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Sonntag, 15. Oktober 2017

Genre-TV-Film LOCKDOWN von Bogdana Vera Lorenz

Für mehr Genre in Deutschland!

In der Reihe "Stunde des Bösen" traut sich "Das Kleine Fernsehspiel" des ZDF an düstere Genrestoffe - und bietet dabei auch dem Nachwuchs Chancen. Am Montag den 16.10. (00.20 Uhr - also eigentl. schon am Dienstag) läuft der erste Langfilm von Bogdana Vera Lorenz (Regisseurin des preisgekrönten Fussballfreizeitschläger-Kurzfilm HEIMSPIEL).



LOCKDOWN - TÖDLICHES ERWACHEN, ist ein Psychothriller-Kammerspiel mit Alice Dwyer und erinnert in seiner Grundidee an den US-Film 10 CLOVERFIELD LANE, wurde aber teils davor bzw. zeitgleich dazu erdacht (Buch: Lorenz u. Max Permantier): Eine junge Wissenschaftlerin wird von ihrem Nachbarn mit ihm in einer hermetisch abegriegelten Wohnung vor den Folgen eines Biowaffen-Terroranschlag "beschützt" ... angeblich.

Bis noch zum 13, November 2017 ist LOCKDOWN hier in der ZDF-Mediathek zu sehen.


Mittwoch, 10. Juni 2015

"Nordlichter" fördert Mystery

Noch bis zum 30. Juni suchen NDR, Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und Normedia für ihre Nachwuchs-förderprogramm "Nordlichter" Projekt-einreichungen - und zwar für Ideen im Genre "Mystery".

Newcomer aus den Bereichen Drehbuch, Regie und Produktion (einer davon muss mindestens aus Norddeutschland stammen) können sich mit Exposees, Treatments oder fertigen Drehbüchern für einen abendfüllenden Spielfilm mit einem Maximalbudget von 900.000 Euro (je 300.000 von jeder Institution) bewerben.Vier davon sollen letztlich herauskommen und im NDR-Programm zu sehen sein.

Mehr: HIER

zyw

Mittwoch, 23. Juli 2014

ZDF-Jahrbuch 2013 erschienen

Besser spät als nie: das ZDF hat online sein "Jahrbuch 2013" veröffentlicht. Neben Bilanzen, Finanzen und sonstigen offiziellen Berichten findet sich darin auch eine Übersicht der ausgestrahlten Spiel- u. Fernsehfilme - inklusive den jeweiligen Zuschauerzahlen (im Punkt "Programmchronik").

Das ZDF-Jahrbuch 2013 finden Sie HIER.

zyw

Mittwoch, 5. März 2014

Deutsches Kino auf der Berlinale (III): DIE GELIEBTEN SCHWESTERN

Sie sind zwar schon rum, die diesjährigen Internationalen Filmfestspiele in der Bundeshauptstadt. Doch zu spät es ist es noch lange nicht, sich dem einen oder anderen Werk zu widmen. Sei es hier oder als Zuschauer im Kino. Denn natürlich starten viele Filme erst noch. DIE GELIEBTEN SCHWESTERN etwa haben ihren regulären Leinwandauftritt am 31. Juli, ehe sie, so sieht es aus, als Zweiteiler im Fernsehen zu sehen sein werden. Rund 170 Minuten dauerte der Streifen auf der Berlinale, doch wie Regisseur Dominik Graf auf der Berlinale-Pressekonferenz mitteilte, wird es eine etwas kürzere Kino- und eine etwas längere TV-Fassung geben. Inhaltlich soll sich die eine von der anderen nicht groß unterscheiden. Doch schon die Kutschenfahrten, überhaupt: das Langsame, das aus unserer Rücksicht „Entschleunigte“ des ausgehenden 18. Jahrhundert macht einen großen Reiz des Films aus – „Sturm und Drang“ hin oder her. Ist also die Kinofassung hier tatsächlich mal nur die amphibische Vorverwurstung für die „originäre“ TV-Variante? Mithin DIE GELIEBTEN SCHWESTERN mal wieder ein infamer Fernsehfilm, der aufgeblasen und zu dessen Verstopfung ins deutsche Lichtspielhaus entsandt wurde, der schnöden Förderungsmittel und des Renommees wegen?

Ach, elendige kritische Frage, die fast so alt anmutet wie die Protagonisten und ihre Zeit. Und mitsamt dem Thema und seiner Emotionalität, so scheint’s, ewig aktuell. Und ebenso berechtigt wie unbegründet. Denn schließlich handelt es sich hier um einen Film von Dominik Graf. Den haben wir schon in ANSICHTSSACHE als Sachwalter eines qualitativ hochwertigen, zumindest aber stets spannenden und eigensinnigen deutschen Films (sowie mithin jenseits der Kluft) zwischen hiesigen Kino und TV gepriesen. Folglich dürfen DIE GELIEBTEN SCHWESTERN in jedem der beiden Dispositive zu eigenem Recht kommen, erzählerisch wie ästhetisch.

