macken offen und mutig nach außen tragen.“
Sarah: Sie hat einige Macken. Ziemlich große sogar. Und das Tolle am Kino ist: Figuren, die im richtigen Leben nerven würden, kommen einem im Film nahe. Sarah macht zu Anfang für ihren Freund Frühstück, liebevoll und allzu übereifrig. Er hat nicht die Zeit und die Kraft, sie in ihrer Nähesucht (die sich nur in kleinen Nuancen ausdrückt) zu ertragen. Also Streit. Also schmeißt sie ihren Laptop nach ihm. Der fliegt durchs Fenster. Scheibe kaputt, MacBook sowieso. Und Sarah auf der Straße.
Dort wartet Axel Ranisch auf sie. Im Bienenkostüm. Sie im Hühnerkostüm. Und die beiden verteilen Flyer an die Berliner Passanten, ihr Job neben dem Studium. Geldsorgen genug, ein neuer Laptop kostet 2000 Euro. Und ein rasendes Temperament zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Zwischendurch wütend. Und alsbald verliebt. Nämlich in den Laptopverkäufer…
Impulsiv ist Sarah, sie denkt nicht immer nach. Oder um es mit den Worten ihres Vaters (Peter Trabner wieder Mal in einer Glanzrolle) zu sagen: Wenn man fünf Minuten nachdenkt, weiß man, dass das bescheuert ist; die Lösung einer Gehirnamputierten. Nämlich: Ihre eigene Wohnung für einige Monate unterzuvermieten, dafür 2000 Euro zu erhalten, um das MacBook zu kaufen – und auf der Straße zu stehen. Und beim Papa einzuziehen. Und bei dessen schwangerer Freundin. Ausgesetzt dem Sarkasmus ihres Erzeugers, den dieser in Hochform auf ihr ablädt. Wenn er nicht unvermittelt in die autoritäre Rolle fällt: Ellbogen vom Tisch! Spülmaschine einräumen!
Philipp Eichholtz weiß offenbar, wovon er erzählt. Der Laptopverkäufer Oliver sei Oliver Jerke nachgestaltet, mit dem Eichholtz schon seit Schulzeiten befreundet ist, der nun den Film mitproduzierte. Und Sarah – Sarah ist Sarah, und da lässt sie sich nicht dreinreden. Wild verliebt zieht sie mit Oliver durch Berlin, zwischendurch zündet sie des Nachts das Moped ihres Ex-Freundes an, um anderntags die überflüssigen Möbel aus ihrer untervermieteten Wohnung bei diesem abzuladen. Abladen zu lassen – denn den Umzug muss Oliver, ihr Neuer, bewerkstelligen, sie selbst traut sich nicht und ist lieber Eisessen gegangen. Sarah, wie sie leibt und lebt: Launisch und leidenschaftlich, ungestüm und aufbrausend, kratzbürstig und liebesbedürftig
Mit sechsseitigem Drehbuchentwurf ist Eichholtz an die Sache rangegangen, mit einem Budget von 4000 Euro. Und hat daraus ein kleines, großes Drama eine irrsinnige Komödie um Liebe und das Vergehen der Liebe geschaffen.
Harald Mühlbeyer
"Liebe mich!"
D 2014. Buch, Regie: Philipp Eichholtz. Kamera: Fee Scherer. Schnitt: Daniel Stephan. Musik: Luca, Ezra Furman, Cotton Jone. Produktion: Oliver Jerke, Philipp Eichholtz.
Darsteller: Lilli Meinhardt (Sarah), Christian Ehrlich (Oliver), Peter Trabner (Papa Dieter), Eva Bay (Natascha), Axel Ranisch (Dennis).
Länge: 80 Minuten.
Noch kein Verleih, noch kein Kinostart...
„Liebe mich!“ ist ein persönlicher Film: „Ab und an trifft man auf Menschen, an denen man wächst. Für mich war Sarah so eine Person“, sagt Regisseur Philipp Eichholtz: „Nach drei Jahren Sehnsucht, Herzschmerz und Liebeskummer ist dieser Film eine Liebeserklärung an alle lauten, impulsiven und fordernden Menschen, die ihre Fehler und Macken offen und mutig nach außen tragen.“
Sarah: Sie hat einige Macken. Ziemlich große sogar. Und das Tolle am Kino ist: Figuren, die im richtigen Leben nerven würden, kommen einem im Film nahe. Sarah macht zu Anfang für ihren Freund Frühstück, liebevoll und allzu übereifrig. Er hat nicht die Zeit und die Kraft, sie in ihrer Nähesucht (die sich nur in kleinen Nuancen ausdrückt) zu ertragen. Also Streit. Also schmeißt sie ihren Laptop nach ihm. Der fliegt durchs Fenster. Scheibe kaputt, MacBook sowieso. Und Sarah auf der Straße.
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Huhn und Hummel |
Impulsiv ist Sarah, sie denkt nicht immer nach. Oder um es mit den Worten ihres Vaters (Peter Trabner wieder Mal in einer Glanzrolle) zu sagen: Wenn man fünf Minuten nachdenkt, weiß man, dass das bescheuert ist; die Lösung einer Gehirnamputierten. Nämlich: Ihre eigene Wohnung für einige Monate unterzuvermieten, dafür 2000 Euro zu erhalten, um das MacBook zu kaufen – und auf der Straße zu stehen. Und beim Papa einzuziehen. Und bei dessen schwangerer Freundin. Ausgesetzt dem Sarkasmus ihres Erzeugers, den dieser in Hochform auf ihr ablädt. Wenn er nicht unvermittelt in die autoritäre Rolle fällt: Ellbogen vom Tisch! Spülmaschine einräumen!
Philipp Eichholtz weiß offenbar, wovon er erzählt. Der Laptopverkäufer Oliver sei Oliver Jerke nachgestaltet, mit dem Eichholtz schon seit Schulzeiten befreundet ist, der nun den Film mitproduzierte. Und Sarah – Sarah ist Sarah, und da lässt sie sich nicht dreinreden. Wild verliebt zieht sie mit Oliver durch Berlin, zwischendurch zündet sie des Nachts das Moped ihres Ex-Freundes an, um anderntags die überflüssigen Möbel aus ihrer untervermieteten Wohnung bei diesem abzuladen. Abladen zu lassen – denn den Umzug muss Oliver, ihr Neuer, bewerkstelligen, sie selbst traut sich nicht und ist lieber Eisessen gegangen. Sarah, wie sie leibt und lebt: Launisch und leidenschaftlich, ungestüm und aufbrausend, kratzbürstig und liebesbedürftig
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Philipp Eichholtz mit Filmförderung |
Harald Mühlbeyer
"Liebe mich!"
D 2014. Buch, Regie: Philipp Eichholtz. Kamera: Fee Scherer. Schnitt: Daniel Stephan. Musik: Luca, Ezra Furman, Cotton Jone. Produktion: Oliver Jerke, Philipp Eichholtz.
Darsteller: Lilli Meinhardt (Sarah), Christian Ehrlich (Oliver), Peter Trabner (Papa Dieter), Eva Bay (Natascha), Axel Ranisch (Dennis).
Länge: 80 Minuten.
Noch kein Verleih, noch kein Kinostart...
Freitag, 21. November 2014
ALTERSGLÜHEN - German Mumblecore aus Hamburg und im Fernsehen
Wenn am kommenden Freitag und Samstag in Frankfurt a. M und in Mainz eine große Veranstaltung zum Thema "German Mumblecore" stattfindet, versammeln sich vorwiegend Berliner auf dem Podium. Doch das freie Improspiel für und vor der Kamera ist natürlich nicht auf die Hauptstadt begrenzt. Schon im Buch ANSICHTSSACHE haben wir auch den Hamburger Jan Georg Schütte zu Wort kommen lassen, der neben seiner Theaterarbeit uns Filme wie SWINGER CLUB (2006) und DIE GLÜCKLICHEN (2008) bescherte.
Schütte präsentierte vor kurzem ein interessantes Stück, das nicht nur so empfehlenswert weil so gelungen ist, sondern weil es zeigt, dass und wie German Mumblecore auch ein wenig anders geht. ALTERSGLÜHEN - SPEED DATING FÜR SENIOREN lief am 12. November 2014 im Ersten und basiert auf Schüttes Hörspiel (!) bzw. dessen Idee: dreizehn Menschen zwischen Ende 60 und 80 Jahren mit unterschiedlicher Herkunft und Liebesbedürftigkeit, diversen Motiven und Temperamenten treffen sich in einer noblen Villa (gedreht wurde im Herrenhaus Höltigbaum in Hamburg-Rahlstedt), auf das Männlein und Weiblein sich für sieben Minuten beim Bäumchen-Wechsel-Dich-Reigen kennenlernen und vielleicht finden mögen.
Unter den gestandenen, namenhaften Schauspielern sind Senta Berger, Angela Winkler und Christine Schorn, Mario Adorf, Matthias Habich, Michael Gwisdek und Jochen Stern. Schütte selbst spielt den Veranstalter und Conférencier des Speed-Datings.
Es ist eine Wonne, diesen Schauspielern zuzuschauen, wie sie / ihre Figuren sich gegenüber sich selbst, ihrem Gegenüber und für die Kamera inszenieren - vor allem: dabei improvisieren. Natürlich gibt es einige Handlungsfäden und Vorabeinfälle, doch das Meiste entstand aus dem Moment bzw. der Rolle heraus. Man irritiert sich, es vibriert, es hakt, es ist von bestechener Augenblicksverhaftetheit, Authentizität, Im-Moment-Entscheiden, Zögern, von Verhalten, Verhaltensollen und Verhaltensrollen (durch die Hindurch immer wieder das hindurchschimmert, das verborgen werden soll): Reaktion und Gegenreaktion - sich einlassen, registrieren. Beste Schauspielerübung.
So wie es im Alltag überall beobachtbar ist, wo Menschen mit einander umgehen, besonders aber in solchen gesellschaftlichen Zweier-Beziehungsmomenten wie denen der reglementierten Partnervermittlung - eine brilliante Wahlentscheidung Schüttes, die Sujet-Situation betreffend.
Es ist zugleich eine Lebendingkeit, wie sie in Filmen viel zu selten miterlebbar wird, vielleicht weil sie auch darin viel zu selten oder schwer einzufangen ist.
Evelyn Roll hat in der Süddeutschen Zeitung höchstens bedingt recht, wenn sie befindet:
"Wer sich Altersglühen mit den handelsüblichen Erwartungen unserer Omas an deutsche Fernsehdrehbücher und an die Schauspielkunst unserer Besten anschaut, wird leiden, wird es langweilig finden, spannungslos und peinlich."
Genau auf den Punkt bringt sie es aber, wenn sie schreibt: "Wenn man aber mit der Akzeptanz des Konzepts den Film noch einmal sieht, geschieht etwas ganz Bemerkenswertes: Wie von verdorbenen Sehgewohnheiten befreit, sieht man plötzlich, wie mutig, bezaubernd und berührend es ist, dass dreizehn etablierte Stars mit der Verletzlichkeit ihrer Figuren auch die eigene Verletzlichkeit ausstellen." -- Allerdings kann einem das durchaus schon beim ersten Sehen aufgehen...
Und natürlich: "Fast unglaublich, dass öffentlich-rechtliche Sender so ein umstürzendes Werkstattexperiment möglich machen und zur besten Sendezeit zeigen.“
ALTERSGLÜHEN, im Auftrag der ARD von Riva Filmproduktion (schon bei Schüttes LEG IHN UM - EIN FAMILIENFEST dabei), NDR und WDR produziert, setzt sich denn auch in diversen Aspekten von vielen aktuellen Mumblecore-Filmen ab:
1.) Es ist ein von der "Vermarktung" her "normaler" TV-Film, kein Erlebnis-Werk, das fürs Kino und seine Erfahrung gedreht wurde. Und es ein Film, der wunderbar, heißt: auf erfrischende und erfrischend unspektakuläre Weise auch auf dem Fernsehschirm funktioniert (auch von den Zahlen her: Marktanteil von 16,2 %, also 5,7 Mio. Zuschauer). Wie er das auf der Leinwand sicherlich auch getan hätte. ALTERSGLÜHEN belegt: Mumblecore hat im deutschen Öffentlich-Rechtlichen (wie potenziell bei den Privaten) nicht nur eine Chance, sondern auch einen berechtigten Platz, und das, ohne als etwas Exzeptionelles daherkommen zu müssen.
2.) Statt meist junger Menschen, stehen hier Ältere im Mittelpunkt (was natürlich bestenfalls "vereinfacht" ist, man denke an Nico Sommers SILVI oder aktuell FAMILIENFIEBER, der beim FILMZ - Festival des deutschen Kinos nächste Woche im Wettbewerb läuft -- aber es geht hier ja auch um Skizzierung der Gegensätz en gros). ALTERGLÜHEN handelt denn auch weniger von Beziehungsproblemen oder dem Sichein- oder -zurechtfinden im/ins eigene Leben, sondern um die Probleme und Sehnsüchte gerade von Reiferen, die wissen, was sie sind, vorher sie kommen, wohin sie gehen (wollen), dabei sich aber trotzdem im Weg stehen. Oder gerade deswegen.
3.) Die Darsteller sind bei Schütte aber nicht nur damit automatisch älter als im Mumblecore-Durchschnitt, sondern auch überwiegend wohlbekannte, "klassische" Schauspieler. Das ist eine besondere Herausforderung nicht für diese, weil Improvisation nicht unbedingt deren (berufliches Alltags-)Ding ist, sondern auch für den Zuschauer, dem die Gesichter gut vertraut sind, der sie mit bestimmten Rollen oder Rollenmustern, auch Unterhaltungsqualitäten assoziiert, der aber hier, qua Augenblicksspiel, doch eine etwas andere Senta Berger erlebt, einen so noch ungesehenen Habich. (Unbenommen bleibt, dass manche(r) sich hier in der "Freiheit" des Moment-Agierens besser behauptet als der oder die eine andere, siehe auch Rolls zitierte Kritik). Schütte selbst ist auch Jahrgang 1962, damit älter als die meisten "Mumblecorer".
