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Samstag, 27. Februar 2016

Max Ophüls Preis: Svenja Böttger neue Leiterin

Zuletzt gab es etwas Unmut was die Nachfolgesuche für Gabriella Bandel als Chefin des Filmfestival Max Ophüls Preis anbelangte. 

Nun überrascht man in Saarbrücken mit einer erfreulich jungen neuen Leiterin: der 27-jährigen Svenja Böttger, die aktuell noch Masterstudentin an der Babelsberger Filmuniversität KONRAD WOLF (vormal HFF) ist und das u.a. "Sehnsüchte"-Festival verantwortete.

Eine bemerkenswerte Entscheidung.

Hier die Pressemeldung des MOP zur Personalie:

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Svenja Böttger (Foto: privat)
Der Aufsichtsrat wählt Svenja Böttger einstimmig zur neuen Leiterin des Filmfestivals Max Ophüls Preis

Svenja Böttger wird neue künstlerische Leiterin des Filmfestivals Max Ophüls Preis (MOP). Die 27-jährige Berlinerin wird das Festival in den kommenden drei Jahren leiten. Das hat der MOP-Aufsichtsrat am Freitagnachmittag, 26. Februar, einstimmig beschlossen. 

Mit Svenja Böttger bekommt das Festival eine Leitung, die trotz ihres jungen Alters bereits Erfahrungen in der Festivalorganisation, im Projektmanagement, Gästemanagement sowie in der der Presse- und Kommunikationsarbeit mitbringt. Die Medienwissenschaftlerin, die zurzeit ihr Masterstudium an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF abschließt, hatte unter anderem 2015 und 2016 die Gesamtleitung des Empfangs der Filmhochschulen während der Berlinale inne und leitete zuvor 2014 mit „Sehsüchte“ das internationale Studentenfilmfestival der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Bei beiden Aufgaben hatte Böttger Personalverantwortung für jeweils 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Unter anderem in dieser Zeit konnte sich Svenja Böttger gute Kontakte zu den Filmhochschulen im deutschsprachigen Raum aufbauen, aber auch zu Branchenvertretern, Redakteuren, Verbänden oder Filmreferenten. Zu Böttgers weiteren Stationen zählt unter anderem seit September 2015 ihre Tätigkeit bei der Produktionsfirma „ONE TWO Films“ in Berlin. 

„Ich freue mich auf die neue Aufgabe. Es bedeutet für mich eine Ehre, dieses renommierte Festival leiten zu dürfen. Ich werde nun die kommenden Wochen nutzen, um mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu sprechen“, erklärte Svenja Böttger. 


Experten in Auswahlkommission: „Sehr gute Bewerberlage und mutige Entscheidung“

Nach den Vorstellungsgesprächen der fünf Bewerberinnen und Bewerber für die Leitung des Filmfestivals Max Ophüls Preis (MOP) am Donnerstag, 25. Februar, zeigten sich die beratenden Fach-Mitglieder in der Auswahlkommission – Gabriele Brunnenmeyer (u. a. zuständig für „Projektbetreuung Talentfilm“ beim Kuratorium junger deutscher Film) und Professor Dr. Dieter Wiedemann (u. a. Präsident der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF von 1995 bis 2012) – von der Qualität der Bewerber beeindruckt und begrüßten die Entscheidung. „Die Bewerberlage für die neue Leitung des Filmfestivals Max Ophüls Preis war sehr gut. Alle Bewerberinnen und Bewerber brachten uneingeschränkt die Qualifikation mit, das Nachwuchsfestival leiten und weiterentwickeln zu können. Mit der Entscheidung für Svenja Böttger zeigt Saarbrücken Mut und bekennt sich klar für eine weitere Profilierung des Max Ophüls Preis als zentralen Ort für den deutschsprachigen Filmnachwuchs“, sagten Gabriele Brunnenmeyer und Professor Dr. Dieter Wiedemann.“ 

Die Auswahlkommission, in der neben Brunnenmeyer und Wiedemann als stimmberechtigte Mitglieder je ein Vertreter der Stadtratsfraktionen SPD, CDU, Grüne und Linke, Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, der MOP-Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Latz sowie MOP-Geschäftsführer Thomas Brück saßen, sprach sich einstimmig für Svenja Böttger aus. Der MOP-Aufsichtsrat folgte in seiner Sitzung am Freitag, 26. Februar, der Empfehlung. Der MOP-Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Latz: „Die Landeshauptstadt ist sehr zufrieden mit der Entscheidung. Der Aufsichtsrat hat sich einstimmig für Frau Böttger ausgesprochen. Sie kann sich für ihre neue Aufgabe einer breiten Unterstützung gewiss sein.“

Mittwoch, 30. Dezember 2015

achtung berlin 2016: Einrichfrist verlängert!

Das Filmfest achtung berlin - new berlin film award bietet auch 2016 dem jungen deutschen Film aus der Region Berlin und Brandenburg eine familiäres Forum. In seiner 12. Auflage findet es vom 13. bis 20. April in der Hauptstadt statt - und sucht noch Einreichungen.

Für die Auswahlsichtung des Wettbewerbs "Made in Berlin-Brandenburg" können Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme noch bis zum 7. Januar eingereicht werden. Per Post oder online über FilmFestivalLive.

Mehr Infos dazu HIER

Dienstag, 29. Dezember 2015

Veranstaltung: "Kino machen andere" -VdFk-Woche der Kritik 2016

Der Verband der deutschen Filmkritik veranstaltet 2016 zum zweiten Mal die "Woche der Kritik" parallel zu den Berliner Filmfestspielen. Am Vorabend der Berlinale bzw. zum Auftakt der Veranstaltungsreihe nimmt der VdFk zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung sich des deutschen Kinos Lieblingsthema an: die Minderwertigkeit(sgefühle) des hiesigen Films. Die Pressemitteilung des VdFk hier nachfolgend; Die Website der "Woche der Kritik" finden Sie HIER (und dort sicher auch diese PM beizeiten).

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„KINO MACHEN ANDERE“ –
KONFERENZ UND 2. WOCHE DER KRITIK 2016

2015 wurde in Cannes, Locarno und Venedig ohne deutsche Filme gefeiert – im Vorfeld der zweiten WOCHE DER KRITIK steht deshalb das deutsche Kino im Mittelpunkt einer  Debatte, die sich den Ursachen dafür widmet.

KINO MACHEN ANDERE – Warum der deutsche Film nur unter sich feiert
Nach einem gelungenen Debüt Anfang des Jahres wird auch 2016 parallel zur Berlinale wieder die WOCHE DER KRITIK stattfinden. Zusätzlich laden der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) und die Heinrich-Böll-Stiftung am Vorabend der Berlinale, dem größten Fest der deutschen Filmbranche, zu einer internationalen Konferenz über den Zustand der deutschen Filmkultur ein. Unter dem Titel „KINO MACHEN ANDERE – Warum der deutsche Film nur unter sich feiert“ diskutieren internationale Gäste über den anhaltenden Misserfolg deutscher Filme auf internationalen Festivals, der 2015 darin seinen Tiefpunkt fand, dass kein einziger deutscher Film in den Wettbewerben von Cannes, Venedig und Locarno vertreten war.

Die Konferenz findet am Mittwochabend, 10. Februar 2016 im Kulturquartier Silent Green (ex-Krematorium Wedding, Gerichtstr. 35, 13347 Berlin S+U-Bahn Wedding) statt. Charles Tesson, Leiter der Semaine de la Critique in Cannes, wird in seiner Keynote die Lage aus der Sicht eines wichtigen Festivalmachers beleuchten. Im Folgenden werden Symptome, Ursachen und Lösungsansätze aus internationaler und interdisziplinärer Perspektive debattiert. Zu den  weiteren Gästen gehören Richard Brody (Filmredakteur, The New Yorker), Sergio Fant (Auswahlkommission, Festival del film Locarno) und Lars Henrik Gass (Leiter, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen).