Das Zweiteilerische ist den GELIEBTEN SCHWESTERN ohnehin ganz natürlich eingeschrieben. Da ist ein ersterer, lustvollerer Part, in dem Charlotte von Lengefeld (gespielt von der mit bildschönen Katzenaugen und famosem Namen gesegneten Henriette Confurius) nach Weimar zu Ihrer Tante (Maja Maranow – man gedenke Grafs genial teilsurrealistischer Fahnder-Folge NACHTWACHE von 1993!) geschickt wird. Der Ehemann-Findung wegen. Doch der schottische Militär, auf den notgedrungen gesetzt wird, ist es nicht so recht, der fesche Jungschriftsteller Friedrich Schiller (auf der Berlinale auch als Jungpriester in Brüggemanns KREUZWEG zu sehen: Florian Stetter) hingegen tritt zwar charmant und lebensprall auf, dafür aber auch recht mittellos. Hilft nichts, Charlotte verguckt sich in ihn. Ebenso wie daheim in der sommerheißen Provinz ihre Schwester Caroline (nicht zu katzenäugig, dafür Confurius nicht zuletzt der Rolle wegen an die Wand spielend: Hannah Herzsprung). Diese hat zur finanziellen Absicherung der ansonsten langsam verarmenden Familie den Herrn von Beulwitz gezweckehelicht, verdreht nun aber zusammen mit Charlotte dem Dichter in Rudolstadt den Kopf. Oder aber dieser den der Schwestern.

Die zunächst keusch-glutvolle Ménage à trois inszeniert Graf mit vergnüglichem Witz und erstaunlicher Verve, wobei die poetische Sprache jener Zeit erstaunlich bodenständig und natürlich wirkt. Tändeln und Schmachten, Anstand und Etikette, das Ausharren der Schwestern am Fenster, wartend (aber bitte nicht so überdeutlich!), auf dass der Herr Schiller sich dem Schlosse über die Furt nähert – hach, was waren das noch Zeiten, so ohne Massenpresse, Fernsehen, Handy. Kein „#Schillergeil“, keine Facebook-Freundschaft, die SMS noch auf Briefpapier, wortvollendet, schön kaligraphiert und wachsversiegelt.

Sicher: Liebesheirat ist da noch eine Luxus (oder ein Skandal), aber gerade das Steife und Gebotene, Gehrock und Musselinkleid, das kultivierte Französisch, das ist für Graf herrliches Spielmaterial für die drei selbstbewussten Hauptfiguren und ihr Körper. Bei der Pressevorführung im Berlinale-Palast konnten einem die ausländischen Kollegen jedenfalls leidtun, die sowohl vom reclamheftigen Sturm-und-Drang-Zeit-Duktus hier, den Dialekten dort (Schwäbisch oder – beim überragenden, nur von Ferne oder aus der Rückansicht ehrfurchtsvoll präsentierten Dichterfürst Goethe: - Frankfurter Hessisch!) nur mitbekamen, was englische Untertitel so vermitteln konnten (nämlich nichts). DIE GELIEBTEN SCHWESTERN werden dröge eindeutig international zu BELOVED SISTERS.

DIE GELIEBTEN SCHWESTERN – ein, zwar nicht FACK JU, aber immerhin doch ein Philipp Stölzl’erischer GOETHE!? Nein. Zwar tritt auch in DIE GELIEBTEN SCHWESTERN der zweite große Natioinalpoet zwar als solcher nicht sonderlich in Erscheinung, er spielt aber ja auch nur die zweite Geige gegenüber den Frauen und überhaupt: Es geht Dominik Graf eben um die komplexe, komplizierte Liebensbeziehung, ihre Lust, aber auch ihre Folgen und Verletzungen, und das in eleganter, klug inspizierender Form, eine, die den großen historischen wie tragischen Bogen nicht scheut, ohne (allzu sehr) Geschichtstelekolleg oder herzeleidiges Melodram zu werden. Die Graf‘schen Griffe, Sichtweisen und Stilismen, sie fügen sich gekonnt in den Stoff ein (oder dieser wird auf sie hin entfaltet): die ironischen (und als solche vom / im Film selbst ironisch kommentierten) Sprachspiele (die stets auch Gesellschaftsspiele sind in jener Epoche), die Überblendungen, die Standbilder der Protagonisten en face... Und als Schiller – Endlich! möcht man rufen, nach all dem Werben und Verlangen – sich mit Caroline der unerhörten, heimlichen Fleischeslust in Löffelchenstellung hingibt, da hat das trotz (oder wegen) des diskreten Verbleibs der Kamera auf den Gesichtern der Schauspieler mehr aufregende, unverblümte Erotik als alle expliziten Sex-Szenen in Lars von Triers NYMPHOMANIAC VOL. 1 (freilich ein ebenfalls gelungener Film, der auch etwas und von etwas anderem erzählt).