4.) Anders als PAPA GOLD und KAPTN OSKAR (von Tom Lass), LOVESTEAKS und FRONTALWATTE (Jakob Lass), STAUB AUF UNSEREN HERZEN (Hanna Doose), DICKE MÄDCHEN von Axel Ranisch, FAMILIENFIEBER oder SILVIE von Nico Sommer findet die Handlung in ALTERSGLÜHEN nicht über mehrere Tage und oftmals Drehorte hinweg statt. Nahezu in "Echtzeit" und räumlich begrenzt ist es - ohne experimental zu wirken - eine von Schütte mit leichter Hand (oder bewusst eben nicht) gesteuerte Versuchsanordnung, die als solche nicht erscheint (und störend auffällt), weil sie von der "Story" und ihrer Idee her von sich aus schon eben eine solche gibt.
5.) Eng damit verknüpft ist: ALTERSGLÜHEN hat keine Haupt- oder Zentralfigur, es ist ein - auch dramaturgisch - weitestgehend hierarchieloser Ensemblefilm, gerade weil sich der Film auf abwechselnd und sich in der Konstellation verändernde Zweiersituationen konzentriert. ALTERSGLÜHEN ist fast ein Kammerspiel, ein Bühnenstück, auch wenn man es ihm überhaupt nicht ansieht - und Schütte ohnehin einer, der mit relativ großen wiederkehrenden Kollegen-Ensemble dreht (darunter seine "Glücklichen": Stephan Schad, Pheline Rogan, Oliver Sauer, Susanne Wolff, Ole Schlosshauer).
6.) Last but not least - nein, ein Knüller: "Seit dem 13. November wird 'Altersglühen - Die Serie' in sechs Folgen im NDR Fernsehen ausgestrahlt. Dabei wird pro Folge eine Figur durch ihre Treffen begleitet". Mumblecore in (Fernseh-)Serie. Was Schütte bereits 2010 mit seiner dreiteiligen "Mini-Serie" Koffie to go allerdings vormachte. Und freilich wird's hier schon haarig; reduziert man Mumblecore aufs Improvisieren, auf das Ungeskriptete, könnte man auch allzu schnell Olli Dietrichs famosen Dittsche - Das wirklich wahre Leben (der jetzt in die 9. Staffel geht), irgendwann jedes Reality-Format mit einbeziehen. Was aber "German Mumblecore" genau ist, wo die Grenzen zumindest insofern zu ziehen sind als dass der Behelfsbegriff nicht gänzlich verwässert, selbst wenn man ihn auf das Fernsehen und andere Kanäle ("Mumblecore"-Webserie; macht das Sinn?) überträgt, klärt sich auf dem zweitiligen Symposium nächstes Wochenende (s.o.). Ganz gewiss.
Jedenfalls und kurzum, ALTERSGLÜHEN demonstriert: "German Mumblecore" ist sehenswert, erfolgreich, vielseitig, kann es jedenfalls sein, dabei zugleich in verschiedener Weise "gesetzter", im positiven Sinne einfügsamer, potenziell vielseitiger und ggf. formaterweiternder als es der - wiewohl praktisch berechtigte und ja nicht unkluge - vorherrschende (und auch hier bei ANSICHTSSACHE gepflegte) Fokus auf ihn als Spielart des "jungen deutschen Kinos" erscheinen lässt.
"Mumblecore" ist Prime-Time-geeignet.
ALTERSGLÜHEN - SPEED DATING FÜR SENIOREN ist HIER noch in der ARD-Mediathek zu sehen. Es lohnt sich.
Ein Interview mit Schütte zu ALTERSGLÜHEN samt Statements der Schauspieler finden Sie HIER.
Einen aufschlussreichen Spiegel-Online-Bericht von den Dreharbeiten gibt es HIER.
Bernd Zywietz
Schütte präsentierte vor kurzem ein interessantes Stück, das nicht nur so empfehlenswert weil so gelungen ist, sondern weil es zeigt, dass und wie German Mumblecore auch ein wenig anders geht. ALTERSGLÜHEN - SPEED DATING FÜR SENIOREN lief am 12. November 2014 im Ersten und basiert auf Schüttes Hörspiel (!) bzw. dessen Idee: dreizehn Menschen zwischen Ende 60 und 80 Jahren mit unterschiedlicher Herkunft und Liebesbedürftigkeit, diversen Motiven und Temperamenten treffen sich in einer noblen Villa (gedreht wurde im Herrenhaus Höltigbaum in Hamburg-Rahlstedt), auf das Männlein und Weiblein sich für sieben Minuten beim Bäumchen-Wechsel-Dich-Reigen kennenlernen und vielleicht finden mögen.
Unter den gestandenen, namenhaften Schauspielern sind Senta Berger, Angela Winkler und Christine Schorn, Mario Adorf, Matthias Habich, Michael Gwisdek und Jochen Stern. Schütte selbst spielt den Veranstalter und Conférencier des Speed-Datings.
Es ist eine Wonne, diesen Schauspielern zuzuschauen, wie sie / ihre Figuren sich gegenüber sich selbst, ihrem Gegenüber und für die Kamera inszenieren - vor allem: dabei improvisieren. Natürlich gibt es einige Handlungsfäden und Vorabeinfälle, doch das Meiste entstand aus dem Moment bzw. der Rolle heraus. Man irritiert sich, es vibriert, es hakt, es ist von bestechener Augenblicksverhaftetheit, Authentizität, Im-Moment-Entscheiden, Zögern, von Verhalten, Verhaltensollen und Verhaltensrollen (durch die Hindurch immer wieder das hindurchschimmert, das verborgen werden soll): Reaktion und Gegenreaktion - sich einlassen, registrieren. Beste Schauspielerübung.
So wie es im Alltag überall beobachtbar ist, wo Menschen mit einander umgehen, besonders aber in solchen gesellschaftlichen Zweier-Beziehungsmomenten wie denen der reglementierten Partnervermittlung - eine brilliante Wahlentscheidung Schüttes, die Sujet-Situation betreffend.
Es ist zugleich eine Lebendingkeit, wie sie in Filmen viel zu selten miterlebbar wird, vielleicht weil sie auch darin viel zu selten oder schwer einzufangen ist.
Evelyn Roll hat in der Süddeutschen Zeitung höchstens bedingt recht, wenn sie befindet:
"Wer sich Altersglühen mit den handelsüblichen Erwartungen unserer Omas an deutsche Fernsehdrehbücher und an die Schauspielkunst unserer Besten anschaut, wird leiden, wird es langweilig finden, spannungslos und peinlich."
Genau auf den Punkt bringt sie es aber, wenn sie schreibt: "Wenn man aber mit der Akzeptanz des Konzepts den Film noch einmal sieht, geschieht etwas ganz Bemerkenswertes: Wie von verdorbenen Sehgewohnheiten befreit, sieht man plötzlich, wie mutig, bezaubernd und berührend es ist, dass dreizehn etablierte Stars mit der Verletzlichkeit ihrer Figuren auch die eigene Verletzlichkeit ausstellen." -- Allerdings kann einem das durchaus schon beim ersten Sehen aufgehen...
Und natürlich: "Fast unglaublich, dass öffentlich-rechtliche Sender so ein umstürzendes Werkstattexperiment möglich machen und zur besten Sendezeit zeigen.“
ALTERSGLÜHEN, im Auftrag der ARD von Riva Filmproduktion (schon bei Schüttes LEG IHN UM - EIN FAMILIENFEST dabei), NDR und WDR produziert, setzt sich denn auch in diversen Aspekten von vielen aktuellen Mumblecore-Filmen ab:
1.) Es ist ein von der "Vermarktung" her "normaler" TV-Film, kein Erlebnis-Werk, das fürs Kino und seine Erfahrung gedreht wurde. Und es ein Film, der wunderbar, heißt: auf erfrischende und erfrischend unspektakuläre Weise auch auf dem Fernsehschirm funktioniert (auch von den Zahlen her: Marktanteil von 16,2 %, also 5,7 Mio. Zuschauer). Wie er das auf der Leinwand sicherlich auch getan hätte. ALTERSGLÜHEN belegt: Mumblecore hat im deutschen Öffentlich-Rechtlichen (wie potenziell bei den Privaten) nicht nur eine Chance, sondern auch einen berechtigten Platz, und das, ohne als etwas Exzeptionelles daherkommen zu müssen.
2.) Statt meist junger Menschen, stehen hier Ältere im Mittelpunkt (was natürlich bestenfalls "vereinfacht" ist, man denke an Nico Sommers SILVI oder aktuell FAMILIENFIEBER, der beim FILMZ - Festival des deutschen Kinos nächste Woche im Wettbewerb läuft -- aber es geht hier ja auch um Skizzierung der Gegensätz en gros). ALTERGLÜHEN handelt denn auch weniger von Beziehungsproblemen oder dem Sichein- oder -zurechtfinden im/ins eigene Leben, sondern um die Probleme und Sehnsüchte gerade von Reiferen, die wissen, was sie sind, vorher sie kommen, wohin sie gehen (wollen), dabei sich aber trotzdem im Weg stehen. Oder gerade deswegen.
3.) Die Darsteller sind bei Schütte aber nicht nur damit automatisch älter als im Mumblecore-Durchschnitt, sondern auch überwiegend wohlbekannte, "klassische" Schauspieler. Das ist eine besondere Herausforderung nicht für diese, weil Improvisation nicht unbedingt deren (berufliches Alltags-)Ding ist, sondern auch für den Zuschauer, dem die Gesichter gut vertraut sind, der sie mit bestimmten Rollen oder Rollenmustern, auch Unterhaltungsqualitäten assoziiert, der aber hier, qua Augenblicksspiel, doch eine etwas andere Senta Berger erlebt, einen so noch ungesehenen Habich. (Unbenommen bleibt, dass manche(r) sich hier in der "Freiheit" des Moment-Agierens besser behauptet als der oder die eine andere, siehe auch Rolls zitierte Kritik). Schütte selbst ist auch Jahrgang 1962, damit älter als die meisten "Mumblecorer".
4.) Anders als PAPA GOLD und KAPTN OSKAR (von Tom Lass), LOVESTEAKS und FRONTALWATTE (Jakob Lass), STAUB AUF UNSEREN HERZEN (Hanna Doose), DICKE MÄDCHEN von Axel Ranisch, FAMILIENFIEBER oder SILVIE von Nico Sommer findet die Handlung in ALTERSGLÜHEN nicht über mehrere Tage und oftmals Drehorte hinweg statt. Nahezu in "Echtzeit" und räumlich begrenzt ist es - ohne experimental zu wirken - eine von Schütte mit leichter Hand (oder bewusst eben nicht) gesteuerte Versuchsanordnung, die als solche nicht erscheint (und störend auffällt), weil sie von der "Story" und ihrer Idee her von sich aus schon eben eine solche gibt.
5.) Eng damit verknüpft ist: ALTERSGLÜHEN hat keine Haupt- oder Zentralfigur, es ist ein - auch dramaturgisch - weitestgehend hierarchieloser Ensemblefilm, gerade weil sich der Film auf abwechselnd und sich in der Konstellation verändernde Zweiersituationen konzentriert. ALTERSGLÜHEN ist fast ein Kammerspiel, ein Bühnenstück, auch wenn man es ihm überhaupt nicht ansieht - und Schütte ohnehin einer, der mit relativ großen wiederkehrenden Kollegen-Ensemble dreht (darunter seine "Glücklichen": Stephan Schad, Pheline Rogan, Oliver Sauer, Susanne Wolff, Ole Schlosshauer).
6.) Last but not least - nein, ein Knüller: "Seit dem 13. November wird 'Altersglühen - Die Serie' in sechs Folgen im NDR Fernsehen ausgestrahlt. Dabei wird pro Folge eine Figur durch ihre Treffen begleitet". Mumblecore in (Fernseh-)Serie. Was Schütte bereits 2010 mit seiner dreiteiligen "Mini-Serie" Koffie to go allerdings vormachte. Und freilich wird's hier schon haarig; reduziert man Mumblecore aufs Improvisieren, auf das Ungeskriptete, könnte man auch allzu schnell Olli Dietrichs famosen Dittsche - Das wirklich wahre Leben (der jetzt in die 9. Staffel geht), irgendwann jedes Reality-Format mit einbeziehen. Was aber "German Mumblecore" genau ist, wo die Grenzen zumindest insofern zu ziehen sind als dass der Behelfsbegriff nicht gänzlich verwässert, selbst wenn man ihn auf das Fernsehen und andere Kanäle ("Mumblecore"-Webserie; macht das Sinn?) überträgt, klärt sich auf dem zweitiligen Symposium nächstes Wochenende (s.o.). Ganz gewiss.
Jedenfalls und kurzum, ALTERSGLÜHEN demonstriert: "German Mumblecore" ist sehenswert, erfolgreich, vielseitig, kann es jedenfalls sein, dabei zugleich in verschiedener Weise "gesetzter", im positiven Sinne einfügsamer, potenziell vielseitiger und ggf. formaterweiternder als es der - wiewohl praktisch berechtigte und ja nicht unkluge - vorherrschende (und auch hier bei ANSICHTSSACHE gepflegte) Fokus auf ihn als Spielart des "jungen deutschen Kinos" erscheinen lässt.
"Mumblecore" ist Prime-Time-geeignet.
ALTERSGLÜHEN - SPEED DATING FÜR SENIOREN ist HIER noch in der ARD-Mediathek zu sehen. Es lohnt sich.
Ein Interview mit Schütte zu ALTERSGLÜHEN samt Statements der Schauspieler finden Sie HIER.
Einen aufschlussreichen Spiegel-Online-Bericht von den Dreharbeiten gibt es HIER.