WOCHE DER KRITIK
Vom 11. bis 18. Februar ist dann das Hackesche Höfe Kino in Berlin-Mitte wieder Treffpunkt der zweiten Ausgabe der WOCHE DER KRITIK. Sie bietet parallel zur Berlinale ein konzentriertes Filmprogramm, das an sieben Abenden zur intensiven Auseinandersetzung mit Kino, ästhetischen und erzählerischen Formen und deren politischen Rahmenbedingungen einlädt.
Die Kritikerwochen in Cannes, Venedig und Locarno sind schon lange Zeit integraler Bestandteil des jeweiligen Festivalprogramms. Die Verbindung von Filmerlebnis und Reflexion ist Alleinstellungsmerkmal der WOCHE DER KRITIK in Berlin. Gäste aus unterschiedlichen Ländern und verschiedensten Disziplinen bringen ihre Perspektiven dazu ein und machen die Veranstaltung zu einem lebendigen »Think Tank« während der Internationalen Filmfestspiele in der Hauptstadt.
Die WOCHE DER KRITIK ist eine Veranstaltung des Verbands der deutschen Filmkritik e.V. in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Kontakte: 

Woche der Kritik
Forian Fromm (Presse)
Bornsdorfer Straße 4
12053 Berlin
facebook.com/wochederkritik
Twitter: #wochederkritik

VdFk - Verband der deutschen Filmkritik e.V.
Frédéric Jaeger (Geschäftsführender Vorstand)
E-Mail:  buero@vdfk.de
Tel.: 030 555 79 737

Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Vera Lorenz (Presse)
Tel.: 030 285 34 217

Samstag, 27. Juni 2015

Filmfest München: Dietrich Brüggemann und Axel Ranisch

Filmmakers Live - Neues Deutsches Kino - auf dem Filmfest München 2015: Dietrich Brüggemann ("Heil") und Axel Ranisch ("Alki Alki") zum Gespräch:


(Quelle: Filmfest München)

Donnerstag, 7. Mai 2015

Nominierungen zum Deutschen Filmpreis 2015

Eine starke Finalauswahl für den Deutschen Filmpreis 2015 wurde nun bekanntgegeben: In Sachen "Bester Spielfilm" finden sich neben IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS: Sebastian Schippers VICTORIA, JACK von Edward Berger, WIR SIND JUNG, WIR SIND STARK sowie WHO AM I von Baran bo Odar und ZEIT DER KANNIBALEN. Eine bunte Mischung - und eine, die mit dem Hackerthriller WHO AM I und dem furiosen One-Shot-Gangsterfilm VICTORIA - zwei Genre-Werke berücksichtigt; drei, wenn man ZEIT DER KANNIBALEN, der dieses Jahr bereits beim Preis des Verbands der deutschen Filmkritik abräumte, mitzählt.

Die ganze Nominiertenliste HIER.

Die Preisverleihung findet am 19. Juni 2015 im Rahmen der Filmpreisgala statt.


WHO AM I

Mittwoch, 25. Februar 2015

Deutsches FernsehKrimi-Festival 2015 in Wiesbaden

Vom 3. bis zum 8. März 2015 findet v.a. in der Wiesbadener Caligari FilmBühne erneut das Deutsche FernsehKrimi-Festival statt.

Im Wettbewerb laufen folgende Filme:

3. März 2015, 20.00 Uhr, Eröffnungsfilm: "Bella Block – Die schönste Nacht des Lebens" als Premiere, ZDF, Regie: Andreas Senn, Buch: Susanne Schneider

4. März 2015, 10.00 Uhr: "Tatort – Hydra", WDR, Regie: Nicole Weegmann, Buch: Jürgen Werner
4. März 2015, 14.30 Uhr: "Polizeiruf 110 – Morgengrauen", BR, Regie und Buch: Alexander Adolph 4. März 2015, 17.00 Uhr: "München Mord – Die Hölle bin ich", ZDF/ORF, Regie: Michael Gutmann, Buch: Alexander Adolph, Eva Wehrum
4. März 2015, 19.30 Uhr: "Tatort – Im Schmerz geboren", HR, Regie: Florian Schwarz, Buch: Michael Proehl
4. März 2015, 21.45 Uhr: "Wir waren Könige", ZDF/ARTE, Regie und Buch: Philipp Leinemann

5. März 2015, 10.00 Uhr: "Tatort – Brüder", RB/WDR, Regie: Florian Baxmeyer, Buch: Wilfried Huismann, Dagmar Gabler
5. März 2015, 14.30 Uhr: "Polizeiruf 110 – Familiensache", NDR, Buch und Regie: Eoin Moore
5. März 2015, 17.00 Uhr: "Tatort – Vielleicht", RBB, Buch und Regie: Klaus Krämer
5. März 2015, 19.00 Uhr: "Dengler – Die letzte Flucht" als Premiere, ZDF, Buch und Regie: Lars Kraume

Im Rahmenprogramm diskutiert man am
4. März um 19.00 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine zum Thema "Männersache Fernsehkrimi - oder braucht die Regie eine Quote?"

sowie am


6.  März um 16.00 Uhr im Murnau Filmtheater im Deutschen Filmhaus ZDF-Redakteur Wolfgang Fendt, Berater und Medienwissenschaftler Prof. Dr. Gerd Hallenberger und Produzent Peter Nadermann (u.a. "Kommissar Beck", "Kommissarin Lund") unter dem Titel "International auf hohem Niveau - Die Zukunft der deutschen Krimiserie?" (wobei ich persönlich das Fragezeichen hier anders gesetzt hätte) darüber, warum "die Deutschen keine Serien machen wie 'Breaking Bad'". U.a. am Fall von DAS TEAM soll, nicht ganz subtil in der Ankündigung formuliert, geklärt werden: "Sieht so die Zukunft des deutschen Fernsehkrimis aus: Qualität, die auch auf dem internationalen Markt besteht?"

Das Gesamtprogramm finden Sie HIER.

Donnerstag, 19. Februar 2015

Resümee der ersten "Woche der Kritik"

Die erste "Woche der Kritik" des VDFK, die parallel zu Berlinale stattfand, ist vorbei. Zu der gab es, von vornherein, Unmut. Die Betreiber selbst aber liefern ein nachdenkliches, nachdenkenswertes Fazit, das, jenseits einfallsloser Pressemeldungen zum unweigerlichen "Erfolg", wert ist, hier in Gänze wiedergegeben zu werden.

Besonders sei hier - wie am Ende der Meldung - auf den YouTube-Kanal der "Woche der Kritik" hingewiesen, in dem die langen spannenden Diskussionen nach den Filmvorstellungen als Aufzeichnungen nachzuholen oder sich noch mal zu Gemüte zu führen sind.

(zyw)
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Resümee der ersten Woche der Kritik – Zitate und Debatten

„Die Kritik muss ein Instrument sein für diejenigen, die kämpfen, Widerstand leisten und das, was ist, nicht mehr wollen. (...) Sie ist keine Etappe in einer Programmierung. Sie ist eine Herausforderung für das, was ist.“
Michel Foucault

Die Woche der Kritik ist auch nach sieben Tagen nicht abgeschlossen. Als eine Form der aktivistischen Filmkritik und cinephilen Debattenkultur kann sie nicht zu Ende gehen. Mit umfassenden Diskussionen, die im Kino Hackesche Höfe eine Woche lang lebhaft zwischen internationalen Filmkritikern, Regisseuren, Produzenten, Filmwissenschaftlern und Akteuren der Film- und Festivalwelt mit und vor großem Publikum geführt wurden, hat die erste Woche der Kritik einen Denk- und Aktionsraum geöffnet, der über die Veranstaltung hinaus wirken wird. 