Doch Caroline ist ja schon vergeben; Schiller heiratet also Charlotte, für die wiederum der Gatte aber in ihrer Geschwisterliebe und vor allem aus Dankespflicht für Carolines familiendienlicher Zweckehenopfer doch eben irgendwie der Schwester gehört. Weshalb sie sich ihm quasi innerlich entsagt, zunächst. So kommt der zweite Teil, mithin Schillers beruflicher Erfolg. Professur in Jena, Herausgabe der Horen in Tübingen; das Eheleben nimmt seinen Lauf, Kinder werden geboren. Die Räume, auch buchstäblich in der Inszenierung, die Stuben und Kammern in Jena, in Weimar, im Schwäbischen, sie werden eng und dunkel. Auch die Beziehung der Schwestern geht in die Brüche, zueinander, zu sich selbst. Caroline verlässt ihren Mann, feiert mit ihrem Fortsetzungsroman anonym Erfolge, wird Mätresse. Schiller leidet an schlechter Gesundheit. Geschichte eben.

D. Graf (l.) mit seinen drei HauptdarstellerInnen (Foto: Bavaria)
Auch dieser zweite Part ist gelungen, aber in der Länge des Films dann eben doch düsterer, fragmentarischer, eben nicht so sommerlich-beschwingt, bestechend, charmant; der Liebessommer in Thüringen ist vorbei und man vermisst ihn „hintenraus“, weil er so schön war, so romantisch. Aber so ist es eben, im Leben. Auch das ist Graf hoch anzurechnen, der selbst mit seiner immer leicht nuscheligen, angenehm trockenen Stimme den historisierenden Off-Kommentar spricht: dass er die Wahrhaftigkeit im Träumerischen erhält und umgekehrt, dass er die sachliche Chronik eines dreifachen Lebens und Liebens nicht überhöht, sie nicht überzeitlich (v)erklärt und doch universell nicht zuletzt im Auslaufen hinein ins (auch Sitten-)Historische sein lässt, weiterverfolgt – eine Geschichtslektion, deren erstaunlich moderne private Beziehungsgeschichte sowohl kühle Lerndistanz als auch gleichzeitig nicht große, aber feine erwachsene Anrührung zu erzeugen vermag.

Er kann es also, der Graf nicht nur des Fernsehens, des Polizei- pardon: des Polizistenkrimis und -thrillers, von Im Angesicht des Verbrechens oder zuletzt im stilistisch und inhaltlich überbordenden furiosen München-TATORT „Aus der Tiefe der Zeit“ (Buch: Bernd Schwamm). Doch ist das überhaupt eine Überraschung? DAS GELÜBTE über Dichter Clemens Brentano und die Nonne Anna Katharina Emmerick (mit Graf-„regular“ Mišel Matičević sowie Tanja Schleiff) war auch kein „Schulfunk, Kostümschinken, Erbauungsdrama“, und faszinierende Dreiecksfreundschafts- und -liebeskonstellationen untersuchte er ebenfalls bereits, vor allem in DIE FREUNDE DER FREUNDE (2002, nach Henry James, mit einem Prä-RUBBELDIEKATZ Matthias Schweighöfer, mit Sabine Timoteo und, ja auch hier schon: mit Florian Stetter). Buch für all diese Filme, wie auch zu Grafs DREILEBEN-Beitrag KOMM MIR NICHT NACH, zu Grafs DER FELSEN und seiner Trilogie KALTER FRÜHLING, DEINE BESTEN JAHRE, BITTERE UNSCHULD: Markus Busch. Und alles Fernsehen übrigens.

DIE GELIEBTEN SCHWESTERN, mittlerweile auch mit Verleih in den USA, ist also keine Ausnahme, was das Schaffen Grafs anbelangt, so wie so nicht, gottlob.


DIE GELIEBTEN SCHWESTERN (Regie u. Buch: Dominik Graf)
Kinostart:  31. Juli 2014, Verleih: Senator

Bernd Zywietz   

Sonntag, 16. Februar 2014

TATORT Winterhafen

Ursula Scheer kritisiert in der FAZ den TATORT vom heutigen 16. Februar. Lena Odenthal im Zirkusmilieu. Langweilig.