Bernd Zywietz
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Tipp
Samstag, 1. November 2014
Doppel-Schwerpunkt GERMAN MUMBLECORE
In ANSICHTSSACHE hat Bernd Zywietz einen Momentblick auf "Freilandfilmer" des sogenannten "German Mumblecore" geworfen, darunter Axel Ranisch, Jakob Lass und Tom Lass. Diese und mehr kommen nun Ende November zusammen und geben an zwei Tagen Einblick in ihre Arbeiten und Arbei, ihre Vorstellung von Kino, Film und Filmemachen.
Zusammen mit dem FILMZ - Festival des deutschen Kinos lädt das Deutsche Filminstitut (DIF) in Frankfurt a. M. an zwei Tagen zum Symposium German Mumblecore. Am Freitag, den 28. November werden im Kino des Deutschen Filmmuseums Nico Sommers STILLER FRÜHLING zu sehen sein, Isabell Šubas Kurzfilm PETER PAN IST TOT, außerdem DICKE MÄDCHEN von Axel Ranisch sowie Aron Lehmanns KOHLHAAS ODER DIE VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT DER MITTEL. Dazwischen gibt es u.a. - und vor allem - zwei Podiumsdiskussionen - mit Hanna Doose (STAUB AUF UNSEREN HERZEN), Jakob Lass, Tom Lass, Aron Lehmann, Axel Ranisch, Nico Sommer und Isabell Šuba.
Am nächsten Tag, den 29. November geht es weiter in Mainz. Teil 2 des Symposium, im Rahmenprogramm des FILMZ, findet im CinéMayence (Schillerstraße 11) statt. Neben Hanna Dooses Kurzfilm HEINRICH BRINGT DIE KINDER UM HALB NEUN wird Tom Lass' PAPA GOLD zu sehen sein sowie der Festivalerfolg LOVE STEAKS von Toms Bruder Jakob. Außerdem gibt es eine weitere Diskussion mit den Sieben (nebst Vortrag von Urs Spörri u.a. zum Thema Vertriebs-, Verleih- und Abspielformen der Independent-Strömung).
Weitere Infos und Details zu dem zweitägigen Symposium (das auch einzeltägich besucht werden kann), finden Sie HIER.
Vor ab schon hat das DIF nun eigens eine Themenseite zu "German Mumblecore" eingerichtete. Neben einem ausführlichen Interview von Urs Spörri mit den Kameramännern Timon Schäppi (u.a. LOVESTEAKS), Johannes Louis (etwa: MÄNNE ZEIGEN FILME UND FRAUEN IHRE BRÜSTE) und Eugen Gritschneder (u.a. FAMILIENFIEBER) findet sich darauf eine Filmliste, Videos von "Mumblecorern im Gespräch" - sowie mit freundlicher Genehmigung des Schüren-Verlags eben Bernd Zywietz' Beitrag zu "German Mumblecore" aus unserem ANSICHTSSACHE-Buch.
Zusammen mit dem FILMZ - Festival des deutschen Kinos lädt das Deutsche Filminstitut (DIF) in Frankfurt a. M. an zwei Tagen zum Symposium German Mumblecore. Am Freitag, den 28. November werden im Kino des Deutschen Filmmuseums Nico Sommers STILLER FRÜHLING zu sehen sein, Isabell Šubas Kurzfilm PETER PAN IST TOT, außerdem DICKE MÄDCHEN von Axel Ranisch sowie Aron Lehmanns KOHLHAAS ODER DIE VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT DER MITTEL. Dazwischen gibt es u.a. - und vor allem - zwei Podiumsdiskussionen - mit Hanna Doose (STAUB AUF UNSEREN HERZEN), Jakob Lass, Tom Lass, Aron Lehmann, Axel Ranisch, Nico Sommer und Isabell Šuba.
Am nächsten Tag, den 29. November geht es weiter in Mainz. Teil 2 des Symposium, im Rahmenprogramm des FILMZ, findet im CinéMayence (Schillerstraße 11) statt. Neben Hanna Dooses Kurzfilm HEINRICH BRINGT DIE KINDER UM HALB NEUN wird Tom Lass' PAPA GOLD zu sehen sein sowie der Festivalerfolg LOVE STEAKS von Toms Bruder Jakob. Außerdem gibt es eine weitere Diskussion mit den Sieben (nebst Vortrag von Urs Spörri u.a. zum Thema Vertriebs-, Verleih- und Abspielformen der Independent-Strömung).
Weitere Infos und Details zu dem zweitägigen Symposium (das auch einzeltägich besucht werden kann), finden Sie HIER.
Vor ab schon hat das DIF nun eigens eine Themenseite zu "German Mumblecore" eingerichtete. Neben einem ausführlichen Interview von Urs Spörri mit den Kameramännern Timon Schäppi (u.a. LOVESTEAKS), Johannes Louis (etwa: MÄNNE ZEIGEN FILME UND FRAUEN IHRE BRÜSTE) und Eugen Gritschneder (u.a. FAMILIENFIEBER) findet sich darauf eine Filmliste, Videos von "Mumblecorern im Gespräch" - sowie mit freundlicher Genehmigung des Schüren-Verlags eben Bernd Zywietz' Beitrag zu "German Mumblecore" aus unserem ANSICHTSSACHE-Buch.
Mittwoch, 16. Juli 2014
Lesetipp: Day-and-Date als Chance oder Risiko?
In ANSICHTSSACHE hat sich Alexander Matzkeit (damals noch als Alexander Gajic) mit der Digitalisierung befasst, in der aktuellen Ausgabe von epd Film widmet er sich nun den hiesigen Hürden, Chancen und Risiken des Day-and-Date-Starts, also der zeitlichen Auswertung von Filmen im Kino und auf Online-Plattformen.
Aufhänger und Anlass ist der auch hier schon und im Buch mehrfach thematisierte Film LOVE STEAKS von Jakob Lass. Der Mumblecore-Erfolg gewann nicht nur fulminant u.a. in München 2013 alle Nachwuchspreise, sondern war auch Experimentalprojekt in Sachen Distribution und Aufführung: Über eine eigene Plattform sollte der relativ "kleine" Film nicht nur auf der großen Leinwand der Lichtspielhäuser und -häuschen so sehen sein, sondern auch daheim, wobei die Kinobetreiber auch davon profitierten (oder eben nicht).
Daraus wurde letztlich nichts, aber trotzdem (oder deshalb) diente LOVE STEAKS in der letzten Zeit mehrmals bei öffentlichen Diskussionen als Beispielfall für die mögliche Zukunftsideen und/oder, je nach Standpunkt, die schädliche Unbeweglichkeit deutscher Strukturverhältnisse (bzw.: Köpfe).
Was und wie(so) (vielleicht) daraus letztlich nichts wurde, ist in Matzkeits Artikel "Alles auf einmal. Sofort!" (epd Film, Nr. 7, 2014, S. 26-27) nachzulesen; dazu geht es um das - damit verbundene - Thema Filmförderung. Erfahrungen aus dem Ausland werden einbezogen und Befürworter (v.a. Produzent und HFF-Professor Martin Hagemann) wie Gegner oder zumindest Skeptiker (Max-Ophüls-Preis-Co-Leiter u. Vorstandsvorsitzender der AG Kino - Gilde Christian Bräuer) der Day-and-Date-Idee zu Wort kommen.
Lesenswert!
zyw
Aufhänger und Anlass ist der auch hier schon und im Buch mehrfach thematisierte Film LOVE STEAKS von Jakob Lass. Der Mumblecore-Erfolg gewann nicht nur fulminant u.a. in München 2013 alle Nachwuchspreise, sondern war auch Experimentalprojekt in Sachen Distribution und Aufführung: Über eine eigene Plattform sollte der relativ "kleine" Film nicht nur auf der großen Leinwand der Lichtspielhäuser und -häuschen so sehen sein, sondern auch daheim, wobei die Kinobetreiber auch davon profitierten (oder eben nicht).
Daraus wurde letztlich nichts, aber trotzdem (oder deshalb) diente LOVE STEAKS in der letzten Zeit mehrmals bei öffentlichen Diskussionen als Beispielfall für die mögliche Zukunftsideen und/oder, je nach Standpunkt, die schädliche Unbeweglichkeit deutscher Strukturverhältnisse (bzw.: Köpfe).
Was und wie(so) (vielleicht) daraus letztlich nichts wurde, ist in Matzkeits Artikel "Alles auf einmal. Sofort!" (epd Film, Nr. 7, 2014, S. 26-27) nachzulesen; dazu geht es um das - damit verbundene - Thema Filmförderung. Erfahrungen aus dem Ausland werden einbezogen und Befürworter (v.a. Produzent und HFF-Professor Martin Hagemann) wie Gegner oder zumindest Skeptiker (Max-Ophüls-Preis-Co-Leiter u. Vorstandsvorsitzender der AG Kino - Gilde Christian Bräuer) der Day-and-Date-Idee zu Wort kommen.
Lesenswert!
zyw
Freitag, 10. Januar 2014
Vorauswahl Deutscher Filmpreis 2014
Die drei Vorauswahlkomitees haben entschieden, wer für den Deutschen Filmpreis 2014 ins Rennen um die "Lola" geht.
In Sachen Spielfilm stehen neben Edgar Reitz' EINE ANDERE HEIMAT, David Wnendts FEUCHTGEBIETE oder Borak Dagtekins FACK JU GÖHTE (der 2013 nicht nur der erfolgreichste deutsche Film war, sondern zudem der erfolgreichste Film im deutschen Kino überhaupt - zuletzt gelang dies 2008 Schweigers KOKOWÄÄH) auch German-Mumblecore-Kleinode wie Axel Ranischs ICH FÜHL MICH DISCO und LOVE STEAKS von Jakob Lass auf der Liste.
Weitere verdiente Vornominierte: Katrin Gebbes an die Nieren gehender TORE TANZT und Aron Lehmanns KOHLHAAS ODER DIE VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT DER MITTEL. Wer freilich schmerzlich fehlt, ist Ramon Zürchers DAS MERKWÜRDIGE KÄTZCHEN. Schade.
Die gesamte Vorauswahl inklusive der Kinder- und Dokumentarfilme sowie nachbenannter Einzelleistungen finden Sie HIER.
zyw
In Sachen Spielfilm stehen neben Edgar Reitz' EINE ANDERE HEIMAT, David Wnendts FEUCHTGEBIETE oder Borak Dagtekins FACK JU GÖHTE (der 2013 nicht nur der erfolgreichste deutsche Film war, sondern zudem der erfolgreichste Film im deutschen Kino überhaupt - zuletzt gelang dies 2008 Schweigers KOKOWÄÄH) auch German-Mumblecore-Kleinode wie Axel Ranischs ICH FÜHL MICH DISCO und LOVE STEAKS von Jakob Lass auf der Liste.
Weitere verdiente Vornominierte: Katrin Gebbes an die Nieren gehender TORE TANZT und Aron Lehmanns KOHLHAAS ODER DIE VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT DER MITTEL. Wer freilich schmerzlich fehlt, ist Ramon Zürchers DAS MERKWÜRDIGE KÄTZCHEN. Schade.
Die gesamte Vorauswahl inklusive der Kinder- und Dokumentarfilme sowie nachbenannter Einzelleistungen finden Sie HIER.
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Dienstag, 3. Dezember 2013
DICKE MÄDCHEN im Internet gegen die Krise des deutschen Kinos?
Dem deutschen Film, es geht im mal wieder schlecht. Kaum hat das FILMZ–Festival gezeigt, was für ein gelungenes Jahr wir bald hinter uns haben, klagt Martin Hagemann, Produzent und HFF-Potsdam-Professor auf fr-online über den Stand der Dinge. Hagemann, der eine beindruckend gemischte Palette an (Co-)Produktionen – von Christopher Smiths UK-Horror CREEP über Michael Kliers FARLAND bis Béla Tarrs sperrigen THE TURIN HORSE – vorzuweisen hat, bietet dabei bekannte Argumente und „Feinde“ auf: das hiesige Fernsehen, das bestenfalls Brotjobs und Abhängigkeitsverhältnisse für Produzenten bietet und darüber hinaus nur Seichtes; die historische Fehlentwicklung in Sachen experimentierfeindlicher Förderstrukturen, die „Überproduktionskrise“ und die einhergehende Aufmerksamkeits“kannibalisierung“ etc.
Vieles davon hat man davor schon lesen können – unter anderen bei uns in ANSICHTSSACHE, wie die von Harald Mühlbeyer konstatierte Kluft zwischen Kommerz hier und Kunstkino dort (bei Hagemann: dem, freilich zugestandenen, Erfolg von FACK JU GÖHTE und der MoMA-Adelung er „Berliner Schule“). „Es fehlt an regelmäßigen guten Produktionen“, so Hagemann (quasi unisono mit Mühlbeyer). Genauer: „Es fehlen in Deutschland seit langem Spielfilme, die sich zwischen den Polen von wirtschaftlicher und kultureller Ausrichtung positionieren. Es fehlt an regelmäßigen guten und erfolgreichen Filmproduktionen, die an einem Begriff von Film festhalten, der populär und anspruchsvoll zugleich ist“ (Hagemann).
Da allerdings Hagemann vom Fach kommt, hat er einen spezifischen Blick, der (so) den vielen anderen öffentlichen Klagen, derer es – muss man auch sagen – kaum genug geben kann, insofern abhebt, als er besonders auf seine Berufsgruppe und ihre konkrete Arbeits-, mithin Finanzierungslage verweist, was in anderen Debattenbeiträgen tendenziell weniger der Fall ist.