Frédéric Jaeger, Leiter Woche der Kritik:

In der zweiten Hälfte der Woche gerieten unsere Debatten immer mehr aus den Fugen, wurden länger, widersprüchlicher und grundlegender. Da ist mir dann klar geworden, dass ein Anfang getan ist. Bezeichnenderweise war es der mit ‘Provokation’ überschriebene Abend, bei dem der Widerstand im Publikum und auf dem Podium erst so richtig spürbar wurde. Eine kleine Bestätigung für unser fragiles Experiment.
Am letzten Abend, der sich politischem Kino und der Möglichkeit nach Kontroversen widmete, gab es einen für mich sehr schönen Moment der Irritation.
Während des experimentellen Kurzfilms Man müsste Räuber sein oder zumindest Sprengmeister von Jan Bachmann, den wir vor Christoph Hochhäuslers Paranoia-Thriller Die Lügen der Sieger programmiert hatten, gab es im Saal eine hörbare Anspannung. Wir hatten mit Verspätung begonnen, weil die Vorstellung ausverkauft war und wir die Warteliste noch mit Karten versorgen wollten. Nach zehn Minuten wurde ein Lachen immer lauter und hörte nicht mehr auf. Ein Zuschauer bat die Person um Ruhe, mit dem Hinweis, wir seien im Kino. Da entgegnete diese, das sei doch gar kein Film. Mir scheint, wenn diese Wesensfrage mit solcher Inbrunst im Kinosaal gestellt wird, haben wir nicht alles falsch gemacht.”
Dennis Vetter, Programmteam Woche der Kritik:
“Auswählen, Präsentieren, Diskutieren sind Formen praktizierter Kritik. Man arrangiert bebilderte Ideen, man schließt ein und aus, man schärft ein Profil, um Filmkultur zu unterstützen und zu verhandeln. Man verschafft deutlichen Stimmen Gehör, weil sie wichtige Fragen aufwerfen. Wir haben uns gegen rund 100 Filme entschieden, zugunsten von 11 Programmbeiträgen.
Wenn jedoch Kritik selbst, das Hinterfragen von Systemen, zum Programm werden soll, was geschieht dann mit der Form? Sie müsste zerbrechen.
Für mich startete die Woche der Kritik mit dem Scheitern an der Form. Die Woche der Kritik hat versucht, dezent und verspielt, manchmal unbeholfen und ein bisschen schüchtern, die Festivalsituation zu irritieren. Im Prozess zeigte sich dann unmittelbar: Letztlich geht es in allen kulturkritischen Initiativen darum, zum Punkt zu kommen. Dass das vor dem Hintergrund unserer Kinokultur keineswegs leicht ist, zeigt die Tatsache, dass alle unsere Debatten eine Stunde überschritten, manchmal ihr Ziel erst ausloten mussten, oder es verloren.
Wir akzeptieren im Kinoraum keine Hierarchien. Wer bei uns mitredet, findet Gehör. Aber wohin führt der nächste Schritt?” 
Dunja Bialas, Programmteam Woche der Kritik:
“Wie sehr die Debatten infizieren, ja süchtig machen konnten, erlebte ich als schmerzliches Vermissen, wenn ich mich in den Raum begab, wo sie nicht stattfanden: auf dem Forum der Berlinale. Wie hier im Publikumsgespräch Filme in routinierter Manier abgefertigt und Regisseure wie Zirkuspferde vorgeführt wurden, zeigte, dass diese Art des Redens über Film keines mehr ist. Lieber dann über den Film schweigen. Infizierendes Denken: Fachbesucher der Woche der Kritik sprachen davon, unsere Debattenform weiterzutragen, auf anderen Festivals zu etablieren. Das tiefgehende Nachdenken über das, was man tut, sieht, sagt, auswählt, bevorzugt und zurückweist, entwickelte einen mitreißenden Sog.”
Die Woche der Kritik wird veranstaltet vom Verband der deutschen Filmkritik e.V. in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. 
Wir wollen an das Ende der Programmtage ein paar Zitate aus unseren Debatten stellen, ungeschliffen und aus dem Kontext gerissen.

Frédéric Jaeger - “Ulrich Gregor, I heard that you were offered, at least once, to become the head of the Berlin International Film Festival by the Berlin senate. And you refused.”
Ulrich Gregor - “Yeah, sure. There was such a possibility. But I said no, because I don't want to enter into an area which is not my area and where I have to make compromises, submit to pressures maybe and negotiate with people whom I don't like or have no connection with, where I have no feeling for their work or their output. It is a completely strange area for me.”

Hans Hurch:
"I'm not interested in film culture at all. (pause) I'm interested in the revolution. (laughter) It sounds very old fashioned. I'm not interested in film culture – I'm interested in changing the world. I know that I'm not strong enough, that I'm a petit bourgeois, that I can't do it by programming films but at least I got a little idea in the back of my head.”

Daniel Hoesl:
“A movie can be a gun. And we try to shoot them, you know. The movies and the bankers. And that's it.”

Rüdiger Suchsland:
“If people talk too much about politics, they want to avoid to talk about aesthetics.”

Jan Bachmann:
“When you ask why in film schools they don't experiment with forms, there is a very easy answer. Because if you experiment with forms, as we do it in the moment, it means that you're doing films as a hobby and not as a job. It's very simple, it's very clear. You know it when you start a project like this, it's not gonna have any perspective on the market. […] You take the risk by yourself, this is the point.”

Daniel Hoesl:
“If you have something to say, you have to do it. Don't complain about the system, change the system by doing something that makes the system rethink.”

Alfred Behrens:
"This country has been invaded, totally, by market-fundamentalism. [...] I encourage the students to resist the urge to write something that brings money.”

Katrin Eissing kommentiert für das Revolver Blog:
"Auch viele Filme gucken, darüber schreiben und endlos Quatschen hilft nicht. Weinen nützt manchmal, oft auch nicht. Dichten nützt. Der Versuch schon. Wenn nicht dir, dann uns Anderen (wie du siehst). Geschichten und blöde Gedichte schreiben, sie teilen, ist nicht 'wichtig' sondern so etwas wie essen und trinken." 

Das komplette Programm finden Sie in detaillierter Ausführung auf unserer Webseite www.wochederkritik.de. Die Debatten zu den einzelnen Abenden befinden sich zusätzlich auf unserem Youtube-Kanal.

Deniz Sertkol
Pressebetreuung
presse@wochederkritik.de
Tel. +49 (0)30 440 414 43
Woche der Kritik

Dienstag, 10. Februar 2015

Deutsche Filmkritiker: ZEIT DER KANNIBALEN bester Film 2014

Der Verband der deutschen Filmkritik e.V. hat entschieden: bester Film des vergangenen Jahres
war Johannes Nabers ZEIT DER KANNIBALEN. Daneben wurde das Satirekammerspiel auch für das beste Buch und Sebastian Blomberg als bester Darsteller prämiert. Glückwunsch!
Auch besonders schön: als beste Darstellerin kürten die Kritiker Liv Lisa Fries für ihr Spiel in UND MORGEN MITTAG BIST DU TOT sowie STAUDAMM von Thomas Sieben. Letzteren können (und sollten) Sie übrigens am kommenden Donnerstag, den 12.2. um 23 Uhr auf ARTE sehen.
Die weiteren Preisträger bzw. die PM des VDFK (ohne auf Aufführung der Nominierten neben den Gewinnern):
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Liv Lisa Fries in UND MORGEN MITTAG BIN ICH TOT

Berlin, 09.02.2015 – Zeit der Kannibalen wird von Filmkritikern als bester Film 2014 ausgezeichnet. Der Verband der deutschen Filmkritik hat am Montag, 09. Februar 2015, den Preis der deutschen Filmkritik 2014 im Rahmen der Berlinale in 12 Kategorien vergeben. Mit dem Ehrenpreis wurden die Gründer des ehemals unabhängigen Forums, Erika und Ulrich Gregor, ausgezeichnet. Einen Sonderpreis erhielt Heinz Emigholz für den 2014 abgeschlossenen Werkzyklus „Photographie und jenseits“.

Mit fünf Nominierungen galt die filmische Kapitalismuskritik Zeit der Kannibalen von Johannes Naber bereits vorab als Favorit auf den renommierten Kritiker-Filmpreis. Drei Preise durfte das Team mit nach Hause nehmen: Stefan Weigl konnte sich über den Preis der deutschen Filmkritik 2014 in der Kategorie Drehbuch freuen, Sebastian Blomberg nahm den Darstellerpreis für seine Hauptrolle entgegen und Regisseur Johannes Naber erhielt für Zeit der Kannibalen den Preis für den Besten Spielfilm 2014.

Dominik Grafs Die geliebten Schwestern wurde mit zwei Preisen geehrt: Editorin Claudia Wolscht erhielt den Preis für den Besten Schnitt und ihre Kollegen Sven Rossenbach und Florian van Volxem nahmen den Preis für die Beste Musik im Spielfilm entgegen.
Über den Preis der deutschen Filmkritik 2014 in der Kategorie Beste Kamera durfte sich Philip Gröning für die Bildgestaltung seines Films Die Frau des Polizistenfreuen.
Nino Pezzella gewann mit seinem Femminielli, der bereits den Hessischen Filmpreis 2014 holte, den Preis der deutschen Filmkritik in der Kategorie Experimentalfilm. Hans-Dieter Grabes Raimund – Ein Jahr davor zeigte, dass ein Kurzfilm nicht ausschließlich eine Form für Filmanfänger sein muss und durfte sich über den Preis für den Besten Kurzfilm freuen.
Im ersten Jahr der Woche der Kritik wurden die Begründer des Internationalen Forums des Jungen Films und des Arsenals für ihre langjährige filmkritische und -historische Arbeit mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. 1964 hatten die beiden in Berlin einmalig parallel zur Berlinale eine Woche der Kritik abgehalten.

