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Freitag, 8. Februar 2013

Film-Blogs und Blogosphäre

Alexander Gajic ist passionierter Blogger. Und passionierter Filmliebhaber. Und passionierter Überfilmundmediennachdenker.
Deshalb vermisst er eine Film-Blogosphäre in Deutschland; ein Sichgegenseitiganerkennen der Filmblogger, das über die Bildung von Clustern - von miteinander befreundeten Seiten miteinander befreundeter Autoren - hinausgeht.

Im Januar hat Gajic vier Thesen aufgestellt:
- Es gibt keine deutsche Film-Blogosphäre
- Den deutschen Netzfilmschreibern fehlen die deutschsprachigen Leitmedien
- Die guten Inhalte, die es gibt, werden nicht gefunden
- Die nervige Trennung zwischen E- und U-Kultur lebt im Netz fort

Damit hat er eine Diskussion in der Online-Welt entfacht, die auf jeden Fall schon mal ein Erfolg ist. Zumal er auch einige der deutschen Filmblogs nennt, so dass allein schon sein Text eine Verknüpfung zwischen ihnen bietet.

Dazu hat Gajic Interviews mit neun Bloggern geführt, zu seinen Thesen und zu ihrer Meinung über die Filmblogosphäre:


Eine Übersicht der Beiträge inklusive (bisherigem) Fazit und Diskussion in den Kommentaren auf Gajics Blog real virtuality.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Storch-Ergänzung zum Interview

Im gerade eben frisch aus der Druckerei gekommenen feinen dicken Reader, Ihr wisst schon - darin jedenfalls gibt Wenzel Storch ein Interview, in dem er sich über den deutschen Film und über sein Werk auslässt. Zitiert Herbert Achternbuschs Rede an die deutschen Filmbrüder; lässt an Kai von Kotze kein gutes Haar; bejubelt Michael Leckebusch und Zbyněk Brynych; beschreibt sein eigenes Filmschaffen und schildert den Plan für einen irren Kafka-Film.

Zitate aus dem Interview:

Wenzel Storch, bunt und in Farbe
"Wenn deutsche Filme im Fernsehen kommen, schalte ich reflexartig um. Damit kann man mich jagen. Ich kuck mir halt lieber was mit John Wayne, Doris Day oder Louis de Funès an. Aber halt! Das stimmt nicht ganz: "Grimms Märchen von lüsternen Pärchen" zum Beispiel, oder "Polizeirevier Davidswache". Oder Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer – die Augsburger Puppenkiste. Oder Tratsch im Treppenhaus – vom Ohnsorg-Theater. Oder Wolfgang Menges Alfred-Tetzlaff-Serie, wer immer da der Regisseur war. Also wenn ich’s recht bedenke, es gibt eine Menge deutscher Filme, die mir gut gefallen. Nur sind das in der Regel keine Autorenfilme."

Und weiter:
"Es gibt aber zwei Epochen, die ich fast noch weniger mag als die jetzige. Einmal die unter Goebbels, die allerdings auch herrliche psychotische Kracher wie Hitlerjunge Quex oder den unsterblichen Münchhausen hervorgebracht hat, und zum andern die bleierne Zeit des Neuen Deutschen Films."

Und immer noch weiter:

"Aber, ich geb’s zu, manchmal kucke ich mir gern an, was meine Kollegen so machen, schon allein, um mich auf dem Laufenden zu halten ... Ein Freund von mir hat ein kleines Privatkino, da veranstalten wir mitunter – in großen Abständen, damit man sich zwischendurch wieder erholen kann – deutsche Abende. Da schauen wir uns dann die großen Historienschinken an,
an denen das deutsche Kino so reich ist: Bruno Ganz mit Hut und Chaplin-Bart als Adolf Hitler. Oder
Moritz Bleibtreu als Joseph Goebbels. Oder, noch so ein deutscher Held, als Andreas Baader. Oder wir machen uns einen schönen Abend mit Matthias Schweighöfer, der in seinem Leben ja auch schon alles war: Rainer Langhans und Friedrich Schiller, Manfred von Richthofen und Marcel Reich-Ranicki, und neuerdings ja auch Regisseur. Demnächst treffen wir uns übrigens zum großen Jutta-Speidel- Abend. Und dann folgt die lange Thekla-Carola-Wied-Nacht."