Hagemann kritisiert die Machtlosigkeit der Produzenten, bzw. deren Entkapitalisierung. „Wenn aber Produzenten heute nur noch von der Herstellung der Filme und nicht von ihrer Auswertung leben können, werden sie zu Auftragsproduzenten der Verleiher und Verwerter, ähnlich wie in der Fernsehproduktion, bei der in der Regel alle Rechte an den Sender abgegeben werden und fest vereinbarte, erfolgsunabhängige Honorare den einzigen Erlös der Produzenten ausmachen.“
Und: „Die Hälfte der sechshundert Millionen Umsatz innerhalb der deutschen Kinofilmproduktion wird heute in einem Prozent der deutschen Produktionsfirmen bewegt, während 83 Prozent der Produktionsfirmen nur für acht Prozent des Umsatzes verantwortlich sind.“
Das ist ein richtiger, wichtiger Punkt; ich wüsste gerne, woher er diese Zahl hat (nein wirklich, ist nicht rhetorisch gemeint!). Am Schluss noch verweist Hagemann zur Lösung auf eine ebenfalls nicht allzu neue Idee: Die Trennung zwischen künstlerischer und wirtschaftlicher Filmförderung (was sich leider immer so ein bisschen beißt mit dem versöhnenden Wunsch nach sowohl künstlerische wie kommerziellen „guten“ / „erfolgreichen“ Filmen, s.o.). Aber er nimmt auch die Kinos in die Pflicht, die risikoscheu seien, sich an die Sperrfristen klammerten. „So werden sie wohl das jüngere Publikum an Internetportale wie netflix und Co. verlieren.“
Das ist nun ein besonders spannender Punkt, denn just an dem Tag, da Hagemanns Artikel auf der Onlineseite der Frankfurter Rundschau erschien, verkündete Axel Ranisch und das Team von „Sehr gute Film“, kaum zurück aus Mainz in Berlin, wo sie für ICH FÜHL MICH DISCO den Hauptpreis erhielten, ein ganz besonderes Angebot: Ranischs günstig hergestellter Erfolgsfilm DICKE MÄDCHEN, die erste Produktion von „Sehr gute Filme“ ist für 9,99 Euro als Stream und Download auf der Seite der Firma zu haben [1].
Streams und Downloads ersetzen natürlich nicht die Kinoerfahrung. Das sieht Ranisch aber ohnehin nicht so eng. Und mehr noch ist dieser digitale Selbstvertrieb ein mögliches Konzept, das zwar mit vielen Fallstricken verbunden ist (ob Kino oder Netflix: es braucht wohl eine etablierte Plattform, die den meisten Filmsuchenden das Angebot zumindest vorstrukturiert und präsentiert). Es hat, zusammen mit ähnlichen Direktvertrieben aber Signalcharakter und den Vorteil, tatsächlich sämtliche an oder zumindest in der Misere profitierenden „middle men“ (wie sie Hagemann als Teil des Übels beschreibt), zu umgehen.
Darüber hinaus bindet es Fans natürlich noch mehr Innigkeit; alles aus einer Hand. Wenn „Sehr gute Filme“ die „Bio-Produkte der Deutschen Filmlandschaft“ sind, wie es im „Sehr guten Manifest“ zu lesen steht, was liegt da näher, auch direkt vom Erzeuger zu kaufen?
zyw
[1] Gerne hätte ich in diesem Kontext einen Zwinker-Zwinker-Kalauer in Sachen Sich-Dicke-Mädchen-im-Internet-für-kleines-Geld-anschauen eingebracht (Dicke Mädchen „auf allen Geräten“ - ti-hihi!); passte jetzt aber nicht so, sei aber als famose Idee und Ulkigkeitsbeweis hier nicht ganz unterschlagen.
Vieles davon hat man davor schon lesen können – unter anderen bei uns in ANSICHTSSACHE, wie die von Harald Mühlbeyer konstatierte Kluft zwischen Kommerz hier und Kunstkino dort (bei Hagemann: dem, freilich zugestandenen, Erfolg von FACK JU GÖHTE und der MoMA-Adelung er „Berliner Schule“). „Es fehlt an regelmäßigen guten Produktionen“, so Hagemann (quasi unisono mit Mühlbeyer). Genauer: „Es fehlen in Deutschland seit langem Spielfilme, die sich zwischen den Polen von wirtschaftlicher und kultureller Ausrichtung positionieren. Es fehlt an regelmäßigen guten und erfolgreichen Filmproduktionen, die an einem Begriff von Film festhalten, der populär und anspruchsvoll zugleich ist“ (Hagemann).
Da allerdings Hagemann vom Fach kommt, hat er einen spezifischen Blick, der (so) den vielen anderen öffentlichen Klagen, derer es – muss man auch sagen – kaum genug geben kann, insofern abhebt, als er besonders auf seine Berufsgruppe und ihre konkrete Arbeits-, mithin Finanzierungslage verweist, was in anderen Debattenbeiträgen tendenziell weniger der Fall ist.
Hagemann kritisiert die Machtlosigkeit der Produzenten, bzw. deren Entkapitalisierung. „Wenn aber Produzenten heute nur noch von der Herstellung der Filme und nicht von ihrer Auswertung leben können, werden sie zu Auftragsproduzenten der Verleiher und Verwerter, ähnlich wie in der Fernsehproduktion, bei der in der Regel alle Rechte an den Sender abgegeben werden und fest vereinbarte, erfolgsunabhängige Honorare den einzigen Erlös der Produzenten ausmachen.“
Und: „Die Hälfte der sechshundert Millionen Umsatz innerhalb der deutschen Kinofilmproduktion wird heute in einem Prozent der deutschen Produktionsfirmen bewegt, während 83 Prozent der Produktionsfirmen nur für acht Prozent des Umsatzes verantwortlich sind.“
Das ist ein richtiger, wichtiger Punkt; ich wüsste gerne, woher er diese Zahl hat (nein wirklich, ist nicht rhetorisch gemeint!). Am Schluss noch verweist Hagemann zur Lösung auf eine ebenfalls nicht allzu neue Idee: Die Trennung zwischen künstlerischer und wirtschaftlicher Filmförderung (was sich leider immer so ein bisschen beißt mit dem versöhnenden Wunsch nach sowohl künstlerische wie kommerziellen „guten“ / „erfolgreichen“ Filmen, s.o.). Aber er nimmt auch die Kinos in die Pflicht, die risikoscheu seien, sich an die Sperrfristen klammerten. „So werden sie wohl das jüngere Publikum an Internetportale wie netflix und Co. verlieren.“
Das ist nun ein besonders spannender Punkt, denn just an dem Tag, da Hagemanns Artikel auf der Onlineseite der Frankfurter Rundschau erschien, verkündete Axel Ranisch und das Team von „Sehr gute Film“, kaum zurück aus Mainz in Berlin, wo sie für ICH FÜHL MICH DISCO den Hauptpreis erhielten, ein ganz besonderes Angebot: Ranischs günstig hergestellter Erfolgsfilm DICKE MÄDCHEN, die erste Produktion von „Sehr gute Filme“ ist für 9,99 Euro als Stream und Download auf der Seite der Firma zu haben [1].
Streams und Downloads ersetzen natürlich nicht die Kinoerfahrung. Das sieht Ranisch aber ohnehin nicht so eng. Und mehr noch ist dieser digitale Selbstvertrieb ein mögliches Konzept, das zwar mit vielen Fallstricken verbunden ist (ob Kino oder Netflix: es braucht wohl eine etablierte Plattform, die den meisten Filmsuchenden das Angebot zumindest vorstrukturiert und präsentiert). Es hat, zusammen mit ähnlichen Direktvertrieben aber Signalcharakter und den Vorteil, tatsächlich sämtliche an oder zumindest in der Misere profitierenden „middle men“ (wie sie Hagemann als Teil des Übels beschreibt), zu umgehen.
Darüber hinaus bindet es Fans natürlich noch mehr Innigkeit; alles aus einer Hand. Wenn „Sehr gute Filme“ die „Bio-Produkte der Deutschen Filmlandschaft“ sind, wie es im „Sehr guten Manifest“ zu lesen steht, was liegt da näher, auch direkt vom Erzeuger zu kaufen?
zyw
[1] Gerne hätte ich in diesem Kontext einen Zwinker-Zwinker-Kalauer in Sachen Sich-Dicke-Mädchen-im-Internet-für-kleines-Geld-anschauen eingebracht (Dicke Mädchen „auf allen Geräten“ - ti-hihi!); passte jetzt aber nicht so, sei aber als famose Idee und Ulkigkeitsbeweis hier nicht ganz unterschlagen.
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Montag, 2. Dezember 2013
FILMZ 2013: Mainz fühlt sich Disco
Ranisch-Pinkowski-Festspiele
FILMZ 2013 ist vorbei und hat einen glücklichen, sehr guten Hauptgewinner. Nach DAS KALTE EISEN von Thomas Lauterbach als bestem Dokumentarfilm und DIE SCHAUKEL DES SARGMACHERS von Elmar Imanov als bestem mittellangen Film ist es Axel Ranisch mit seinem ICH FÜHL MICH DISCO, der das „Mainzer Rad“ mit nach Hause nehmen darf. Knapp war die Entscheidung – die FILMZ-Filmprämierungen sind alles Publikumspreise, und fast ebenso gerne wie DISCO mochten die Mainzer KOHLHAAS ODER DIE VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT DER MITTEL von Aaron Lehmann und Michaela Kezeles Drama DIE BRÜCKE AM IBAR. Doch eben nur fast. Und gewonnen hatte Axel Ranisch zusammen mit Pinkowski auch darüber hinaus.

Neben ICH FÜHL MICH DISKO, in dem Pinkowski die zweite Hauptrolle spielt, präsentierten beide gleich noch einen weiteren Film auf dem Festival des deutschen Kinos: den ebenfalls ohne fertige Dialoge produzierten Kinderfilm REUBER, in dem Pinkowski mit seiner stattlichen Gestalt titelgebenden – des Schreibens und Lesens eben eher unkundigen – Wegelagerer gibt. Darüber hinaus war der Schauspieler noch in zwei weiteren Werken – KOHLHAAS und dem mittellangen STUFE DREI – zu sehen, so dass schon bei der Moderation von ICH FÜHL MICH DISCO gescherzt wurde, es handele sich beim FILMZ 2013 eigentlich innoffiziell um die Heiko-Pinkowski-Festspiele.
Tatsächlich war es eher ein Ranisch-Pinkowski-Festival, aller hervorragenden Filme vor allem im Wettbewerb zum Trotz. Allein schon, weil sich der fröhlich-herzliche „Spielleiter“ Ranisch zusammen mit seinen „Sehr-Gute-Film“-ProduktionsfirmenmMitbegründern Pinkowski und Produzentin Anne Baeker (es fehlte nur noch Kameramann Dennis Pauls) auf der Bühne des Capitol-Kinos wie Bolle nicht nur über die 1.500 Euro Preisgeld oder die Auszeichnung an sich freuten, sondern auch die erneut von Juwelier Richard Weiland gestiftete und von ihm höchst selbst kreierte Bergkristalltrophäe bestaunten und bewunderten. Bis hin, dass die Sorge aufkam, ob nicht die ICH FÜHL MICH DISCO-Produzentinnen Ansprüche auf die Skulptur erheben könnten. So gewannen Ranisch und Co. auch die letzten Mainzer Zuschauersympathien.
Ranisch freilich konnte schnell beruhigt werden: Der Preis und mithin das kleine Kunstwerk ist für den Regisseur. Selbst wenn dieser sich wie Ranisch lieber als „Spielleiter“ sieht und tituliert. Denn das Filmen, erklärte er bei den Fragerunden zu seinen Filmen, mache ihm einfach so viel Spaß. Und da sowohl der „Sehr gute Film“-Film REUBER (der im Nachklapp zu Ranischs Überraschungserfolg DICKE MÄDCHEN entstand und wie dieser quasi an der No-Budget-Grenze ansiedelt) wie auch der von Arte und dem Kleinen Fernsehspiel des ZDF geförderte ICH FÜHL MICH DISCO (mit zehn erstellten und schließlich allesamt weggeworfenen richtigen Drehbuchfassungen) lediglich ausgehend von einer (vor allem Figuren-) Skizze frei entstand, ist das Spiel der Darsteller mehr als üblich als ein eben solches zu betrachten: Ein Spiel, das sich entwickelt, das seine eigenen Regeln kennt und entfaltet und in dem der Schauspieler, wie Ranisch unumwunden zugibt, eher dem Regisseur etwas zu sagen hat als umgekehrt. „Zu 99 % hat der dann recht“. Schließlich wisse der Schauspieler, so Ranisch, ja viel besser über "seinen" Charakter Bescheid als er.
Ganz warm und freundlich wird’s einem in der Seele im traurig-grauen adventlichen Mainz, wenn Ranisch dort unten vor der Leinwand steht, schelmisch schmunzeln, das Mikro wie ein kleines Küken mit beiden Händen dicht unterm Kinn, dabei eine fröhlich Lust an seiner Arbeit und mitreißende Lebensfreude und -freudlichkeit verströmt. Entsprechend wachsen nicht nur auf der Leinwand mit und über Ranischs „Filmfamilie“ hinter und v.a. vor der Kamera – seine Oma Ruth Bickelhaupt etwa oder die „DICKEN MÄDCHEN“ Pinkowski und Peter Trabner (der in DISCO nur einen Kleinstauftritt hat, in REUBER aber mit Verve und Aberwitz den bösen Zauberer hinlegt) – die Filme zusammen und Einem ans Herzen: Dank Ranischs Auftritten, seinen Anekdoten und einnehmenden Art, die sich auf den unterschiedlichen Ebenen seiner Filme wie eine Weltsichtweise mit positiver Energie-Aura wiederfindet, schwappen eben diese Filme sozusagen von der Leinwand hinein in die Wirklichkeit, werden Oeuvre und grenzenloses Gesamtkunstwerk der besonderen Art.