Das mag sein, ich habe den Ludwigshafener TATORT nie sonderlich spannend gefunden, mithin nicht verfolgt. Doch die Aufzählung der NebendarstellerInnen lässt stutzen: Hanno Koffler, Steffi Kühnert, Liv Lisa Fries.

H. Koffler (l.) in FREIER FALL
Koffler war in den letzten Jahren nicht nur in dem, nicht zuletzt dank ihm, sehenswerten TV-Film AUSLANDSEINSATZ (Regie Till Endemann) zu sehen, sondern auch als Hauptdarsteller in Stephan Lacants FREIER FALL (SPON-Kritik HIER), ein Drama um einen Schutzpolizisten, der seine Liebe zu Männern, konkret zu einem von Max Riemelt gespielten Kollegen entdeckt, derweil daheim sich die schwangere Frau (Katharina Schüttler) in der Souterrainwohnung seines Elternhauses einzurichten versucht. Ein Film, der u.a. vom Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) für den Preis des besten Spielfilmdebüts nominiert war. Regisseur des TATOTRS „Zirkuskind“ selbst ist AUSLANDSEINSATZ-Director Till Endemann (KOMETEN; VATER MORGANA); darüber wohl Kofflers Auftritt.        

Steffi Kühnert - DIE FRAU, DIE SICH TRAUT
Steffi Kühnert wiederum war jüngst als FRAU, DIE SICH TRAUT (R: Marc Rensing) als Kanalschwimmerin mit Krebs im Kino zu sehen. Einem breiten Publikum ist sie nicht zuletzt in Andreas Dresens HALT AUF FREIER STRECKE bekannt geworden, der u.a. in Cannes lief.

Und Liv Lisa Fries? Die wurde nicht nur gerade im Januar wohlverdient für Frederik Steiners UND MORGEN MITTAG BIN ICH TOT als beste Nachwuchsdarstellerin auf dem Max Ophüls Preis in Saarbrücken ausgezeichnet, sondern als eine solche schon den Bayerischen Filmpreis 2013.
Liv Lis Fries in UND MORGEN MITTAG...

Einmal mehr ein Fallbeleg, dass (wie in ANSICHTSSACHE schon angemerkt) das deutsche Gebühren-Fernsehen mit seinen Filmen und Filmreihen vielleicht nicht unbedingt großes Kino bietet, aber deren beachtlichen Namen immer wieder und immer wieder gern Lohn und Brot gibt und mithin Leinwand-, pardon: Bildschirmpräsenz, über die wir uns im Kleinen freuen dürfen.

zyw


Montag, 27. Januar 2014

ARD Degeto auf neuem Kurs



„Stichwort Drehbuch“ ist der Podcast des Verbands deutscher Drehbuchautoren. Frank Zeller und Oliver Schütte präsentieren hier ein- bis zweimal im Monat Interviews mit Autoren, Regisseuren u.a. sowie Veranstaltungsmitschnitte rund um das Thema Stoff und Skript.

Aktueller Beitrag ist eine Aufzeichnung der VeDRA-Veranstaltung (Verband für Film- und Fernsehdramaturgie e.V.) mit dem Titel „Filmstoffentwicklung“, die am 9. November 2013 in Berlin stattfand. Inhalt des Mitschnitts: Vortrag und Q&A von/mit Degeto-Geschäftsführerin und ARD-Filmförderkoordinatorin (seit 2012) Christine Strobl.

(Foto: SWR/Monika Maier)
Äußerst empfehlenswert, weil teils Erstaunliches da zu hören ist – vor allen in der Offenheit, mit der die Ex-SWR-Redakteurin  von ihrer Firma spricht. Nach einer Einführung in die Aufgaben und Leistungen (samt groben Zahlen) der zentralen Filmeinkaufs- und Produktions(beteiligungs)firme der ARD legt Strobl dar, wie sie, die sie sich auch für die Stoffe verantwortlich fühlt, sich die Zukunft vorstellt. Und die soll sich klar unterscheiden von der Gegenwart: Realistischer werde das Programm, Wendungen und Begriffe wie „nicht mehr zeitgemäß“, „Stereotype“, „Kitsch“ fallen. Sogar die Erkenntnis: dass das Publikum für dümmer gehalten werde, als es sei. Sicher, Wohlfühlunterhaltung soll es auch künftig geben, nur eben zeitgemäßer. Aber überdies stellt Strobl „offene Dramaturgien“ in Aussicht; keine Geschichten mehr, die man von Anfang bis Ende vorhersagen kann. Und auch die Standard-Darsteller (Stichwort Christine Neubauer) sollen nicht mehr so häufig (also gefühlt: ständig) zum Einsatz kommen, selbst wenn sie Publikumserfolg versprechen. Mit entsprechenden Kandidaten habe Strobl schon persönlich gesprochen ...