Für das beste Spielfilmdebüt wurde Anna Martinetz (Fräulein Else) geehrt. Der Preis für den besten Kinderfilm ging an Neele Leana Vollmar (Rico, Oskar und die Tieferschatten). Als beste Darstellerin wurde Liv Lisa Fries für ihre beiden Rollen in Und morgen Mittag bin ich tot und Staudamm ausgezeichnet.
Der Preis für den besten Dokumentarfilm ging an André Schäfer für Deutschboden. Den Sonderpreis der Dokumentarfilmjury erhielt Heinz Emigholz für seinen Werkzyklus „Photographie und jenseits“.
Die Preisübergaben fanden im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in der Tube Station in Berlin statt. Wie im vergangenen Jahr führte erneut der renommierte Schauspieler Burghart Klaußner durch die Veranstaltung, zu der mehr als 500 geladene Gäste kamen.
Der Preis der deutschen Filmkritik wird jährlich seit mehr als 40 Jahren verliehen und ist der einzige deutsche Filmpreis, der ausschließlich von Filmkritikern vergeben wird. Er richtet sich nach unabhängigen künstlerischen Kriterien. Die diesjährigen Jurys bestanden aus Jennifer Borrmann, Silvia Hallensleben und Claus Löser für den Kurzfilm; Karola Gramann, und Frédéric Jaeger für den Experimentalfilm; Dunja Bialas, José Garcia, Barbara Lorey de Lacharriere, Josef Lederle und Thomas Rothschild für den Dokumentarfilm; Gabriele Grunwald, Rolf-Rüdiger Hamacher, Katrin Hoffmann, Heidi Strobel und Rochus Wolff für den Kinderfilm und Günter Agde, Bettina Hirsch, Cosima Lutz, Michael Meyns, Ralf Schenk, Rüdiger Suchsland und Holger Twele für die Spielfilmpreise sowie die Einzelleistungen.

Alle Preisträger und Jurybegründungen finden Sie in Kürze auch auf unserer Website: www.vdfk.de

Die Preise in der Übersicht:
EHRENPREIS – Erika und Ulrich Gregor
Wir würdigen mit unserem Ehrenpreis zwei Persönlichkeiten, bei denen Film und Leben eine seltene Symbiose eingegangen sind. Sehr viele verschiedene Filme in kurzer Zeit zu sehen, sie einzuordnen, sich zu ihnen öffentlich zu positionieren, sie zu fördern, ins Gespräch zu bringen, zu sammeln oder zu zeigen, kann eine ganzheitliche Aufgabe sein. Sie muss es sein, wenn man all dies gleichzeitig tut. Wenn man die Filme und ihre Urheber liebt und sie ernst nimmt. Ein solches filmisch-ganzheitliches Leben führen uns Erika und Ulrich Gregor vor, und das seit 60 Jahren. Ihre Doppelbiografie zeigt uns, was es heißt, sich nicht mit, sondern in der Idee des Kinos zu bewegen. Die Filmemacher nicht als Lieferanten von intellektueller Verschiebemasse wahrzunehmen, sondern als Partner im Geiste. Wir sprechen hier natürlich über die innovativen, mutigen, randständigen, verrückten Filmemacher, über Tarkowski, Jarman, Greenaway, Iosseliani, Tarr und viele andere mehr, die mit Hilfe der Gregors auf ihre Wege gebracht wurden. Wir reden nicht über die Dienstleister des Unterhaltungskinos. Jean-Luc Godard meinte einst, dass man Filme mit einer Ernsthaftigkeit kritisieren muss, als ob man selbst Filme machen würde. Die Gregors haben uns gezeigt, dass man auch Filme zeigen kann, wie man Filme macht. Für diese Vorbildfunktion danken wir und verleihen den Ehrenpreis der deutschen Filmkritik 2014 an Erika und Ulrich Gregor.

SONDERPREIS DER DOKUMENTARFILMJURY – Heinz Emigholz für den Werkzyklus „Photographie und jenseits“
Seine Stars sind Häuser, Brücken, Bauwerke; Architektur spielt in fast allen seinen Werken eine Rolle. In immer neuen Anläufen und labyrinthisch verzweigten Serien schichtet er einen Film auf den anderen, ohne sich je Sorgen um die Statik dieses Gesamtkunstwerkes machen zu müssen, da Text, Bild, Film und Reflexion bei ihm unaufhörlich ineinander übergehen.
Schon seine Kurzfilme waren interdisziplinäre Kompositionen, bis ins Detail durchgearbeitete Partituren. Ab Mitte der 1970er-Jahre formen sich dann drei umfangreiche, untereinander dicht verzahnte Werkgruppen aus, die allein in quantitativer Hinsicht immens sind – ihre inhaltliche oder ästhetische Substanz lässt sich erst gar nicht beziffern.
Die Rede ist von Heinz Emigholz, der als Autor, Bildender Künstler, Kameramann, Schauspieler, Hochschullehrer und natürlich als Filmemacher seit mehr als vier Jahrzehnten ein einzigartiges Werk geschaffen hat.
Die Dokumentarfilm-Jury verleiht ihm anlässlich seines Films THE AIRSTRIP just in dem Moment einen Sonderpreis, in dem er zu neuen Ufern aufbricht.
THE AIRSTRIP, der 21. Teil seines „Photografie und jenseits“-Zyklus, wird zum globalen Road Movie, die vormalige Strenge weicht einer fast selbstparodistischen Betrachtung. Mitten im Film setzt überdies ein Videoclip der Band „Kreidler“ ein, bei dem animierte Schnitzel durch eine Flughafen-Wartehalle schweben. Wir reiben uns die Augen ob dieses fast heiteren Hinübergleitens ins digitale Zeitalter.
Bevor wir uns demnächst mit einem neuen „Emigholz“ nach Stoffen von Edgar Allan Poe und Hans Henry Jahnn auseinandersetzen dürfen, ehren wird den „Dokumentaristen“ für sein großartiges Werk. Herzlichen Glückwunsch, lieber Heinz Emigholz, und toi toi toi beim Aufbruch in neue Gefilde. Der Sonderpreis der deutschen Filmkritik 2014 geht an Heinz Emigholz für seinen Werkzyklus „Photographie und jenseits“.

EXPERIMENTALFILM – „Femminielli“ von Nino Pezzella 

KURZFILM - „Raimund – Ein Jahr davor“ von Hans-Dieter Grabe

KINDERFILM - „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ von Neele Leana Vollmar


DOKUMENTARFILM – „Deutschboden“ von André Schäfer


SPIELFILM: Spielfilm – „Zeit der Kannibalen“ von Johannes Naber

SPIELFILM: Spielfilmdebüt – „Fräulein Else“ von Anna Martinetz

SPIELFILM: Drehbuch – Stefan Weigl („Zeit der Kannibalen“)

SPIELFILM: Schnitt – Claudia Wolscht (für „Die geliebten Schwestern“)

SPIELFILM: Kamera – Philip Gröning („Die Frau des Polizisten“)

SPIELFILM: Musik – Sven Rossenbach und Florian van Volxem („Die geliebten Schwestern“)

SPIELFILM: Darstellerin – Liv Lisa Fries (für Lea in „Und morgen Mittag bin ich totund Laura in „Staudamm“)

SPIELFILM: Darsteller – Sebastian Blomberg (für Kai Niederländer in „Zeit der Kannibalen“)

Donnerstag, 8. Januar 2015

Nominierungen für den Filmkritikerpreis 2014

Im Februar werden in Berlin nicht nur die "Bären" verliehen: Der Verband der deutschen Filmkritik e.V. (VdFk) prämiert zur Zeit der Berlinale auch seine Lieblingen in diversen Sparten. Just ist die Meldung mit den 2014er-Nominierten erschienen und diese vielleicht mehr sogar noch als die finalen Auszeichnungen werfen ein Licht auf das Kino-Angebot des vergangenen Jahres.