Zumal sich diese Werke wiederum vieles aus der Realität fischen, den Neffen Tadeus als kleiner Held in REUBER, in ICH FÜHL MICH DISCO die Biografie. Auch Ranischs Schwimmmeister-Papa, dem der Film gewidmet ist, lehrte Turmspringen, doch anders als Florian (Frithjof Gawenda) hat der kleine Axel damals gekniffen. Die sagenhafte Postkarte mit dem denkwürdigen Lebensweisheit „Dicke Kinder sind schwerer zu entführen“, die in Florians Kinderzimmer an der Wand hängt, stammt aus Ranischs eigener Wohnung. Gänzlich frei erfunden, etwa in Sachen Unsportlichkeit ist ICH FÜHL MICH DISCO also nicht, aber das macht und sagt ja (noch) nichts, bleibt im Thematischen. Wie der Film mit der erwachenden Sexualität, mithin dem Schwulsein, umgeht, ist bestechend in seiner Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, weil der Film zugleich nicht die Unsicherheiten, die Risiken und Verletzungen ausspart, die Florian da mit dem rumänischen Jungen Radu (Robert Alexander Baer), Sprungturmschüler von Florians Papa Hanno (Pinkowski), machen und durch diesen erdulden muss. Dass derlei einfach „dazugehört“ zum homosexuellen Leben (ebenso wie ähnliche Schmerzlichkeiten überhaupt zu allen Herz- und Hormondingen) vermittelt ICH FÜHL MICH DISCO auch verblüffend bestechend: indem Liebe / Freundschaft zwischen Florian zum „uneindeutigen“ Radu schlicht nicht auserzählt bzw. zu keinem auch nur zwischenzeitigen oder moralischen Ende gebracht wird.
Eigentlich mehr geht es ja auch in ICH FÜHL MICH DISKO um Papa Hannos Verhältnis zu Florian, die miteinander nicht so viel anfangen können. Hier der Macher, der seinem Sohn das Familienmofa aufnötigen und einen ganzen Kerl aus ihm machen will, dort der pummelige Zartgeist mit dem Wunsch nach einem Klavier und ansonsten seiner Ruhe. Dabei hat Ranisch wohl daran getan, nicht den bösen harten, aber im Kern weichen Vater gegen einen unverstanden-leidenden Sohnemann zu setzen. Hanno macht von Beginn an in seiner polternden Hilf- und Tölpelhaftigkeit eine solch einnehmende Figur, dass man ihn auch noch dann drücken möchte, wenn er schnauffig-hadernd in der Schwimmhalle Radu oder Florian auf dem Zehner zusammenwettert. Ein voluminöser walrossbärtiger Klotz, der gestisch und mimisch hinter jedes Wutgezeter noch ein relativierendes „Is’ doch wahr...“ stumm zu setzen scheint.
Florian wiederum kann auch schon Kontra geben. Und überhaupt ist da ja noch Mutti (Christina Große). Und Christian Steiffen. Mit ersterer kann sich Florian herrlich unter der Disco-Kugel in tropisch-entspannende Gefilde träumen (während dem ersatzhaften Papa später zur Ausgestaltung des imaginierten Meer-Idylls ein Öltanker gerade mal einfällt, auf dem Weg nach Rotterdam). Oder Mama und Flori tanzen kostümiert zu den Songs von letzterem: Schlager-Comedian Steiffens famoses Stück „Sexualverkehr“ liefert das Intro des Films – und dass daraus ICH FÜHL MICH DISCO (auch so ein Steiffen-Titel) was für eine ausgelassen-warmherzige Mutter-Sohn-Nummer macht, kennzeichnet schon eine spezielle Güte des Films.
Aber Mutti bekommt einen Schlaganfall und fällt ins Koma. So müssen sich Hanno und Florian zusammenraufen, sich näher kommen, sich gegenseitig stützen. Auch hier mischt Ranisch wohldosiert Tragik mit großem Ulk und teils unwiderstehlich absurdem Witz: Erscheint Schnulzenbarde Steiffen Florian noch klar im Tagtraum, lässt er sich vom betrunkenen Papa in einem Asia-Restaurant verständnisvoll und souverän in die Fresse hauen, um ihm hernach ein Ständchen zu singen („Das Leben ist nicht immer nur Pommes und Disco, das sag‘ ich dir. Manchmal ist das Leben nur eine Flasche Bier“), sich mit ihm die Kante zu geben und abschließend Hanno eine Aufklärungsset in puncto „Schwuler Sohn, was nun?“. Ganz real also ist die enthaltene DVD aus den Händen des magischen Helfers Steiffen, die Hanno am nächsten morgen einlegt. Ein Ratgeberfilm von Rosa von Praunheim (einer von Ranischs Lehrern an der HFF-Potsdam, über den er u.a. mit Tom Tykwer und Chris Kraus die Doku ROSAKINDER gedreht hat). Und neben von Praunheim sieht Hanno sich plötzlich selbst sitzen, bei sich daheim, auf der Couch (siehe dazu auch den Filmtrailer HIER) ...
Improvisation hin, Skizzenhaftigkeit her: ICH FÜHL MICH DISCO präsentiert eine im Kern klassische, man könnte auch sagen allzu bekannte Geschichte. Umso überraschender, fast überrumpelnder ist es, was Ranisch daraus, ja, überhaupt: wie viel Spaß der Film macht. ICH FÜHL MICH DISCO fabuliert sich schwungvoll wie irrwitzig, dabei mit der richtigen Menge an – auch stilistischen – Ecken und Kanten durch sein Familiendrama, umschifft auch die wichtigen, teils generischen Klippen der Tragödien mit Bravour, um am Schluss zwar nicht alles gut sein zu lassen, aber letztlich das Leben einen Partykeller mit Lichtorgel, Rüschenhemd und guter Laune, damit: alles ein bisschen besser. Auch die Stimmung und das Gemüt der Zuschauer, die sich schon auf den nächsten Streich Ranischs und Pinkowskis und vor allem beider zusammen freuen.
zyw
P.S.: Einen Beitrag über Axel Ranisch, seine Arbeit(sweise) und die anderer Vertreter des "German Mumblecore" finden Sie in ANSICHTSSACHE - ZUM AKTUELLEN DEUTSCHEN FILM.
FILMZ 2013 ist vorbei und hat einen glücklichen, sehr guten Hauptgewinner. Nach DAS KALTE EISEN von Thomas Lauterbach als bestem Dokumentarfilm und DIE SCHAUKEL DES SARGMACHERS von Elmar Imanov als bestem mittellangen Film ist es Axel Ranisch mit seinem ICH FÜHL MICH DISCO, der das „Mainzer Rad“ mit nach Hause nehmen darf. Knapp war die Entscheidung – die FILMZ-Filmprämierungen sind alles Publikumspreise, und fast ebenso gerne wie DISCO mochten die Mainzer KOHLHAAS ODER DIE VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT DER MITTEL von Aaron Lehmann und Michaela Kezeles Drama DIE BRÜCKE AM IBAR. Doch eben nur fast. Und gewonnen hatte Axel Ranisch zusammen mit Pinkowski auch darüber hinaus.

Neben ICH FÜHL MICH DISKO, in dem Pinkowski die zweite Hauptrolle spielt, präsentierten beide gleich noch einen weiteren Film auf dem Festival des deutschen Kinos: den ebenfalls ohne fertige Dialoge produzierten Kinderfilm REUBER, in dem Pinkowski mit seiner stattlichen Gestalt titelgebenden – des Schreibens und Lesens eben eher unkundigen – Wegelagerer gibt. Darüber hinaus war der Schauspieler noch in zwei weiteren Werken – KOHLHAAS und dem mittellangen STUFE DREI – zu sehen, so dass schon bei der Moderation von ICH FÜHL MICH DISCO gescherzt wurde, es handele sich beim FILMZ 2013 eigentlich innoffiziell um die Heiko-Pinkowski-Festspiele.
Tatsächlich war es eher ein Ranisch-Pinkowski-Festival, aller hervorragenden Filme vor allem im Wettbewerb zum Trotz. Allein schon, weil sich der fröhlich-herzliche „Spielleiter“ Ranisch zusammen mit seinen „Sehr-Gute-Film“-ProduktionsfirmenmMitbegründern Pinkowski und Produzentin Anne Baeker (es fehlte nur noch Kameramann Dennis Pauls) auf der Bühne des Capitol-Kinos wie Bolle nicht nur über die 1.500 Euro Preisgeld oder die Auszeichnung an sich freuten, sondern auch die erneut von Juwelier Richard Weiland gestiftete und von ihm höchst selbst kreierte Bergkristalltrophäe bestaunten und bewunderten. Bis hin, dass die Sorge aufkam, ob nicht die ICH FÜHL MICH DISCO-Produzentinnen Ansprüche auf die Skulptur erheben könnten. So gewannen Ranisch und Co. auch die letzten Mainzer Zuschauersympathien.
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Juwelier R. Weiland (l.), A. Ranisch (m.) u. H. Pinkowski (Bild: FILMZ) |
Ranisch freilich konnte schnell beruhigt werden: Der Preis und mithin das kleine Kunstwerk ist für den Regisseur. Selbst wenn dieser sich wie Ranisch lieber als „Spielleiter“ sieht und tituliert. Denn das Filmen, erklärte er bei den Fragerunden zu seinen Filmen, mache ihm einfach so viel Spaß. Und da sowohl der „Sehr gute Film“-Film REUBER (der im Nachklapp zu Ranischs Überraschungserfolg DICKE MÄDCHEN entstand und wie dieser quasi an der No-Budget-Grenze ansiedelt) wie auch der von Arte und dem Kleinen Fernsehspiel des ZDF geförderte ICH FÜHL MICH DISCO (mit zehn erstellten und schließlich allesamt weggeworfenen richtigen Drehbuchfassungen) lediglich ausgehend von einer (vor allem Figuren-) Skizze frei entstand, ist das Spiel der Darsteller mehr als üblich als ein eben solches zu betrachten: Ein Spiel, das sich entwickelt, das seine eigenen Regeln kennt und entfaltet und in dem der Schauspieler, wie Ranisch unumwunden zugibt, eher dem Regisseur etwas zu sagen hat als umgekehrt. „Zu 99 % hat der dann recht“. Schließlich wisse der Schauspieler, so Ranisch, ja viel besser über "seinen" Charakter Bescheid als er.
Ganz warm und freundlich wird’s einem in der Seele im traurig-grauen adventlichen Mainz, wenn Ranisch dort unten vor der Leinwand steht, schelmisch schmunzeln, das Mikro wie ein kleines Küken mit beiden Händen dicht unterm Kinn, dabei eine fröhlich Lust an seiner Arbeit und mitreißende Lebensfreude und -freudlichkeit verströmt. Entsprechend wachsen nicht nur auf der Leinwand mit und über Ranischs „Filmfamilie“ hinter und v.a. vor der Kamera – seine Oma Ruth Bickelhaupt etwa oder die „DICKEN MÄDCHEN“ Pinkowski und Peter Trabner (der in DISCO nur einen Kleinstauftritt hat, in REUBER aber mit Verve und Aberwitz den bösen Zauberer hinlegt) – die Filme zusammen und Einem ans Herzen: Dank Ranischs Auftritten, seinen Anekdoten und einnehmenden Art, die sich auf den unterschiedlichen Ebenen seiner Filme wie eine Weltsichtweise mit positiver Energie-Aura wiederfindet, schwappen eben diese Filme sozusagen von der Leinwand hinein in die Wirklichkeit, werden Oeuvre und grenzenloses Gesamtkunstwerk der besonderen Art.
Zumal sich diese Werke wiederum vieles aus der Realität fischen, den Neffen Tadeus als kleiner Held in REUBER, in ICH FÜHL MICH DISCO die Biografie. Auch Ranischs Schwimmmeister-Papa, dem der Film gewidmet ist, lehrte Turmspringen, doch anders als Florian (Frithjof Gawenda) hat der kleine Axel damals gekniffen. Die sagenhafte Postkarte mit dem denkwürdigen Lebensweisheit „Dicke Kinder sind schwerer zu entführen“, die in Florians Kinderzimmer an der Wand hängt, stammt aus Ranischs eigener Wohnung. Gänzlich frei erfunden, etwa in Sachen Unsportlichkeit ist ICH FÜHL MICH DISCO also nicht, aber das macht und sagt ja (noch) nichts, bleibt im Thematischen. Wie der Film mit der erwachenden Sexualität, mithin dem Schwulsein, umgeht, ist bestechend in seiner Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, weil der Film zugleich nicht die Unsicherheiten, die Risiken und Verletzungen ausspart, die Florian da mit dem rumänischen Jungen Radu (Robert Alexander Baer), Sprungturmschüler von Florians Papa Hanno (Pinkowski), machen und durch diesen erdulden muss. Dass derlei einfach „dazugehört“ zum homosexuellen Leben (ebenso wie ähnliche Schmerzlichkeiten überhaupt zu allen Herz- und Hormondingen) vermittelt ICH FÜHL MICH DISCO auch verblüffend bestechend: indem Liebe / Freundschaft zwischen Florian zum „uneindeutigen“ Radu schlicht nicht auserzählt bzw. zu keinem auch nur zwischenzeitigen oder moralischen Ende gebracht wird.
Eigentlich mehr geht es ja auch in ICH FÜHL MICH DISKO um Papa Hannos Verhältnis zu Florian, die miteinander nicht so viel anfangen können. Hier der Macher, der seinem Sohn das Familienmofa aufnötigen und einen ganzen Kerl aus ihm machen will, dort der pummelige Zartgeist mit dem Wunsch nach einem Klavier und ansonsten seiner Ruhe. Dabei hat Ranisch wohl daran getan, nicht den bösen harten, aber im Kern weichen Vater gegen einen unverstanden-leidenden Sohnemann zu setzen. Hanno macht von Beginn an in seiner polternden Hilf- und Tölpelhaftigkeit eine solch einnehmende Figur, dass man ihn auch noch dann drücken möchte, wenn er schnauffig-hadernd in der Schwimmhalle Radu oder Florian auf dem Zehner zusammenwettert. Ein voluminöser walrossbärtiger Klotz, der gestisch und mimisch hinter jedes Wutgezeter noch ein relativierendes „Is’ doch wahr...“ stumm zu setzen scheint.