Was die krisengebeutelte Degeto selbst betrifft, setzt Strobl auf Transparenz. Sogar eine eigene Website habe die ARD-Tochter endlich (auch die Chefin weiß, wie peinlich das ist). Grob werden da die Zielanforderungen für die einzelnen Sendeplätze für Autoren und Produzenten angeführt. Und: Ein Datenbanksystem soll her, um die Rechte nicht länger aus dem Aktenordner oder bestenfalls mit Excel-Listen zu verwalten. Willkommen im 21. Jahrhundert, Degeto!

Auch wenn Cristine Strobl zum Ende hin, wenn es um die konkrete Ausgestaltung etwa des Donnerstagabends in der ARD geht, etwas ins Schwimmen gerät: Ihre offene Art und ihre Vorstellungen von dem, was die Degeto leisten kann und zukünftig soll, macht Hoffnung für „Das Erste“ (für das sie 81 % aller Kino- u. TV-Filme beischafft) und darüber hinaus (so ist die Degeto auch Kino-Koproduzent, etwa von DER MEDICUS). Nach u.a. Norbert Himmler, neuem Programmdirektor des ZDF, ist mit Strobl nun eine weitere einflussreiche Person für ein deutsches Gebührenfernsehen im Amt, das sich anschickt, fiktionale Inhalte für Menschen diesseits der 60 und abseits des Wunsches nach idyllischem Forsthaus-, Bauern- und Reiterhofklischee zu präsentieren. Was letztendlich daraus wird, muss sich zeigen. Freilich sind solche klaren Verheißungen und eindeutige Selbstkritik von der Spitze der mächtigen Degeto allein schon von erheblichem Wert, und sei es nur für die wunde Seele von Drehbuchschreibern, Produzenten – und Zuschauern.

Die Degeto, gemeinsam betrieben von den Landesrundfunkanstalten, hat allerdings mehr als nur guten Grund, sich neu aufzustellen. Nicht nur, dass sie für viele quasi ein Synonym fürs Seichte und Schmonzettenhafte im Ersten, sondern auch molochartige Macht gegenüber Kreativen und Produzenten. Vor allem aber zuletzt: für Misswirtschaft und mehr. Ende 2011 verabschiedete man Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan, der das Budget überzogen hatte; bis 2013 war schon alles verplant. Es kam zum Auftragsstopp und die Wirtschaftsprüfer ins Haus. Deren Erkenntnis: „gravierende organisatorische Mängel“. (Sie hierzu wie für ein Porträt von Strobl zum Amtsantritt ein Beitrag auf Zeit-Online.)

Wenn nun also mitsamt der Organisation und den Finanzen gleich noch das Inhalts- bzw. Qualitätsverständnis zum Neuen und Besseren hin reformiert (wenn nicht gar neugestartet) wird, hat die Degeto-Krise vielleicht was Gutes gehabt.


Die Aufzeichnung des Vortrags von Frau Strobl finden Sie HIER.

zyw
   
   

Dienstag, 3. Dezember 2013

DICKE MÄDCHEN im Internet gegen die Krise des deutschen Kinos?

Dem deutschen Film, es geht im mal wieder schlecht. Kaum hat das FILMZ–Festival gezeigt, was für ein gelungenes Jahr wir bald hinter uns haben, klagt Martin Hagemann, Produzent und HFF-Potsdam-Professor auf fr-online über den Stand der Dinge. Hagemann, der eine beindruckend gemischte Palette an (Co-)Produktionen – von Christopher Smiths UK-Horror CREEP über Michael Kliers FARLAND bis Béla Tarrs sperrigen THE TURIN HORSE – vorzuweisen hat, bietet dabei bekannte Argumente und „Feinde“ auf: das hiesige Fernsehen, das bestenfalls Brotjobs und Abhängigkeitsverhältnisse für Produzenten bietet und darüber hinaus nur Seichtes; die historische Fehlentwicklung in Sachen experimentierfeindlicher Förderstrukturen, die „Überproduktionskrise“ und die einhergehende Aufmerksamkeits“kannibalisierung“ etc.

Vieles davon hat man davor schon lesen können – unter anderen bei uns in ANSICHTSSACHE, wie die von Harald Mühlbeyer konstatierte Kluft zwischen Kommerz hier und Kunstkino dort (bei Hagemann: dem, freilich zugestandenen, Erfolg von FACK JU GÖHTE und der MoMA-Adelung er „Berliner Schule“). „Es fehlt an regelmäßigen guten Produktionen“, so Hagemann (quasi unisono mit Mühlbeyer). Genauer: „Es fehlen in Deutschland seit langem Spielfilme, die sich zwischen den Polen von wirtschaftlicher und kultureller Ausrichtung positionieren. Es fehlt an regelmäßigen guten und erfolgreichen Filmproduktionen, die an einem Begriff von Film festhalten, der populär und anspruchsvoll zugleich ist“ (Hagemann).