So geht allen voran Johannes Nabers wunderbarer ZEIT DER KANNIBALEN in gleich vier Kategorien ins Rennen, als bester Spielfilm, für Drehbuch (Stefan Weigl), Kamera (Pascal Schmitt) und zweimal - Devid Striesow u. Sebastian Blomberg - in Sachen Hauptdarsteller.

Gleich zwei "German Mumblecore"-Filme sind als Spielfilmdebüts nominiert: LOVE STEAKS von Jakob Lass und MÄNNER ZEIGEN FILME UND FRAUEN IHRE BRÜSTE von Isabell Šuba, daneben aber auch Ramon Zürchers phänomenal-phänomenologischer DAS MERKWÜRDIGE KÄTZCHEN, Til Kleinerts DER SAMURAI sowie der ansonsten eher unterschätzte FRÄULEIN ELSE von Anna Martinez.

Ein ziemlich gutes, facettenreiches Jahr war das.

Hier die Nominierten im Überblick - u. ggf. zum 2014-Lückenfüllen:

KURZFILM
Raimund – ein Jahr davor (Hans-Dieter Grabe)
Sieben Mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf, um nicht zu träumen (Susann Maria Hempel)
Three Stones for Jean Genet (Frieder Schlaich)

EXPERIMENTALFILM
EZB 2011-2012 (Sabine Schöbel)
Femminielli (Nino Pezzella)
Semra Ertan (Cana Bilir-Meier)

DOKUMENTARFILM
The Airstrip – Aufbruch der Moderne, Teil III (Heinz Emigholz)
Beltracchi – Die Kunst der Fälschung (Arne Birkenstock)
Deutschboden (André Schäfer)
In Sarmatien (Volker Koepp)
Pfarrer (Stefan Kolbe und Chris Wright)

KINDERFILM
Lola auf der Erbse (Thomas Heinemann)
Quatsch und die Nasenbärbande (Veit Helmer)
Rico, Oskar und die Tieferschatten (Neele Leana Vollmar)

SPIELFILM
Die Frau des Polizisten (Philip Gröning)
Die geliebten Schwestern (Dominik Graf)
Fräulein Else (Anna Martinetz)
Phoenix (Christian Petzold)
Zeit der Kannibalen (Johannes Naber)

SPIELFILMDEBUT
Das merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher)
Der Samurai (Til Kleinert)
Fräulein Else (Anna Martinetz)
Love Steaks (Jakob Lass)
Männer zeigen Filme, Frauen zeigen Brüste (Isabel Suba)
 
DARSTELLERIN
Alexandra Finder (Die Frau des Polizisten)
Liv Lisa Fries (Und morgen Mittag bin ich tot; Staudamm)
Julia Koschitz (Hin und weg; Bocksprünge; Wir sind die Neuen)
Dagmar Manzel (Stiller Sommer)
Jördis Triebel (Westen)
 
DARSTELLER
Sebastian Blomberg (Zeit der Kannibalen)
Georg Friedrich (Über-Ich und Du)
Ivo Pietzker (Jack)
Devid Striesow (Zeit der Kannibalen)
Gert Voß (Im Labyrinth des Schweigens)
 
SCHNITT
Anna Martinetz, Heike Parplies (Fräulein Else)
Claudia Wolscht (Die geliebten Schwestern)
Ramon Zürcher (Das merkwürdige Kätzchen)
 
DREHBUCH
Dietrich & Anna Brüggemann (Kreuzweg)
Philip Gröning (Die Frau des Polizisten)
Stefan Weigl (Zeit der Kannibalen)

KAMERA
Philip Gröning (Die Frau des Polizisten)
Alexander Haßkerl (Das merkwürdige Kätzchen)
Pascal Schmit (Zeit der Kannibalen)
 
MUSIK
Sven Rossenbach, Florian van Volxem (Die geliebten Schwestern)
Golo Schultz (Love Steaks)
Stefan Will (Phoenix)

(Quelle: VdFk)



Montag, 1. Dezember 2014

BE MY BABY gewinnt FILMZ-Hauptpreis 2014

BE MY BABY von Christina Schiewe gewinnt das "Mainzer Rad", den Hauptpreis des FILMZ - Festival des deutschen Kinos! Und ist schon heute Nacht zu sehen, ab 00:05 Uhr, im ZDF (u. familienfreundilcher am 05.12.2014, 20:15 Uhr, auf ZDF-Kultur). Die Geschichte einer jungen Frau mit Down-Syndrom (Carina Kühne in ihrer allersten Spielfilmrolle) die ein Kind möchte. Bemerkenswerter, witziger Film,  kein Trauer-, Lehr- und Rührstück - trotzdem (oder gerade deshalb) nicht eindimensional. Glückwunsch!

(zyw)

Dienstag, 18. November 2014

Die lange Genre-Nacht bei FILMZ 2014


Am Donnerstag, dem 27.11.2014 findet im Mainzer „Capitol“ ab 20.00 Uhr eine „Horror“-Nacht bei FILMZ – Festival des deutschen Kinos in Mainz mit zwei Lang- und zwei Kurzspielfilmen (in zwei separaten Veranstaltungen) statt.


20.00 Uhr: DER SAMURAI (D 2014) von Till Kleinert:
Synapsensprengender Irrsinn“ (Oliver Kaever auf ZEIT ONLINE): Irgendwo im ostdeutschen Nirgendwo: Ein Wolf streift durch die Wälder – aber Dorfpolizist Jakob (Michel Dierks) hat andere Sorgen: Nicht nur, dass es sich nicht so recht bei den Kerlen im Ort durchsetzen kann, nun wird er auch noch als Postbote missbraucht. Ein längliches Packet liefert er ab – und findet als „Empfänger“ nicht nur ein leerstehendes, heruntergekommenes Haus, sondern darin auch einen merkwürdigen, verführerisch-irren Mann (Pit Bukowski) im Brautkleid. Der nimmt die Postsendung gerne in Empfang: ein Katana-Schwert, mit dem „der Samurai“ nun auf einen blutigen Streifzug durch die Gemeinde geht.

Uraufgeführt in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ der diesjährigen Berlinale bietet DER SAMURAI einen (alb-) träumerischen Trip, der sich bis hinein in einen „halluzinogenen Veitstanz“ (Kaever) steigert, zugleich aber auch das hiesige Genre ganz spezifisch bereichert:    

Die Provinz, eine Frau allein im Auto, die Biker-Gang. Gerade das Mischen von Stanzen macht ja den Genrefilm aus. Aber wie Kleinert sie in Der Samurai in eine ganz spezifische Lebenswirklichkeit einbettet und verfremdet, das ist unerhört und macht seinen Film so aufregend. Er orientiert sich eben nicht an internationalen Produktionen, sondern findet seinen  eigenen Ton. Wer möchte, kann immerhin – sicher nicht stilistisch, aber doch thematisch – eine entfernte Verwandtschaft mit dem deutschen Expressionismus entdecken.“ (Kaever)

Offizielle Filmhomepage: www.samurai-film.de   


Als Vorfilm zu sehen ist der weniger blutig, aber auf ähnlich vergnüglich-verstörende, bizarr-psychologische FRÖSCHLI (D 2013, 15 Min.) von Marie Habermann, in dem ein Handwerker und Fetischist ein grünen Socke ein merkwürdiges Eigenleben verleiht (oder umgekehrt).

Filmwebsite: www.fröschlifilm.de


22.30 Uhr: BLUTGLETSCHER (A 2013) von Marvin Kren:
„Am Berg hört dich niemand schreien“: Auf einer Klimaforschungsstation in den Alpen geraten die Forscher ins Staunen als aus dem nahen schmelzenden Gletscher rote Flüssigkeit austritt. Das Gletscherblut hat ungeahnte genetische Auswirkungen auf die örtliche Tierwelt. Es bleibt am bärbeißigen Techniker Janek, die Station gegen diverse Mutanten zu verteidigen, während sich aus dem Tal eine Ministerin mit ihrem Trupp sich für einen Pressetermin zu ihnen aufmacht – dabei auch Janeks Ex-Freundin, die ihm einst das Herz brach.