Florian wiederum kann auch schon Kontra geben. Und überhaupt ist da ja noch Mutti (Christina Große). Und Christian Steiffen. Mit ersterer kann sich Florian herrlich unter der Disco-Kugel in tropisch-entspannende Gefilde träumen (während dem ersatzhaften Papa später zur Ausgestaltung des imaginierten Meer-Idylls ein Öltanker gerade mal einfällt, auf dem Weg nach Rotterdam). Oder Mama und Flori tanzen kostümiert zu den Songs von letzterem: Schlager-Comedian Steiffens famoses Stück „Sexualverkehr“ liefert das Intro des Films – und dass daraus ICH FÜHL MICH DISCO (auch so ein Steiffen-Titel) was für eine ausgelassen-warmherzige Mutter-Sohn-Nummer macht, kennzeichnet schon eine spezielle Güte des Films.
Aber Mutti bekommt einen Schlaganfall und fällt ins Koma. So müssen sich Hanno und Florian zusammenraufen, sich näher kommen, sich gegenseitig stützen. Auch hier mischt Ranisch wohldosiert Tragik mit großem Ulk und teils unwiderstehlich absurdem Witz: Erscheint Schnulzenbarde Steiffen Florian noch klar im Tagtraum, lässt er sich vom betrunkenen Papa in einem Asia-Restaurant verständnisvoll und souverän in die Fresse hauen, um ihm hernach ein Ständchen zu singen („Das Leben ist nicht immer nur Pommes und Disco, das sag‘ ich dir. Manchmal ist das Leben nur eine Flasche Bier“), sich mit ihm die Kante zu geben und abschließend Hanno eine Aufklärungsset in puncto „Schwuler Sohn, was nun?“. Ganz real also ist die enthaltene DVD aus den Händen des magischen Helfers Steiffen, die Hanno am nächsten morgen einlegt. Ein Ratgeberfilm von Rosa von Praunheim (einer von Ranischs Lehrern an der HFF-Potsdam, über den er u.a. mit Tom Tykwer und Chris Kraus die Doku ROSAKINDER gedreht hat). Und neben von Praunheim sieht Hanno sich plötzlich selbst sitzen, bei sich daheim, auf der Couch (siehe dazu auch den Filmtrailer HIER) ...
Improvisation hin, Skizzenhaftigkeit her: ICH FÜHL MICH DISCO präsentiert eine im Kern klassische, man könnte auch sagen allzu bekannte Geschichte. Umso überraschender, fast überrumpelnder ist es, was Ranisch daraus, ja, überhaupt: wie viel Spaß der Film macht. ICH FÜHL MICH DISCO fabuliert sich schwungvoll wie irrwitzig, dabei mit der richtigen Menge an – auch stilistischen – Ecken und Kanten durch sein Familiendrama, umschifft auch die wichtigen, teils generischen Klippen der Tragödien mit Bravour, um am Schluss zwar nicht alles gut sein zu lassen, aber letztlich das Leben einen Partykeller mit Lichtorgel, Rüschenhemd und guter Laune, damit: alles ein bisschen besser. Auch die Stimmung und das Gemüt der Zuschauer, die sich schon auf den nächsten Streich Ranischs und Pinkowskis und vor allem beider zusammen freuen.
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P.S.: Einen Beitrag über Axel Ranisch, seine Arbeit(sweise) und die anderer Vertreter des "German Mumblecore" finden Sie in ANSICHTSSACHE - ZUM AKTUELLEN DEUTSCHEN FILM.
Labels:
FILMZ 2013,
German Mumblecore,
Veranstaltungen
Montag, 28. Oktober 2013
Interview mit Axel Ranisch
Axel Ranisch hatte gleich zwei Filme auf dem Münchner Filmfest am Start: "Reuber", ein selbstproduzierter improvisierter Kinderfilm, "Ich fühl mich Disco", größer angelegt und zusammen mit dem ZDF und der Produktionsfirma Kordes und Kordes realisiert. "Ich fühl mich Disco" startet am Donnerstag, 31.10., in den Kinos. Weitere Infos auf der Homepage des Films und auf der Terminliste des Salzgeber-Verleihs.
In München hatte Harald Mühlbeyer die Gelegenheit zu einem spontanen Interview mit Ranisch über Film, Oper, Familie etc., das in voller Länge auf kino-zeit.de zu lesen ist. Und auf das wir hier dringlichst hinweisen möchten...
Mühlbeyer: "Ich fühl mich Disco" ist kein "Sehr guter Film". Warum?
Ranisch: Weil das eigentlich der erste Film war, den ich drehen wollte. Eigentlich sollte "Ich fühl mich Disco" mein Diplomfilm werden, ich habe vor fünf Jahren angefangen, mir die Geschichte auszudenken und habe vor fünf Jahren schon die Redakteurin Katharina Dufner vom ZDF gefunden, mit der ich den Film machen wollte und die beiden Produzenten Kordes und Kordes. Die gab es eben einfach schon viel länger, als es "Sehr gute Filme" gibt.
Das heißt, der dritte Film ist der erste Film?
Ja. Und der eigentlich zweite wurde der erste und der jetzt dritte ist eigentlich der zweite. Und dazwischen gab es ja auch noch die "Rosakinder". Ein Dokumentarfilm, den man da irgendwo mit einflechten muss. Irgendwie gut, wenn die Nummern so verschwimmen, weil es ja immer heißt, nach dem ersten Film kommt ein schlechter zweiter.
Und der dritte ist sowieso schwierig zu drehen...
Genau. Das hab ich jetzt alles schon abgehandelt.
Weiterlesen auf KINO-ZEIT.DE...
Eine Kritik zu "Ich fühl mich Disco" ebenfalls auf kino-zeit.de.
Dort wird es, irgendwann vor dem Kinostart (der noch nicht feststeht), auch eine Kritik zu "Reuber" geben...
Axel Ranisch wurde von Bernd Zywietz in ANSICHTSSACHE ausführlich porträtiert.
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Axel Ranisch, (c) Dennis Pauls |
In München hatte Harald Mühlbeyer die Gelegenheit zu einem spontanen Interview mit Ranisch über Film, Oper, Familie etc., das in voller Länge auf kino-zeit.de zu lesen ist. Und auf das wir hier dringlichst hinweisen möchten...
Mühlbeyer: "Ich fühl mich Disco" ist kein "Sehr guter Film". Warum?
Ranisch: Weil das eigentlich der erste Film war, den ich drehen wollte. Eigentlich sollte "Ich fühl mich Disco" mein Diplomfilm werden, ich habe vor fünf Jahren angefangen, mir die Geschichte auszudenken und habe vor fünf Jahren schon die Redakteurin Katharina Dufner vom ZDF gefunden, mit der ich den Film machen wollte und die beiden Produzenten Kordes und Kordes. Die gab es eben einfach schon viel länger, als es "Sehr gute Filme" gibt.
Das heißt, der dritte Film ist der erste Film?
Ja. Und der eigentlich zweite wurde der erste und der jetzt dritte ist eigentlich der zweite. Und dazwischen gab es ja auch noch die "Rosakinder". Ein Dokumentarfilm, den man da irgendwo mit einflechten muss. Irgendwie gut, wenn die Nummern so verschwimmen, weil es ja immer heißt, nach dem ersten Film kommt ein schlechter zweiter.
Und der dritte ist sowieso schwierig zu drehen...
Genau. Das hab ich jetzt alles schon abgehandelt.
Weiterlesen auf KINO-ZEIT.DE...
Eine Kritik zu "Ich fühl mich Disco" ebenfalls auf kino-zeit.de.
Dort wird es, irgendwann vor dem Kinostart (der noch nicht feststeht), auch eine Kritik zu "Reuber" geben...
Axel Ranisch wurde von Bernd Zywietz in ANSICHTSSACHE ausführlich porträtiert.
Samstag, 6. Juli 2013
LOVE STEAKS räumt ab beim Förderpreis in München
Gratulation!
Nicht so also bei LOVE STEAKS. Die Jury 2013, bestehend aus
Schauspielerin Bibiana Beglau (DIE STILLE NACH DEM SCHUSS), Regisseurin Angelina
Maccarone (FREMDE HAUT) und Produzent Gerhard Meixner (Razon Film), prämierten für
die Regie Jakob Lass, als beste Nachwuchsschauspieler/In die beiden
Hauptdarsteller Lana Cooper und Franz Rogowski als Doppel und für die
Produktion Ines Schiller und Golo Schultz.
Und die Website zu LOVE STEAKS HIER
LOVE STEAKS von Jakob Lass hat in alle vier Kategorien den Förderpreis
Neues Deutsches Kino auf dem Filmfest München gewonnen. Das hat es zuvor noch
nie gegeben – und man erinnere sich an den Eklat im Jahr 2009, als Caroline Linke,
Uli Aselmann und Maximilian Brückner keine Auszeichnung für Drehbuch und Regie
vergaben, weil sie nichts und niemand Geeignetes / Geeigneten fanden.

Ein besonderes Highlight ist aber die Prämierung von LOVE STEAKS in
Sachen Drehbuch. Denn: LOVE FILMS hatte keins, nur ein grobes Handlungsgerüst,
aufgrund dem man improvisierte. Das störte die Jury freilich nicht, im
Gegenteil:
„Verbunden mit der Kraft
entstehender Liebe wird die Geschichte zweier Menschen im Backstage-Bereich der
Wohlfühlgesellschafft [sic!] zu einem Spiegel, vor dem sich die allseits verordnete
Entspannung als Lüge ausnimmt. Das Skript von Jakob Lass, Ines Schiller, Timon
Schäppi und Nico Woche wagt die Ungewöhnlichkeit, sich das Drehbuch über die
Geschichte und die Geschichte über das Drehbuch zu erringen. Dieser Mut zu
neuen künstlerischen Wegen lässt die Sozialerzählung hinter sich und führt uns
Zuschauer lustvoll an eine neue starke Erzählweise heran.“
Schon Axel Ranisch, dessen ICH FÜHL MICH DISCO ebenfalls in München lief,
hatte in Lünen 2011 mit DICKE MÄDCHEN einen Drehbuchpreis für ein gleichfalls
nichtexistentes gewonnen. Er, ebenso wie Jakob Lass (der darin Auskunft gibt
über die Entstehung von LOVE STEAKS als ersten FOGMA-Film), werden in
ANSICHTSSACHE als German Mumblecorer von Bernd Zywietz vorgestellt und
porträtiert – Vertreter eine jungen Generation freier Filmemacher, die auch
Spontanität und kreativen Eigensinn, dabei auf die moderne Digitalfilmtechnik
und Improvisation setzen.
Der Förderpreis Neues Deutsches Kino ist mit insgesamt 70.000 Euro
dotiert. Über die komplett können sich jetzt die FOGMATIKER mit ihrem
unabhängigen Film freuen.
Die weiteren Begründungen zu den Auszeichnungen von LOVE STEAKS finden Sie HIER auf der entsprechenden Seite des Filmfest München.
Und die Website zu LOVE STEAKS HIER
Montag, 1. Juli 2013
Filmfest München 2013: Jakob Lass und "Love Steaks"
Lustigerweise beginnt Jakob Lass seinen Film "Love Steaks" so, wie Brigitte Bertele "Grenzgang" anfangen ließ: Mit einem pinkelnden Mann. Bei Bertele: Jens Eidinger, der aus Frust über Studium, Professor und Freundin ein Goethe/Schiller-Plakat anpisst. Bei Lass richtet steht Clemens (Franz Rogowski) als Silhouette an einer Strandklippe, zunächst zusammengeklappt wie ein Taschenmesser, eher einem Felsen gleich, dann richtet er sich auf zum Wasserlassen und wandert mit seinem Rucksack auf dem Rücken in ein Hotel. Dort beginnt er seine Arbeit als Masseur im Wellnessbereich; doch das Mythische der ersten Bilder ist da schon gewichen zugunsten eines dokumentarischen Anstrichs - denn Lass hat mit seinen paar Darstellern und seinem kleinen Team tatsächlich in diesem Hotel an der Ostsee gedreht, während des laufenden Betriebs, mit den Hotelangestellten, die sich als Nebenfiguren selbst spielen.
Clemens nächtigt im Putzraum, wo Hausmädchen und Zimmerkellner jederzeit Zutritt haben; lernt die Techniken des Energiewegschaufelns kennen, die richtigen Duftessenzen für seine Kundinnen, wie man sich das Handtuch vors Gesicht hält, um sie diskret sich entkleiden zu lassen. Und allmählich lernt er auch Lara (Lana Cooper) kennen.
Die arbeitet als Azubi in der Küche, ist ins ruppige, neckende, eingespielte Team integriert, macht jeden Spaß der Kollegen mit, trinkt auch mal hier ein Schlückchen und da noch eins. Und bemerkt ebenfalls Clemens, der so ganz anders ist. Sie burschikos, draufgängerisch, energetisch; er sanft, aufrichtig, schüchtern, naiv.
Sie geht auf ihn zu. Sie nimmt ihn sich. Macht sie sich einfach über ihn lustig, den tollpatschigen Typen aus der Wellness, nuschelnd mit seiner Hasenscharte? Du strahlst den puren Sex aus, sagt sie, das ist ironisch gemeint, wie sowieso alles bei ihr ironisch ist, so ironisch, dass es ihr schon wieder ernst ist.
Jakob Lass schafft es, aus seinen dutzenden Stunden Filmmaterial genau diese eine Geschichte herauszuschälen, diese Story, diese Charaktere. In kleinen, subtilen Gesten und Momenten und in großen Aktionen, in raumgreifenden Späßen trifft er den Nerv seines Films: eine amour fou, mit dem, der straightforward und direkt ist und der, die alles als Spiel begreift, als uneigentlichen Unernst. Die den Polizisten ins Gesicht lacht, wenn sie sie wegen Trunkenheit am Steuer verhaften, die Clemens zur Verarsche des Hotelmanagers anstachelt, die anarchische Zerstörungsenergie in sich trägt.