Da allerdings Hagemann vom Fach kommt, hat er einen spezifischen Blick, der (so) den vielen anderen öffentlichen Klagen, derer es – muss man auch sagen – kaum genug geben kann, insofern abhebt, als er besonders auf seine Berufsgruppe und ihre konkrete Arbeits-, mithin Finanzierungslage verweist, was in anderen Debattenbeiträgen tendenziell weniger der Fall ist.

Hagemann kritisiert die Machtlosigkeit der Produzenten, bzw. deren Entkapitalisierung. „Wenn aber Produzenten heute nur noch von der Herstellung der Filme und nicht von ihrer Auswertung leben können, werden sie zu Auftragsproduzenten der Verleiher und Verwerter, ähnlich wie in der Fernsehproduktion, bei der in der Regel alle Rechte an den Sender abgegeben werden und fest vereinbarte, erfolgsunabhängige Honorare den einzigen Erlös der Produzenten ausmachen.“

Und: „Die Hälfte der sechshundert Millionen Umsatz innerhalb der deutschen Kinofilmproduktion wird heute in einem Prozent der deutschen Produktionsfirmen bewegt, während 83 Prozent der Produktionsfirmen nur für acht Prozent des Umsatzes verantwortlich sind.

Das ist ein richtiger, wichtiger Punkt; ich wüsste gerne, woher er diese Zahl hat (nein wirklich, ist nicht rhetorisch gemeint!). Am Schluss noch verweist Hagemann zur Lösung auf eine ebenfalls nicht allzu neue Idee: Die Trennung zwischen künstlerischer und wirtschaftlicher Filmförderung (was sich leider immer so ein bisschen beißt mit dem versöhnenden Wunsch nach sowohl künstlerische wie kommerziellen „guten“ / „erfolgreichen“ Filmen, s.o.). Aber er nimmt auch die Kinos in die Pflicht, die risikoscheu seien, sich an die Sperrfristen klammerten. „So werden sie wohl das jüngere Publikum an Internetportale wie netflix und Co. verlieren.“

Das ist nun ein besonders spannender Punkt, denn just an dem Tag, da Hagemanns Artikel auf der Onlineseite der Frankfurter Rundschau erschien, verkündete Axel Ranisch und das Team von „Sehr gute Film“, kaum zurück aus Mainz in Berlin, wo sie für ICH FÜHL MICH DISCO den Hauptpreis erhielten, ein ganz besonderes Angebot: Ranischs günstig hergestellter Erfolgsfilm DICKE MÄDCHEN, die erste Produktion von „Sehr gute Filme“ ist für 9,99 Euro als Stream und Download auf der Seite der Firma zu haben [1].

Streams und Downloads ersetzen natürlich nicht die Kinoerfahrung. Das sieht Ranisch aber ohnehin nicht so eng. Und mehr noch ist dieser digitale Selbstvertrieb ein mögliches Konzept, das zwar mit vielen Fallstricken verbunden ist (ob Kino oder Netflix: es braucht wohl eine etablierte Plattform, die den meisten Filmsuchenden das Angebot zumindest vorstrukturiert und präsentiert). Es hat, zusammen mit ähnlichen Direktvertrieben aber Signalcharakter und den Vorteil, tatsächlich sämtliche an oder zumindest in der Misere profitierenden „middle men“ (wie sie Hagemann als Teil des Übels beschreibt), zu umgehen.

Darüber hinaus bindet es Fans natürlich noch mehr Innigkeit; alles aus einer Hand. Wenn „Sehr gute Filme“ die „Bio-Produkte der Deutschen Filmlandschaft“ sind, wie es im „Sehr guten Manifest“ zu lesen steht, was liegt da näher, auch direkt vom Erzeuger zu kaufen?

zyw



[1] Gerne hätte ich in diesem Kontext einen Zwinker-Zwinker-Kalauer in Sachen Sich-Dicke-Mädchen-im-Internet-für-kleines-Geld-anschauen eingebracht (Dicke Mädchen „auf allen Geräten“ - ti-hihi!); passte jetzt aber nicht so, sei aber als famose Idee und Ulkigkeitsbeweis hier nicht ganz unterschlagen.