Nach dem Zombie-Kammerspiel-Hit RAMMBOCK (zu sehen auf dem FILMZ 2010) präsentiert der horror- und thriller-bewährte, vielfach prämierte Regisseur Marvin Kren mit BLUTGLETSCHER nicht nur eine stimmungsvolle Hommage an Creature-Klassiker wie John Carpenters DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT: Nein, BLUTGLETSCHER, hierzulande verliehen durch Drop-Out Cinema, ist stimmiger No-Bullshit-Nervenkitzel mit wohldosierter trockener Ironie, viel Atmosphäre, eindrucksvollem Cast (Österreichischer Filmpreis für Gerhard Liebmann), aber auch ganz eigenem österreichischen Flair. Ein Glücksfall und Hoffnungsträger nicht nur fürs deutschsprachige Genre-Kino.

Website zum Film: www.blutgletscher.at
Unsere ANSICHTSSACHE-Kritik HIER.

Als Vorfilm dazu gibt es HAUT (D 2014, 14 Min.) von Christian Zipfel. Weniger blutrünstig als delikat schauerlich und bestechend schön in der wohltemperierten Inszenierung des Abgründigen, Verstörenden – in diesem Sinne auch: des Körperlichen –, handelt der Film von einer obsessiven Chirurgin in einem Krankenhaus mit einem ganz eigenen Faible für Titelgebendes.

(zyw)

Samstag, 1. November 2014

Doppel-Schwerpunkt GERMAN MUMBLECORE

In ANSICHTSSACHE hat Bernd Zywietz einen Momentblick auf "Freilandfilmer" des sogenannten "German Mumblecore" geworfen, darunter Axel Ranisch, Jakob Lass und Tom Lass. Diese und mehr kommen nun Ende November zusammen und geben an zwei Tagen Einblick in ihre Arbeiten und Arbei, ihre Vorstellung von Kino, Film und Filmemachen.

Zusammen mit dem FILMZ - Festival des deutschen Kinos lädt das Deutsche Filminstitut (DIF) in Frankfurt a. M. an zwei Tagen zum Symposium German Mumblecore. Am Freitag, den 28. November werden im Kino des Deutschen Filmmuseums Nico Sommers STILLER FRÜHLING zu sehen sein, Isabell Šubas Kurzfilm PETER PAN IST TOT, außerdem DICKE MÄDCHEN von Axel Ranisch sowie Aron Lehmanns KOHLHAAS ODER DIE VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT DER MITTEL. Dazwischen gibt es u.a. - und vor allem - zwei Podiumsdiskussionen - mit Hanna Doose (STAUB AUF UNSEREN HERZEN), Jakob Lass, Tom Lass, Aron Lehmann, Axel Ranisch, Nico Sommer und Isabell Šuba.

Am nächsten Tag, den 29. November geht es weiter in Mainz. Teil 2 des Symposium, im Rahmenprogramm des FILMZ, findet im CinéMayence (Schillerstraße 11) statt. Neben Hanna Dooses Kurzfilm HEINRICH BRINGT DIE KINDER UM HALB NEUN wird Tom Lass' PAPA GOLD zu sehen sein sowie der Festivalerfolg LOVE STEAKS von Toms Bruder Jakob. Außerdem gibt es eine weitere Diskussion mit den Sieben (nebst Vortrag von Urs Spörri u.a. zum Thema Vertriebs-, Verleih- und Abspielformen der Independent-Strömung).

Weitere Infos und Details zu dem zweitägigen Symposium (das auch einzeltägich besucht werden kann), finden Sie HIER.

Vor ab schon hat das DIF nun eigens eine Themenseite zu "German Mumblecore" eingerichtete. Neben einem ausführlichen Interview von Urs Spörri mit den Kameramännern Timon Schäppi (u.a. LOVESTEAKS),  Johannes Louis (etwa: MÄNNE ZEIGEN FILME UND FRAUEN IHRE BRÜSTE) und Eugen Gritschneder (u.a. FAMILIENFIEBER) findet sich darauf eine Filmliste, Videos von "Mumblecorern im Gespräch" - sowie mit freundlicher Genehmigung des Schüren-Verlags eben Bernd Zywietz' Beitrag zu "German Mumblecore" aus unserem ANSICHTSSACHE-Buch.

FILMZ 2014 - Programm ist veröffentlicht

Das Programm des Mainzer FILMZ - Festival des deutschen Kinos (25.-30. Nov.) ist verkündet. Mit dabei neben der einnehmenden Coming-of-Age-Story SCHÖNEFELD BOULEVARD (R: Sylke Enders) und Johannes Nabers Kapitalismussatire ZEIT DER KANNIBALEN (m. Katharina Schüttler, Sebastian Blomberg und Devid Striesow): Als Genre-Highlight Marvin Krens BLUTGLETSCHER (am "Genre"-Donnerstag nach DER SAMURAI von Till Kleinert). Das ganze Programm(heft) gibt es als PDF HIER.






Samstag, 26. Juli 2014

TIPP: DIE FRAU DES POLIZISTEN m. Regisseur Gröning im Frankfurter Filmmuseum

In der Reihe WAS TUT SICH – IM DEUTSCHEN FILM? präsentiert das Kino des Deutschen Filmmuseums im Frankfurt am Main einmal im Monat ein aktuelles Werk mit anschließendem Filmgespräch. Am So., 27.7. ist DIE FRAU DES POLIZISTEN zu sehen. Der kunstvoll-strenge Film zum Theme häusliche Gewallt gewann in Venedig 2013 den Großen Preis der Jury gewann.

Anwesend und für eine Gespräch mit Karsten Visarius von WAS TUT SICH-Kooperartionspartner epd Film parat stehen wird Regisseur Philip Gröning. Der Unabhängige sorgte schon 1992 mit der grotesken Satire DIE TERRORISTEN! für Aufsehen, wurde aber vor allem der mehrfach (u.a. in Sundance und mit dem Europäischen Filmpreis) prämierten Schweigekloster-Doku DIE GROSSE STILLE (2005) bekannt.

Beginn der Veranstung ist 19.30 Uhr. Mehr Infos HIER auf der Website des Filmmuseums.

zyw

Freitag, 27. Juni 2014

Uwe Boll mit RAMPAGE 2 und Filmgespräch in Mainz


Eigentlich ist es ein Heimspiel: Drehbuchautor-, Regie- und Produzentenrabauke Uwe Boll präsentiert persönlich am Fr., 25. Juli seinen neuen Husarenstreich RAMPAGE 2 – YOU END NOW, und zwar in Mainz.

Hier lebt der Meister des niederen Niveaus, der sich u.a. qua Kraut-Funding (sprich Stupid German Money) einen berüchtigten Namen in Sachen schlechten Kinos gemacht hat – und dafür von vielen (schon) wieder verehrt und gefeiert wird. Und egal, wie man zu den bislang rund 30 Boll-Werken steht, zu den kruden Fantasy- u. Horrorstreifen (SEED, DUNGEON SIEGE), den fanbrüskierenden Videospieladaptionen (FAR CRY, ALONE IN THE DARK) und den umstrittener Ernsthaftfilmen wie SIEGBURG, DARFUR und AUSSCHWITZ: eine gewisse rustikale Faszination ist dem ökonomisch effektiven Dr. Boll (promoviert in Literaturwissenschaft, Uni Siegen), der aus Kostengründen in Kanada filmt und sich auch mal große Namen wie Ben Kingsley für schnelles Geld bzw. einen Tag Drehzeit einkauft, nicht abzusprechen.

Neben der Fortsetzung seines Amoklauf-Streifens RAMPAGE von 2009 bietet das box-erfahrene Multitalent Boll am 25. im CAPITOL auch ein Filmgespräch zusammen mit Dr. habil. Andreas Rauscher von der hiesigen Mainzer Filmwissenschaft. Beginn ist 20.30 Uhr, der Eintritt kostet 7,50 €.

zyw 

P.S.: Laut Capitol-Website funktioniert RAMPAGE 2 auch ohne Kenntnis des ersten.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Filme für FILMZ - Festival des deutschen Kinos gesucht

Seit 2001 gibt es das Mainzer FILMZ, das sich als Festival dem deutschen u. deutschsprachigen Kino widmet und sich längst zur festen Größe für den hiesigen Film etabliert hat.

FILMZ 2014 findet vom 25. bis 30. November statt, lange hin noch für das Publikum, aber hinter den Kulissen beginnt schon jetzt die Arbeit. Entsprechend hat jetzt die Filmeinreichungsphase begonnen: Bis zum 15. August werden Filme aller Formate, Genres und Stilrichtungen gesucht, fiktionale Kurz- und Langfilme sowie Mittellange Filme und Dokumentationen – experimentell wie narrativ, Realfilm wie Animation.