Clemens, der Sanftmütige, will sie heilen, geht mit ihr eine Wette ein: Sie lässt den Alkohol. Er lässt die Angst. Tatsächlich öffnet er sich nach außen - doch ihre Überdrehtheit lässt sich kaum bändigen. Denn es geht um Energie, um das Umlenken von Energie, was Clemens ayurvedisch mit seinen Händen überm Bauch der Massagekundinnen vollbringt, was bei Lara nicht funktioniert. Meditation, Entspannung, zur Ruhe kommen ist nicht drin; und Lass führt diese Konstellation der zwei Extreme nicht nur zu glänzend komischen Momenten, sondern auch zu einem melodramatischen Finale, in dem Lügen und Missverständnisse, unendliche, aber fehlgeleitete Aufopferung und das spöttische Spiel sich auftürmen bis zum blutigen Kampf am Strand. Und zum blutigen Kuss, der sie endgültig aneinander bindet.
"Love Steaks" - das ist ein, ich sage es frei heraus, recht doofer Filmtitel. "Ein Luxushotel. Steaks werden gebrutzelt, Speckröllchen massiert. Clemens (zart) kommt als Frischling in den Wellnessbereich. Lara (gut durch) muss sich im Küchenrudel behaupten." - so lautet die offizielle Auflösung der Metapher, der Film käme gut ohne sie aus.
"Love Steaks" - konkret bezieht sich das auf eine der ersten Liebesszenen des Films, in der Küche, eine unvergessliche Annäherung über Bande der beiden. Lara, aufgedreht wie eh und je, interessiert sich für Penisse, hat Clemens einen Blut- oder einen Fleischschwanz? Sie will auch wissen, wie das mit dem Blasen ist, alles im kindlich-spielerischen Modus, steckt sich den Finger aus der Hose, Clemens auf den Knien - das erinnert an Friedkins "Killer Joe", letztes Jahr auf dem Münchner Filmfest. Dann nimmt sie Clemens nackt in die Kühlkammer, packt ihn mit vakuumverpacktem Steak ein; denn sie will wissen, wie das ist mit dem Schwanz und der Kälte. Ein Liebesakt ist das, wie er selten zu sehen ist; verdreht, aus dem Spiel heraus konsequent, auf extrovertierte Weise schüchtern, sehr fleischlich, erotisch, aber gar nicht sexuell. Und Beweis für Jakob Lass' Einfallsreichtum, wenn es um seine Charaktere geht, um das Formen einer Geschichte um sie herum
Harald Mühlbeyer
Clemens nächtigt im Putzraum, wo Hausmädchen und Zimmerkellner jederzeit Zutritt haben; lernt die Techniken des Energiewegschaufelns kennen, die richtigen Duftessenzen für seine Kundinnen, wie man sich das Handtuch vors Gesicht hält, um sie diskret sich entkleiden zu lassen. Und allmählich lernt er auch Lara (Lana Cooper) kennen.
Die arbeitet als Azubi in der Küche, ist ins ruppige, neckende, eingespielte Team integriert, macht jeden Spaß der Kollegen mit, trinkt auch mal hier ein Schlückchen und da noch eins. Und bemerkt ebenfalls Clemens, der so ganz anders ist. Sie burschikos, draufgängerisch, energetisch; er sanft, aufrichtig, schüchtern, naiv.

Jakob Lass schafft es, aus seinen dutzenden Stunden Filmmaterial genau diese eine Geschichte herauszuschälen, diese Story, diese Charaktere. In kleinen, subtilen Gesten und Momenten und in großen Aktionen, in raumgreifenden Späßen trifft er den Nerv seines Films: eine amour fou, mit dem, der straightforward und direkt ist und der, die alles als Spiel begreift, als uneigentlichen Unernst. Die den Polizisten ins Gesicht lacht, wenn sie sie wegen Trunkenheit am Steuer verhaften, die Clemens zur Verarsche des Hotelmanagers anstachelt, die anarchische Zerstörungsenergie in sich trägt.
Clemens, der Sanftmütige, will sie heilen, geht mit ihr eine Wette ein: Sie lässt den Alkohol. Er lässt die Angst. Tatsächlich öffnet er sich nach außen - doch ihre Überdrehtheit lässt sich kaum bändigen. Denn es geht um Energie, um das Umlenken von Energie, was Clemens ayurvedisch mit seinen Händen überm Bauch der Massagekundinnen vollbringt, was bei Lara nicht funktioniert. Meditation, Entspannung, zur Ruhe kommen ist nicht drin; und Lass führt diese Konstellation der zwei Extreme nicht nur zu glänzend komischen Momenten, sondern auch zu einem melodramatischen Finale, in dem Lügen und Missverständnisse, unendliche, aber fehlgeleitete Aufopferung und das spöttische Spiel sich auftürmen bis zum blutigen Kampf am Strand. Und zum blutigen Kuss, der sie endgültig aneinander bindet.
"Love Steaks" - das ist ein, ich sage es frei heraus, recht doofer Filmtitel. "Ein Luxushotel. Steaks werden gebrutzelt, Speckröllchen massiert. Clemens (zart) kommt als Frischling in den Wellnessbereich. Lara (gut durch) muss sich im Küchenrudel behaupten." - so lautet die offizielle Auflösung der Metapher, der Film käme gut ohne sie aus.
"Love Steaks" - konkret bezieht sich das auf eine der ersten Liebesszenen des Films, in der Küche, eine unvergessliche Annäherung über Bande der beiden. Lara, aufgedreht wie eh und je, interessiert sich für Penisse, hat Clemens einen Blut- oder einen Fleischschwanz? Sie will auch wissen, wie das mit dem Blasen ist, alles im kindlich-spielerischen Modus, steckt sich den Finger aus der Hose, Clemens auf den Knien - das erinnert an Friedkins "Killer Joe", letztes Jahr auf dem Münchner Filmfest. Dann nimmt sie Clemens nackt in die Kühlkammer, packt ihn mit vakuumverpacktem Steak ein; denn sie will wissen, wie das ist mit dem Schwanz und der Kälte. Ein Liebesakt ist das, wie er selten zu sehen ist; verdreht, aus dem Spiel heraus konsequent, auf extrovertierte Weise schüchtern, sehr fleischlich, erotisch, aber gar nicht sexuell. Und Beweis für Jakob Lass' Einfallsreichtum, wenn es um seine Charaktere geht, um das Formen einer Geschichte um sie herum
Harald Mühlbeyer
Montag, 24. Juni 2013
Festival des deutschen Films Ludwigshafen: Nico Sommer erzählt von "Silvi"
Der Jumpcut ist das fashionable Mittel der Wahl aller Lars von Trier-Epigonen, die ihrer artsy-fartsy-Filmkunst eine Monstranz voraustragen: Was Godard recht ist, ist mir nur billig.
Der Jumpcut kann auch die letzte Rettung im Schneideraum sein für einen Film, bei dessen Dreh dem Regisseur und den Darstellern jedes Gefühl für Timing verloren gegangen ist.
Der Jumpcut muss aber nicht per se darauf hindeuten, dass einer sein Filmemachen mit ostentativer Wildheit verwechselt; oder dass beim Dreh die gleichgültige Haltung des "We'll fix it later" herrschte. Der Jumpcut kann auch sehr bewusst, sehr gezielt eingesetzt werden - und damit meine ich, er wird in Kauf genommen, statt absichtsvoll erzeugt, und er soll rhythmisierend Brüchigkeit erzeugen, statt in stillosen Notoperationen wilde Narben ins filmische Gewebe zu fetzen.
Nico Sommer hat in "Silvi", seinem Langfilmdebüt, eine sehr genaue und richtige Vorstellung davon,
was ein Jumpcut leisten kann, soll und will, und was nicht. Bei Sommer ist er ein Bote von der Gemachtheit des Films, von seiner Machart, vom Willen, diesen, genau diesen Film zu drehen, von der Arbeit mit den Schauspielern, die ihre Rollen improvisierend drehen durften in langen Einstellungen. Große Freiheit steht hinter diesen Jumpcuts, eine Freiheit, die auf die richtige Weise genutzt wird, die selbstbeschränkt wird: Denn "Silvi" erzählt eine wahre Geschichte, mit Dialogen, die so (oder so ähnlich zumindest, im paraphrasierenden Sinn) in Wirklichkeit stattgefunden haben, mit Handlungen, die so geschehen sind. Doch innerhalb des Rahmens - da kann alles passieren, da ist Genauigkeit möglich, die auch die Leerstellen des Jumpcuts beinhalten, da kann ausufernd nach dem richtigen, nach dem echten Ausdruck gesucht werden, um dann im Jumpcut die die lebendig-filmische Dichtheit zu erzeugen, die ein Film braucht.
Nico Sommer hat seinen Film selbst finanziert, hat Freunde investieren lassen und die Freunde dieser Freunde. Sommer wusste, dass diese Geschichte erzählt werden muss, die Geschichte einer 47jährigen (Lina Wendel), die Knall auf Fall, während einer Autofahrt, vom Ehemann (Thorsten Merten) verlassen wird. Mit der Bierflasche in der Hand schlendert er davon und entlässt Silvi in ein schwarzes Loch. Oder besser gesagt: Lässt sie das schwarze Loch erkennen und ausloten, in dem sie jahrelang gefangen war. Interviews mit der fiktiven Silvi, die vor einer Rauhfasertapete sitzt und über sich erzählt, durchziehen den Film, Lina Wendel fühlt sich ganz ein in ihre Figur und erzählt aus der Fiktionalität heraus in die Realität des Zuschauers: Es muss eine ganz normale Ehe gewesen sein, die in Routine und Langeweile erstarrt ist, mit einem Mann, der so gar nichts mehr tat. Beine hoch, Bier runter, mehr war nicht - man hat da ein sehr genaues Bild. Und Silvi weiß: Da muss mehr sein. Sie sucht, sie will die Sehnsucht spüren, sie will das Kribbeln fühlen.
Silvi trifft Männer. Und das sind ganz und gar nicht die Typen, die wie ihr Mann einen darstellte. Der erste ist charmant, im Hotelzimmer ist auch alles einvernehmlich. Dann steht er auf, muss zur Arbeit, überhaupt: eine Beziehung will er nicht, hat ja seine Alte. Und jetzt bitte kein Genörgel, ist ja, als wäre man schon jahrelang verheiratet! Das ist noch einer der harmlosen Sorte.
Der zweite: Sehr nett, sehr zuvorkommend. Mit klaren Vorstellungen, wie welche Phantasie auszuleben sei. Das erste Treffen: Ein Blind Date im wahren Sinn, mit verbundenen Augen werden Gesichter, Körper abgetastet - das ist Nähe, das ist Sehnsucht; das trifft auf Silvis Wunsch. Danach: Lack-Leder-Fetisch-SM; auch das macht Silvi mit, es ist ein Abenteuer, nie hat sie so etwas gekannt. Nein: Ausgenutzt wird sie nicht. Ein bisschen Koksen ist auch OK, das Kribbeln, das Silvi sucht, steckt immerhin in der Nase drin. Der Vertrag, den er vorschlägt, hats aber in sich: Sie darf nicht ausgehen ohne seine Erlaubnis; und ab und zu ein Dreier wäre wohl auch OK?
Der Dritte ist schüchtern, kleinlaut, unbeholfen, aber voll von Glück: Silvi ist seine Frau. Er richtet sofort sein Leben nach ihr aus, feuert aus dem Nichts Komplimente ab, gibt sich ganz hin. Vereinnahmt sie emotional, will sofort die totale, radikale Bindung. Und im Übrigen: Könnte sie jetzt nicht vielleicht Brötchen holen und ihn solange in der Speisekammer einsperren, oder vielleicht im Wandschrank? Du bist meine Königin, ich bin dein Diener...
Peter Trabner spielt diesen letzten Typen, diesen Maso-Weichling mit äußerst präzisen Vorstellungen, was er will. Trabner: Das ist der Stammschauspieler von Axel Ranisch, den Bernd Zywietz zusammen mit ein paar anderen einer neuen Berliner Filmschule porträtiert hat in ANSICHTSSACHE: junge Regisseure, die Filmen, die schnell und präzise, sehr frei und sehr engagiert ihre Geschichten erzählen, die die Kamera tatsächlich als Bleistift benutzen im nouvellevagueschen Sinn, mit dem rasch skizziert werden kann - und nicht per Textverarbeitung inkl. Rechtschreibprüfung und Thesaurus filmische Großwerke schaffen. Axel Ranisch hat auch einen Dankeschön-Credit in "Silvi" bekommen - denn Nico Sommer ist ganz bestimmt ein Teil dieser jungen, frischen Generation von Filmemachern.
Filmemacher, die schwere Themen, die ansonsten Anlass zu rührselig-larmoyant-tranfuseligen Erstlingsdramen wären, werden mit sichtlichem Spaß und ausgeprägtem Witz erzählt. Nein: "Silvi" hat nichts mit den Zuschauer überstülpender Betroffenheit zu tun. "Silvi" ist komisch, hat Humor; enthält Herzenswärme, Ironie und Wahrhaftigkeit. Ein Dreiklang, der den Film zu etwas wirklich Befreiendem macht.
Harald Mühlbeyer
Der Jumpcut kann auch die letzte Rettung im Schneideraum sein für einen Film, bei dessen Dreh dem Regisseur und den Darstellern jedes Gefühl für Timing verloren gegangen ist.
Der Jumpcut muss aber nicht per se darauf hindeuten, dass einer sein Filmemachen mit ostentativer Wildheit verwechselt; oder dass beim Dreh die gleichgültige Haltung des "We'll fix it later" herrschte. Der Jumpcut kann auch sehr bewusst, sehr gezielt eingesetzt werden - und damit meine ich, er wird in Kauf genommen, statt absichtsvoll erzeugt, und er soll rhythmisierend Brüchigkeit erzeugen, statt in stillosen Notoperationen wilde Narben ins filmische Gewebe zu fetzen.