Freitag, 1. November 2013

Zum neuen TATORT des MDR

Vergangenen Sonntag hat TV-auteur Dominik Graf in seiner Leib- und Magenstadt München die Ermittler Leitmayr und Batic nach dem famosen, legendären Frau Bu lacht (von 1995!) zum Ermitteln geschickt, schon kündigt sich ein weiteres Highlight zumindest mit wichtigem Namen an: das neue TATORT-Team des MDR ermittelt in Erfurt - und mit von der Partie ist Alina Levshin, die in ANSICHTSSACHE Ciprian David als Newcomerin des aktuellen deutschen Films porträtiert hat.

Freilich: Ob die Episode Kalter Engel, in dem neben Levshin auch Friedrich Mücke (FRIENDSHIP!) und Benjamin Kramme zur Verjüngung in Mitteldeutschland sorgen soll(t)en - sowohl in wie vor dem TV-Gerät - sonderlich hoffnungsfroh stimmen wird oder auch nur wünschenswerte Qualität aufweist, lässt die Kritik von Christian Buß auf Spiegel-Online bezweifeln.

Buß verweist in seinem Verriss auch auf den Beitrag von Matthias Dell vom Freitag, den wir hier als Lektüre-Tipp empfehlen. Geht es doch schließlich darin um das Gebaren des gebeutelten MDR. Dell hat ein Interview mit der verantwortlichen Redakteurin des Senders erst nicht freigegeben, dann ganz zurückgezogen bekommen. Was er als Anlass und Gelegenheit nutzt, nicht nur die zumindest Fragen aufwerfende Ideen-Suche, aus der heraus das frische Konzept des Thüringer TATORTs entstanden ist / sein soll, zu kritisieren (zumindest vom Ergebnis her). Auch reißt Dell generelle Fragen an, die die Position der Redakteure betreffen, das Selbstverständnis der entsprechenden Stellen und ihren Einfluss auf das, was mit "unseren Gebühren-" pardon: "Beitragsgeldern" nicht nur uns vorgesetzt wird, sondern auch deutsche Kreative, Regisseure und Drehbuchautoren, hierzulande in Lohn und Brot hält.

Vielleicht braucht es für das Thema, dem wir uns in ANSICHTSSACHE ja ebenfalls widmen, viel mehr tiefgreifendere Auseinandersetzungen als sie Dells verständlicherweise wenig gnädiger Text im Zuge der "Zensur" liefern kann und mag. Generell aber ist jede Thematisierung dahingehend aber begrüßenswert, verweist sie doch auf eine Systemfrage, die zwar immer wieder und gefühlt immer mehr, öfter, lauter und ernster gestellt wird - deren Antworten jedoch nach wie vor spärlich und/oder dürftig ausfallen.

zyw

Dienstag, 8. Oktober 2013

Verheldet. Zu HELDEN und Thuns Kritik an der Kritik

In ANSICHTSSACHE haben wir versucht, für das deutsche Fernsehen und seine Produktionen ein bisschen eine Lanze zu brechen. Und dann kommt ein Regisseur wie Hansjörg Thun und macht - gem. DWDL - einem das wirklich nicht einfach.

Klar, Thun hat Regie geführt für den fast schon etwas im Feuilleton zu lustvoll zusammengedroschenen HELDEN - WENN DEIN LAND DICH BRAUCHT, der auf RTL letzte Woche lief. Einem Film, der aus unserem Raster eigentlich herausfällt, weil es sich um ein Werk der "Privaten" (hier: RTL) handelt - und die können ja gerne ohne ihren Gebühren- (oder wie das jetzt heißt) Gelder machen was sie nur wollen. Freilich: fröhlich auf die Fernsehkritik schimpfen und auf der anderen Seite nur ein mediokres Zuschauerergbnis einfahren, das passt nicht zusammen. Vor allem vertieft es jene Gräben, die immer noch und immer mehr zugeschaufelt gehören.

8 Mio. Euro habe das prominent, aber nur bedingt hochwertig besetzte Endzeit-Spektakel gekostet. Viel Geld, vielleicht auch allzu viel Geld, um (nur) dem Filmemacher und anderen Beteiligten Spaß bei der Produktion zu machen.

Fernsehen ist oder kann in Deutschland besser (sein) als es oftmals wahrgenommen wird, und es tut auch für das Kino und dessen Qualität ein Menge (derweil das "reine" Kino auch ganz von allein kontraproduktiven Mumpitz hinbekommt, trotz oder gerade wegen seiner angelegentlichen (Über-)Ambitionen).

Wenn aber ein Fernsehregisseur schlechtes Kino fürs Fernsehen macht und dann auch noch stolz darauf ist, dass er leider - unterfinanziert und -produziert (für die Dimenion seiner avisierten Trashigkeit - die beispielsweise bei solchen Projekten wie PACIFIC RIM von Guillermo del Toro wiederum zu sich selbst findet und finden kann) - einen Windbeutel abliefert, dann liegt etwas im Argen. Sei es auf Senderseite, sei es im öffentlich zur Schau gestellten Selbstverständnis von "Spielleitern", die sich zur - berechtigten - Selbstverteidigung auf eine rutschige Argumentationsbahn begeben.