Die Einzelheiten zusammen mit dem Anmeldeformular finden Sie HIER.

Die Website von FILMZ - Festival des deutschen Kinos gibt es übrigens HIER.

zyw

Montag, 21. April 2014

Gewinner des 10. achtung berlin - new berlin film award


Zum 10. Geburtstag präsentiert das Festival für Produktionen aus Berlin und Brandenburg 2014 ein bunt gemischtes Programm, das es den Jurys wahrlich nicht einfach machte, insbesondere im Spielfilmwettbewerb. Das heißt nicht, dass viel Schlechtes dabei war, im Gegenteil, aber derlei hervorstechende Beiträge wie im Jahr zuvor Aaron Lehmanns KOHLHAAS ODER DIE VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT DER MITTEL oder SILVIE von Nico Sommer, die viele Auszeichnungen auf sich vereinigen konnte, gab es auch nicht - vielleicht auch: glücklicherweise.

Am besten hatte es entsprechend die "Hauptjury", bestehend aus der Schauspielerin Franziska Petri, dem Regisseur Edward Berger (u.a. JACK) und Produzenten Martin Heisler (u.a. HUSTON). Denn diese konnten gleich drei Preise vergeben.

So ging jener für den besten Film 2014 an MILLIONEN von Fabian Möhrig. Ein Mann, mit seinem Leben, mit Familie und Job eigentlich im Reinen gewinnt die Unsumme von 22 Mio. Euro im Lotto - woraufhin eben dieses Zufriedenheitsleben langsam zerbricht. Wie Möhrig das Unglücksglück seziert, ist tatsächlich eindrucksvoll, einfach, weil er Standardsituationen originell ausgestaltet und auch die sich anbahnenden und entfaltenden Konflikte immer ein Stückweit jenseits des Gängigen, Wohlbekannten ansetzt. Getragen wird diese "universelle Parabel" (so die Jury) von einem glänzenden Hauptdarsteller, Andreas Döhler, der einer der, wenn nicht gar der eindrucksvollste Schauspieler im Wettbewerb war. Lediglich der Schluss, der fällt dann doch etwas ... schade aus, einfach, weil er kein richtiger ist - das "Aussuppen" von Filmen, eine notorische Erkrankung des deutschen Kinos.

Zur besten Produktion wurde DIE GESCHICHTE VOM ASTRONAUTEN (bereits auf dem diesjährigen Max Ophüls Preis zu sehen) gekürt, Regie-Debüt des Schauspielers Godehard Giehse, der hier wie in MILLIONEN auch eine Nebenrolle hat. Eigentlich ein Film, der von der Inhaltsbeschreibung abschreckt oder einmal mehr verkünsteltes Kopfkunstgeburtskino verheißt: Eine Schriftstellerin auf Mallorca, die ihren Stoff entwickelt, Meer, herrliche Finca, Ehereflexionen der Nachbarschaft, eine alte Dame, Weißwein, junger Liebhaber lange, ruhige Einstellungen... Umso aufregender gestaltet sich aber DIE GESCHICHTE VOM ASTRONAUTIN, ein Film, der überraschend sicher, eindringlich, komplex und geheimnisvoll, nicht aber selbstzweckhaft mysteriösierend daherkommt. Nicht immer ist klar, was eigentlich das soll, schließlich auch, was Wirklichkeit ist oder zumindest gefiltert durch die Wahrnehmung, durch die sich im Kopf der Hauptfigur herauskristallisierende, realitätsgreifende fiktionale Story.

Wie die Autorin von Stephanie Petrowitz gespielt wird, ist bravourös und erfrischend: Zunächst distanzierte, knappe Ironie, doch immer mehr verliert die Figur (und mit ihr der Zuschauer) den festen Boden unter den Füßen, fallen die Lebensgeschichten, die sie erfährt, miterlebt, erzählt bekommt, mit ihrer allegorischen vom Astronauten zusammen, spiegeln sich ineinander. Sicher, rätselhaft, künstlich arrangiert, aber im positiven Sinne, mit starken, "einfachen", wohlkomponierten Bildern, und - was man ja sonst leider selten sagen kann - ein Film, der es wert ist, darüber nachzudenken, zu interpretieren, zu analysieren, zu puzzeln oder einfach bloß die innere Logik quasi ästhetisch wunderbar unaufgelöst hinzunehmen, in ihrer Stimmigkeit aufzunehmen und zu genießen.

Den Preis für die beste Regie erhielt Nico Sommer, dessen SILVIE im letzten Jahr als bester Film nicht nur von der Festivalhauptjury, sondern auch vom Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) ausgezeichnet wurde. Bereits beim MOP 2014 gelaufen, fällt FAMILIENFIEBER allein wegen seiner Story gegenüber SILVIE ein bisschen ab: Zwei verliebte Teenager bringen ihre Eltern fürs Wochenende zusammen, doch die Frau des einen hat mit dem Gatten der anderen eine Affäre. So prallen in dem Herrschaftshaus in der Brandenburger Idylle nicht nur zwei Gesellschaftsstufen aufeinander, sondern es kommt auch zum Beziehungsknatsch. Das ist nun keine sehr frische Basisidee mehr, und der "dokumentarische" Videokameraeinsatz zur Selbstreflexion - ein Sommer'sches Stilmittel - wirkt hier auch etwas sperrig. Nichtsdestotrotz hat der Film nicht nur Pepp und Witz, sondern einen besonders Peter Trabner in der/einer Hauptrolle, der als gehörnter Ehemann und in seiner Kunst des Impro-Spiels so famos ist wie selten. Eben darin liegt, einmal mehr der Reiz, schöpft der Film seine Verve: FAMILIENFIEBER ist ein weiterer Beitrag des "German Mumblecore", ein mit wenig Mitteln, dafür mit viel Schwung, Leidenschaft und Spontanität in wenigen Tagen und fast keinem Budget entstandenes Beispiel des gelungenen, talentierten Augenblicksfilmens.

FAMILIENFIEBER "passt" denn umso mehr zu achtung berlin, als nicht nur derartige Filme hier besonders ein Zuhause finden, sondern auch weil der Begriff des German Mumblecore von einer Veranstaltung zu dieser Art Film und Drehens (jenseits üblicher steifer Planungs- Förder- und Finanzierungswege) herrührt (wenn auch wiederum sich der Anstoß zu Label-Bildung, falls ich mich richtig erinnere, dahingehend auf die VdFk-Jurybegründung zur PAPA-GOLD-Prämierung bei achtung berlin zurückführen lässt... - mehr zu "German Mumblecore" in ANSICHTSSACHE).

FAMILIENFIEBER jedenfalls verdient den Regiepreis nicht zuletzt deshalb, weil Sommers Regie hier Spielleitung ist, mithin auch das Ensemble seiner nach einem Grobplan agierenden, im Moment seienden Schauspielerinnen und Schauspieler damit in gewisser Weise und zurecht mitgeehrt wird.


Glückwunsch all diesen Prämierten, ebenso wie den übrigen Gewinnern - die da wären:

new berlin film award in der Kategorie Beste Kamera:
THE VISITOR (Kamera: Paola Calvo; Regie: Katarina Schröter)

new berlin film award in der Kategorie Bester mittellanger Film:
SUNNY, Regie: Barbara Ott

new berlin film award in der Kategorie Bester Kurzfilm:
CIRCUIT, Regie: Robert Gwisdek; Lobende Erwähnungen (Kurzfilm):
THIS IS ABOUT SENSES AND THIS IS ABOUT HAPPINESS (R: Rike Hoppe)
und BLAUER TRAUM (R: Malte Stein)

Der Preis der Ökumenischen Jury:
WIENER ECKE MANTEUFFEL, Regie: Florian Schewe

Preis des Verbands der deutschen Filmkritik (VdFK):
ANTONS FEST, Regie: John Kolya Reichart; Lobende Erwähnung: MÄNNER ZEIGEN FILME & FRAUEN IHRE BRÜSTE (Regie: Isabell Suba)

The Exberliner Film Award:
A PROMISED ROSE GARDEN, Regie: Lisa Violetta Gass
Lobende Erwähnung: THE SILENE BETWEEN TWO SONGS, Regie: Mónica Lima

Zitty-Leserjury-Preis (in der Kategorie Bester mittellanger Film):
HOLANDA DEL SOL, Regie: Florian Lampersberger, Daniel Abma


zyw

Donnerstag, 20. März 2014

"achtung berlin" 2013 - Wettbewerb steht fest

Das Filmfestival achtung berlin - new berlin film award feiert dieses Jahr sein Zehnjähriges! Das Beste aus Berlin und Brandenburg wird vom 9. bis 16. April in der Hauptstadt präsentiert - darunter im Wettbewerb. Dessen zehn vielversprechende (bzw. großartige) Filme? Die erfahren Sie HIER. Mit dabei etwa Max-Ophüls-Preis-gekrönte Regisseure (Nico Sommer u. Isabell Šuba) sowie der alte Indie-Hase Klaus Lemke. Verspricht ein spannendes Jubiläum!