Nico Sommer hat in "Silvi", seinem Langfilmdebüt, eine sehr genaue und richtige Vorstellung davon,
was ein Jumpcut leisten kann, soll und will, und was nicht. Bei Sommer ist er ein Bote von der Gemachtheit des Films, von seiner Machart, vom Willen, diesen, genau diesen Film zu drehen, von der Arbeit mit den Schauspielern, die ihre Rollen improvisierend drehen durften in langen Einstellungen. Große Freiheit steht hinter diesen Jumpcuts, eine Freiheit, die auf die richtige Weise genutzt wird, die selbstbeschränkt wird: Denn "Silvi" erzählt eine wahre Geschichte, mit Dialogen, die so (oder so ähnlich zumindest, im paraphrasierenden Sinn) in Wirklichkeit stattgefunden haben, mit Handlungen, die so geschehen sind. Doch innerhalb des Rahmens - da kann alles passieren, da ist Genauigkeit möglich, die auch die Leerstellen des Jumpcuts beinhalten, da kann ausufernd nach dem richtigen, nach dem echten Ausdruck gesucht werden, um dann im Jumpcut die die lebendig-filmische Dichtheit zu erzeugen, die ein Film braucht.
Nico Sommer hat seinen Film selbst finanziert, hat Freunde investieren lassen und die Freunde dieser Freunde. Sommer wusste, dass diese Geschichte erzählt werden muss, die Geschichte einer 47jährigen (Lina Wendel), die Knall auf Fall, während einer Autofahrt, vom Ehemann (Thorsten Merten) verlassen wird. Mit der Bierflasche in der Hand schlendert er davon und entlässt Silvi in ein schwarzes Loch. Oder besser gesagt: Lässt sie das schwarze Loch erkennen und ausloten, in dem sie jahrelang gefangen war. Interviews mit der fiktiven Silvi, die vor einer Rauhfasertapete sitzt und über sich erzählt, durchziehen den Film, Lina Wendel fühlt sich ganz ein in ihre Figur und erzählt aus der Fiktionalität heraus in die Realität des Zuschauers: Es muss eine ganz normale Ehe gewesen sein, die in Routine und Langeweile erstarrt ist, mit einem Mann, der so gar nichts mehr tat. Beine hoch, Bier runter, mehr war nicht - man hat da ein sehr genaues Bild. Und Silvi weiß: Da muss mehr sein. Sie sucht, sie will die Sehnsucht spüren, sie will das Kribbeln fühlen.
Silvi trifft Männer. Und das sind ganz und gar nicht die Typen, die wie ihr Mann einen darstellte. Der erste ist charmant, im Hotelzimmer ist auch alles einvernehmlich. Dann steht er auf, muss zur Arbeit, überhaupt: eine Beziehung will er nicht, hat ja seine Alte. Und jetzt bitte kein Genörgel, ist ja, als wäre man schon jahrelang verheiratet! Das ist noch einer der harmlosen Sorte.
Der zweite: Sehr nett, sehr zuvorkommend. Mit klaren Vorstellungen, wie welche Phantasie auszuleben sei. Das erste Treffen: Ein Blind Date im wahren Sinn, mit verbundenen Augen werden Gesichter, Körper abgetastet - das ist Nähe, das ist Sehnsucht; das trifft auf Silvis Wunsch. Danach: Lack-Leder-Fetisch-SM; auch das macht Silvi mit, es ist ein Abenteuer, nie hat sie so etwas gekannt. Nein: Ausgenutzt wird sie nicht. Ein bisschen Koksen ist auch OK, das Kribbeln, das Silvi sucht, steckt immerhin in der Nase drin. Der Vertrag, den er vorschlägt, hats aber in sich: Sie darf nicht ausgehen ohne seine Erlaubnis; und ab und zu ein Dreier wäre wohl auch OK?
Der Dritte ist schüchtern, kleinlaut, unbeholfen, aber voll von Glück: Silvi ist seine Frau. Er richtet sofort sein Leben nach ihr aus, feuert aus dem Nichts Komplimente ab, gibt sich ganz hin. Vereinnahmt sie emotional, will sofort die totale, radikale Bindung. Und im Übrigen: Könnte sie jetzt nicht vielleicht Brötchen holen und ihn solange in der Speisekammer einsperren, oder vielleicht im Wandschrank? Du bist meine Königin, ich bin dein Diener...
Peter Trabner spielt diesen letzten Typen, diesen Maso-Weichling mit äußerst präzisen Vorstellungen, was er will. Trabner: Das ist der Stammschauspieler von Axel Ranisch, den Bernd Zywietz zusammen mit ein paar anderen einer neuen Berliner Filmschule porträtiert hat in ANSICHTSSACHE: junge Regisseure, die Filmen, die schnell und präzise, sehr frei und sehr engagiert ihre Geschichten erzählen, die die Kamera tatsächlich als Bleistift benutzen im nouvellevagueschen Sinn, mit dem rasch skizziert werden kann - und nicht per Textverarbeitung inkl. Rechtschreibprüfung und Thesaurus filmische Großwerke schaffen. Axel Ranisch hat auch einen Dankeschön-Credit in "Silvi" bekommen - denn Nico Sommer ist ganz bestimmt ein Teil dieser jungen, frischen Generation von Filmemachern.
Filmemacher, die schwere Themen, die ansonsten Anlass zu rührselig-larmoyant-tranfuseligen Erstlingsdramen wären, werden mit sichtlichem Spaß und ausgeprägtem Witz erzählt. Nein: "Silvi" hat nichts mit den Zuschauer überstülpender Betroffenheit zu tun. "Silvi" ist komisch, hat Humor; enthält Herzenswärme, Ironie und Wahrhaftigkeit. Ein Dreiklang, der den Film zu etwas wirklich Befreiendem macht.
Harald Mühlbeyer
Dienstag, 11. Juni 2013
ICH FÜHL MICH DISCO in München

In ANSICHTSSACHE haben wir uns auch mit jungen "digitalen" und "improvisierenden" Filmemachern befasst - darunter auch mit Axel Ranisch, der gerade seinen famosen DICKE MÄDCHEN vorgelegt hatte und gerade am Nachfolgeprojekt arbeitete. Eines, das sogar Unterstützung bekommen hat, u.a. vom Kleinen Fernsehspiel des ZDF.
ICH FÜHL MICH DISCO heißt der Film, ist autobiografisch angehaucht und präsentiert einmal mehr auch Heiko Pinkowski, der zusammen mit Ranisch, Dennis Pauls und Anne Baeker die Firma SEHR GUTE FILME gegründet hat.
Auf dem diesjährigen Filmfest München (28.6. bis 6.7.) feiert ICH FÜHL MICH DISCO Weltpremiere. Zu sehen sein wird der Film in der Reihe Neues Deutsches Kino, und zwar
- Sonntag, 30.06.2013, 19:30 Uhr im ARRI Kino
- Montag, 01.07.2013, 16:30 Uhr, HFF AudimaxX
- Dienstag, 02.07.2013, 12:30 Uhr, City 1
- Donnerstag, 04.07.2013, 20:00 Uhr, Münchner Freiheit 1
Produziert ist ICH FÜHL MICH DISCO von Kordes & Kordes Film.
Zum Inhalt:
Eigentlich ist Florian Herbst am glücklichsten, wenn Papa nicht zu Hause ist. Dann kann er mit seiner Mama durch die Wohnung tanzen, verrückte Kostüme anziehen und seine Sorgen vergessen. Auch Hanno Herbst kann mit seinem Sohn nicht so richtig viel anfangen. Der hat zwei linke Hände, einen viel zu dicken Bauch und interessiert sich weder für Sport, noch für Mädchen. Alles nicht so schlimm! Es gibt ja immer noch Mama. Die hält die fragile Familienharmonie mit zärtlicher Dominanz in Schach und beschützt ihre beiden Männer voreinander. Zumindest so lange, bis eines schrecklichen Morgens das Kartenhaus in sich zusammenbricht und Mama von einer Sekunde auf die andere verschwindet. Wie Vater und Sohn überfordert zurück bleiben, mit ihrem Schicksal umgehen lernen und langsam zueinander finden, das erzählt der Film ICH FÜHL MICH DISCO. Mal humorvoll und absurd, mal traurig, mal fantastisch.
Übrigens:
Ebenfalls auf dem Filmfest München uraufgeführt wird REUBER, "ein tragikomisches Märchen für Kinder und alle anderen",.der zweite "Sehr gute Film" nach DICKE MÄDCHEN. Ebenfalls von Ranisch und mit Pinkowski (& Peter Trabner). Mehr dazu inkl. Trailer HIER.
zyw
Dienstag, 12. März 2013
LEG IHN UM! im Kino!
Nach SWINGER CLUB und DIE GLÜCKLICHEN ist nun auch der - ebenfalls in ANSICHTSSACHE erwähnte - dritte Langfilm von Schütte im Kino gestartet: LEG IHN UM! (Untertitel: "Ein Familienfest").
Die Thriller-Drama-Komödie feierte letztes Jahre Premiere in Hof, wo sie sogar unserem Scharf-Kritiker und apodiktischen Reiter Harald Mühlbeyer gefiel. Nicht zuletzt, weil sie einen in Deutschland (zu) selten gesehenen Genre-Mix präsentiert, der dazu noch mit der frischen Impro-Art der "Glücklichen" zubereitet ist.
Darum geht's: Familienpatriarch Manzl (Hans-Michael Rehberg) lädt seine verkommen verquere Sippe ein, um den Kindern nicht nur seinen unvermeidlich nahen Tod zu verkünden, sondern auch das Gesamterbe dem zu versprechen, der das Ende ihm am schnellsten beschert. Ansonsten fällt das Vermögen für alle flach.
Mehr braucht gar nicht über den ungewöhnlichen Sterbehilfsfall verraten werden (der bereitwillig und nicht von Ungefähr an DAS FEST erinnert), denn die Prämisse und wie sich die DarstellerInnen damit auseinandersetzen, ist mindestens ebenso essenziell für LEG IHN UM! wie das von Schütte geschriebene "Buch" bzw. die Dramaturgie, wie sie eben "hinten rauskam". Ein Film, der seine Lust und Lebendigkeit massiv daraus zieht, dass er jedesmal gerade erst auf der Leinwand sozusagen entsteht. "Für eine schwarze Komödie" zu unkonzentriert befand Tobias Kniebe auf Süddeutsche.de, vielleicht nicht ganz zu unrecht und doch knapp daneben.
Seit 7. März ist LEG IHN UM! also auf deutschen Leinwänden zu sehen - und droht da, leider nichts Neues in Deutschland, im Vieler- und Einerlei der Premieren-Schwemme unterzugehen.
Noch kurze Zeit zu sehen ist er
in Kiel in der Pumpe
Lüneburg: Scala
Berlin-Mitte: Babylon
Esslingen: KoKi
Tübingen: Abaton
Anschließend wird er in Hamburg, im BERLIN ACUD in Frankfurt / M. und hoffentlich noch anderswo seine Runden (und Kreise) ziehen.
Also: Reingehen, anschauen - deutsche Filmprojekte wie diese unterstützen! Aber auch wegen des Films selbst natürlich.
Ganz viel Infos dazu und zu LEG IHN UM! allgemein inklusive Ausschnitten bietet der Verleih Aries Films auf seiner Website.
(zyw)
Montag, 25. Februar 2013
LOVE STEAKS: Teaser von und "echter" Name für Jakob Lass' FOGMA#1
Im Buchbeitrag zu "German Mumblecore"-Filmern haben wir in ANSICHTSSACHE auch Jakob Lass vorgestellt, der zu der Zeit, als der Text geschrieben wurde, noch an seinem zweiten Langfilm nach FRONTALWATTE saß und darüber bzw. von dessen Entstehung berichtete.

Was übrigens FOGMA ist und will, darüber können Sie natürlich ein bisschen schon was in ANSICHTSSACHE lesen...
zyw
Dienstag, 18. Dezember 2012
Erster Trailer zu LEG IHN UM!

Den ersten Trailer dazu können (und sollten) Sie sich hier auf YouTube anschauen.
Harald Mühlbeyer hat den Film übrigens schon gesehen - und HIER rezensiert. Von Bernd Zywietz wiederum gibt es Einiges zu lesen zu Jan G. Schütte und dem Weg hin zu LEG IHN UM!.
Wo? Ja, raten Sie mal! :-)
DICKE MÄDCHEN überall!
Günstig gemacht, nie aber billig ist DICKE MÄDCHEN von Axel
Ranisch – vielleicht der Überraschungshit des Jahres. Für nominelle 500,- Euro Budget entstanden ist der Film. Ranisch improvisierte mit Peter
Trabner, Heiko Pinkowski und seiner Oma Ruth Bickelhaupt, drehte das alles auf
MiniDV – und erzählt damit eine urkomische wie berührende Geschichte, nicht zuletzt
über Menschlichkeit und die Ränder und Grenzen von Konventionen in puncto Leben und Liebe.
Ranisch, Cast und Crew von DICKE MÄDCHEN, aber auch die
kleine Produktionsfirma Sehr gute Filme, zu der neben Ranisch auch Pinkowski, Produzentin
Anne Baeker und Kameramann Dennis Pauls gehören, konnten sich nicht nur freuen,
dass der Film es tatsächlich, nach mehreren Preisen (u.a. dem fürs beste
Drehbuch!), ins Kino schaffte (dank des Verleihs Missing Films): DICKE MÄDCHEN
wurde dieses Jahr auch mit einer Sonderehrung des Deutschen Kurzfilmpreises
bedacht.
Seit dem 15.11. läuft DICKE MÄDCHEN auf deutschen Leinwänden (kommt
dabei auch nach Mainz: ins CinéMayence, ab dem 24.1.2013!).
Ein Interview mit Axel Ranisch gibt zum Lesen und zum
Anhören HIER bei Deutschlandradio Kultur. Und unter dem Titel „Jedes Gramm ist eine Genuss“ rezensiert Daniel Sander DICKE MÄDCHEN auf Spiegel-Online.
Früher natürlich noch hat Bernd Zywietz DICKE MÄDCHEN und
Axel Ranisch „entdeckt“. Weshalb Sie in ANSICHTSSACHE - ZUM AKTUELLEN DEUTSCHEN FILM noch mehr über den
sympathischen Filmemacher und weitere Vertreter einer Generation „German
Mumblecore“ werden lesen können.
Labels:
Filmtipps,
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