Zur Erinnerung: ein durchschnittlich budgetierter TV-Film kostet hierzulande zwischen 1 und 2 Mio. Euro (ganz grob und eher am unteren Ende dieses Spektrums angesiedelt). Auch Kinofilme sind, so es sich nicht um europäische Koproduktionen mit Eventcharakter handelt, deutlich günstiger. Und weniger unverfroren schlecht. Sogar bei unserem gern - und hier noch gerner herangezogenen - "Til Bill" Schw.

Aber: RTLs HELDEN ist eben (leider) kein SHARKNADO. Weder in der Konzeption, noch künstlerischen oder kultigen Konsequenz, noch hinsichtlich des - wie auch immer gearteten - Vermarktungs- und Verkaufspotentials. SHARKNADO ist bestechendes Müll-TV, das gar ins Kino kam. Der umgekehrte Weg für HELDEN ist nicht in Sicht, gottseidank wie leider - auch und gerade weil: Dazu ist der Film als Projekt viel zu zu gewollt. Eine nicht untypisch deustche Krankheit, übrigens.

Wichtiger aber noch ist, zumindest hier (weshalb es HELDEN in diesem Land nicht braucht) und abgesehen vom bemühten Abklatschcharakter: Popcorn gehört ins Kino. Auf der TV-Couch gibt es Kartoffelchips.


zyw

Dienstag, 6. August 2013

Kino- und TV-Tipps: ARSCHKALT und KOHLHAAS




Heute, am 6. August zeigt Das kleine Fernsehspiel des ZDF um 23.00 Uhr André Erkaus Tragikomödie ARSCHKALT mit Herbert Knaup als griesgrämiger Tiefkühlkostauslieferer und Johannes Allmayer als sein neuer, penetrant wohlgelaunter Beifahrer. Vorher oder hinterher können Sie natürlich in ANSICHTSSACHE nachlesen, was Herr Erkau zu seiner Arbeit, dem Thema Humor und Genre zu sagen hat.






Ansonsten startet am 8. August Aron Lehmanns famoser KOHLHAAS ODER DIE VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT DER DER MITTE, der mit seiner Film-im-Film-Konstellation samt den filmischen Formalien spielt, auf dass für das Publikum faszinierend und elegant die Realitätsebenen zusammenfließen, wie man es selten erlebt hat. Nicht umsonst gewann KOHLHAAS auf dem Max Ophüls Preis den Zuschauer-Award und wurde beim achtung berlin Festival für die Beste Regie ausgezeichnet.

zyw


Dienstag, 18. Dezember 2012

Deutscher Film - das Grauen?

Die Debatte um den deutschen Film erhielt zur letzten Verleihung des deutschen Filmpreises neuen Schwung durch einen verzweifelt-wütenden Zwischenruf von Dominik Graf in der ZEIT. Und weil es die ZEIT gut mit uns meint, steht das alles im Netz:
Sein Artikel "Das Grauen... das Grauen!" - Nichts wie weg mit dem deutschen Qualitätskino! Ein Plädoyer für Trivialitäten, Schocks und brüllendes Gelächter erschien am 26. April 2012, und man freut sich, dass sowas mal aus berufenem Munde in die Welt gerufen wurde: Ein Plädoyer für das Gutgemachte, für das Genre, für das Nichtkunstwollende, denn warum sollen auteurs keine Handwerker sein und umgekehrt?

Julia von Heinz hat ebenfalls in der ZEIT, am 16.5.2012, auf Grafs Text geantwortet, sie ist nicht nur Regisseurin, sondern auch Expertin: Ihre Dissertation handelt vom Zusammen- und Auseinanderleben von Film und Fernsehen in den letzten Jahrzehnten. Entsprechend ergänzt sie Graf, kenntnisreich widersprechend und zugleich respektvoll anerkennend: Die freundliche Übernahme - Eine Antwort auf Dominik Grafs Kritik an der deutschen Filmbranche. 

Beides ist lesenswert, und wie das so ist im deutschen Film: Beide haben recht.

Und beide können als schöne Ergänzung dienen zu Bernd Zywietz Exploration der Film-Fernseh-Melange in ANSICHTSSACHE, in der Strukturen und Personen vorgestellt werden, die das Grundgerüst dessen bilden, was wir dann auf dem Bildschirm oder auf der Leinwand sehen. (Aber um das lesen zu können, müssen Sie noch ein paar Wochen warten...)