Mittwoch, 5. März 2014

Brüggemann mit KREUZWEG in Mainz

Am Freitag, den 21. März zeigt das Mainzer CAPITOL den mit dem Drehbuchpreis der diesjährigen Berlinale prämierten KREUZWEG.

Regisseur Dietrich Brüggemann (DREI ZIMMER/KÜCHE/BAD) wird dabei sein und steht dem Publikum im Anschluss für Fragen zur Verfügung. Die Veranstaltung beginnt im 19.00 Uhr. Eine Besprechung von KREUZWEG finden Sie bei uns auf HIER.

zyw

Freitag, 7. Februar 2014

Deutsches Kino auf der Berlinale (I): JACK


Hit the Road... ?

Daniel ist zehn Jahre alt, und hat es nicht leicht. Denn nicht nur wächst er in liebvollen, aber ungeordneten Verhältnissen in Berlin auf, sondern heißt darüber hinaus auch gar nicht Daniel. Sondern Jack. So wie der Film. Beziehungsweise: der Film nach seiner kleinen, gebeutelten Hauptfigur, eine, die umso gebeutelter ist, als sie es gar nicht merkt. Ivo Pietzcker (wirkt irgendwie wie ein junger Hanno Koffler) spielt den kleinen Kerl überzeugend, aber das muss nichts heißen – oftmals sind Kinder einfach vor der Kamera. Punkt. Keine Kunst, keine Technik, sondern: Sein. Das kann schief gehen, hier ist es geglückt. Auch wie sich die Regie von Edward Berger in JACK nicht nur die filmischen Mittel auf Augenhöhe halten, sondern, zudem, immer ein klein wenig darüber, emotional, verständnistechnisch.  Das hat den großen Vorteil, dass wir nicht nur dumm mitfühlen müssen, sondern dass wir das Hundsgemeine, das Gedankenlos-Gemeine auch kühl erkennen, ein- und abschätzen können. Das hat den Nachteil, dass wir, dramaturgisch, erzählerisch geschult, immerzu voraussehen, was da uns und dem jungen Helden blüht. Zugleich aber schätzen wir umso mehr den geglückten Schluss, in dem Jack selbst – sowohl endlich wie leider – begriffen hat, wie es um ihn herum zugeht. Was er zu tun hat. Was er sich abzuschminken hat. Und welche Verantwortung er übernimmt. Ein optimistischer wie pessimistischer Schluss, umso beeindruckender weil: von leichter Hand.

Aber warum Jack jetzt Jack heißt und mithin JACK eben JACK – ich weiß nicht. Ein verunglückter Angloamerikanismus, der schielt und verweist? Vielleicht aber auch: weil Jacks Mama (gelungen besetzt: Luise Heyer), die selbst noch recht jung ist, eben so drauf war und ist, ihren Sohn so zu benamen. KEVIN wäre auch allzu unmöglich heute. Überhaupt ist Mama vielleicht nicht nur Schuld am Titel, sondern überhaupt an der Misere, von der er handelt. Jack muss auf seinen kleinen Bruder Manuel (Georg Arms) aufpassen, zeigt sich schon in der Auftaktszene, in der er Papa und selbst Kind zugleich ist, durch die Wohnung hetzt, sich eilig anzieht, rudimentäres Frühstück macht, hilflos und abgeklärt zugleich. Die Mutter ist, mal wieder, nicht zu Stelle. Aber der Film (Drehbuch Berger u. Nele Mueller-Stöfen) denunziert sie nicht, zeichnet sie als Frau, die selbst bewusstseinsmäßig noch nicht ganz ausgereift ist. Man glaubt ihr gerne, dass sie Jack und Manuel von ganzen Herzen liebt, sieht sie mit ihnen herumtollen, wie sie sich alle drei quasi gegenseitig wärmen. Aber es ist eben auch eine Frau, die ihr altes Mädchen-Leben, die Partys, die Freunde, die freiheitliche Verantwortungslosigkeit nicht aufgeben will – oder eher: kann. Es ist eine überforderte Frau, hinter deren Glück immer schon dessen Illusion und der Absturz hervorschimmert. Eine Mutter, die im Amt auf keinen Fall ihr Kind fortgeben will, die es aber dann auch im Heim lässt, wenn es ihr halt nicht passt, es vergisst. Was, so gesehen, natürlich auch so ein erzählerischer Kunstgriff ist, der leicht gebraucht das Publikum anzurühren. Andererseits: ein Drama, vielleicht auch Tragödie mit eigenem Recht und eigener Dimension.

Aber hier, in diesem Film, ist es vor allem Jacks Geschichte, und die funktioniert wie sie ist. Der kennt die Schattenseiten der Mama, aber als er den Bruder, der ihn klaglos als Erziehungsberechtigten akzeptiert, in die zu heiße Badewanne steigen lässt, ist Schluss mit dem (auferzwungenem) freien "Schaffst-du-schon"-Leben. Ob trotz oder wegen Mama (und ihrem erratischen Wesen) – Jack kommt ins Kinderheim. Dort hat ihn ein Älterer auf den Kiecker (auch so ein Plot-Device), bis ihm Jack, pädagogisch natürlich unlauter und moralisch völlig daneben, gleichwohl emotional ausgleichstechnisch durchaus befriedigend und gerechtfertigt mit einem Ast Eins überzieht. Jack türmt, schlägt sich durch und zurück in die Stadt, wo er Mama daheim nicht findet, wenigstens dann aber seinen Bruder bei einer Bekannten, sodass sie zu zweit durch die Stadt wandern, auf der Parkbank oder in einem kaputten Auto in der Tiefgarage nächtigen, immer wieder vor der Mietshauswohnung aufkreuzen. Der Schlüssel im Schuh auf dem Flur ist nicht da. Das vielleicht in mehrfacher Hinsicht traurigsten Bild, dass das Drama des verblüffend zwingend auf den Punkt bringt.

JACK ist die Geschichte einer Odyssee kleiner Menschen, auf der Suche, auf der Flucht. Dass es nicht nur in Kriegs- und Entwicklungshilfegebieten, sondern hier, bei uns, Kindern dreckig geht – und wie einfach und schnell das passiert –, ist leider nicht nur allgemein keine Neuigkeit mehr, sondern auch schon im Kino thematisiert (ja ja, wie DER JUNGE MIT DEM FAHRRAD von den Dardennen). Daraus aber eine solch kleine und zugleich existenzielle Erzählung (Trinken, Essen, Schlafen) zu schaffen, ohne ins Melodramatische abzudriften, ist eine Kunst, die Berger beherrscht – einfach deshalb, weil er das Melodramatische nicht einfach anti-betroffenheitsschulmeisterlich leugnet und zu negieren sucht, sondern etwas im Soundtrack etwa mit kurzen, pointierten Streichereinsätzen eingesteht und annimmt, ohne ihm zu verfallen. Damit fängt er nicht nur die Weltdimension der Erlebnisse für Jack ein, sondern nimmt und selbst mit der (traurigen) Gewissheitserfahrung von Erwachsenen sowohl ernst wie an die Hand. Zwischen Überwältigung und ebenso kalkulierter, noch enervierender weil manipulativer Lakonik und Distanz: Diese gelungene, ungewöhnliche Gradwanderung in Einklang mit seinem „Blickwinkel“ macht den in Vielem sozialproblemfilmkonventionellen, zugleich derart vorzüglich einfachen JACK so bemerkenswert und, denkt man darüber nach, absonderlich nachhaltig im eigenen sozialproblematischen Gefühlshaushalt. Ein Film, wie Jack selbst, der vor allem dann wächst, erwachsen und erwachsener wird, vor allem, wenn man ihn gesehen hat und - wie Jacks Mutter - nicht hinschaut.