Und gestern schickte er per E-Mail einen Nachtrag, der das Interview ein wenig aktualisiert:

"Hätten wir das Emailgespräch jetzt geführt, wäre es streckenweise vielleicht etwas anders ausgefallen - ich guck mich grad quer durch die Filmgeschichte - im Schnitt schaff ich so etwa einen Film pro Tag -, die hiesige Unibibliothek ist in der Beziehung halbwegs gut sortiert ... Jetzt lern ich das ganze Zeug endlich mal kennen (Renoir, Ophüls, Powell etc.), von dem ich vorher immer nur gehört oder gelesen hatte. Dass es mal soweit kommt, hätt ich mir vor 'nem Jahr auch nicht träumen lassen."

Frisch auf dem Buchmarkt erschienen und von uns empfohlen sind zwei neue Bücher von Wenzel Storch: "Arno & Alice. Ein Bilderbuch für kleine und große Arno-Schmidt-Fans" und "Das ist die Liebe der Prälaten".

Mittwoch, 30. Januar 2013

Was macht eigentlich die Filmkritik?

Jeden beschäftigt, was er tut. Und jeder redet darüber, in der Kantine, beim Abendbrot, oder nachts allein für sich unter der Decke. Und jeder hat irgendwo irgendein Problem, klein oder groß, im Detail oder in der Struktur.
Das Schöne für Filmkritiker ist, dass sie, wenn sie über sich selbst nachdenken, dies öffentlich tun, es aufschreiben können; und: dass diese Gedanken gesellschaftliche Symptome aufzeigen, die Mechanismen der Mediengesellschaft offenlegen, den Umgang des Einzelnen mit Kunst und Kultur behandeln. Wenn sich ein Filmkritiker mit dem Zustand der Filmkritik beschäftigt, kommt nicht Larmoyanz heraus, sondern Diagnose, nicht Selbstbespiegelung, sondern Gesellschaftskritik.

Jüngst hat sich Georg Seeßlen (der für ANSICHTSSACHE die deutsche Filmkomödie auseinandergenommen hat) in seinem Blog kritisch mit dem Umgang mit Kritik beschäftigt, ein lesenswerter Text: Was ist Kritik, und warum steht es derzeit bei uns so schlecht damit?

Ebenfalls im Netz: Ein Text von Thomas Rothschild, der anhand eines Textes über Kulturkritik persönliche Erfahrungen mit einer Redaktion beschreibt, die diesen Text nicht abdrucken wollte: Wie der Freitag abgewickelt wird

Basierend auf diesem Text und erweitert um die Perspektive der Filmkritik hat Rothschild in ANSICHTSSACHE seine Sicht der Dinge weiter entwickelt. Ergänzt wird er im Reader durch Rüdiger Suchsland. Suchsland beschreibt Deutschland als eine PR-Gesellschaft, in der Kritik als Gesellschaftskritik nicht mehr tragbar ist, weil sie von den zuständigen Stellen nicht mehr mitgetragen wird; und kommt zum Schluss: "Der Kritiker der Zukunft muss ein Freibeuter sein. [...] Frei, ungebunden, niemandes Knecht, sein eigener Herr, im Zweifel skeptisch und sich auf dem rechtlosen unsicheren Raum des offenen Meeres bewegend."

Samstag, 22. Dezember 2012

Autor Alexander Gajic mit einem Geschenktipp

Im Adventskalender für ein ganz anderes Buchprojekt eines ganz anderen Autoren gibt Alexander Gajic einen Tipp für ein Weihnachtsgeschenk im Konjunktiv des Irrealis:  "Eigentlich wollte ich allen Leuten das Buch „Ansichtssache: Zum aktuellen deutschen Film“ (Schüren) zu Weihnachten schenken, an dem ich mitgeschrieben habe [...]"; das aber leider erst im Februar erscheint. Die Herausgeber empfehlen: Warum nicht zu Fasching/Fastnet/Karneval mal die Liebsten überraschen, und an Valentinstag immer nur Blumen und Herzen ist auch etwas unoriginell...

Alexander Gajic ist Experte für alles, was an Kino und Film digital ist. Für ANSICHTSSACHE hat er bei diversen Filmhochschulen, bei Filmemachern, Verleihern etc. nachgefragt, wie das eigentlich läuft mit der Digitalisierung in Deutschland, mit dem, was auf die Leinwände kommt und wie es auf die Leinwände kommt. Irgendwo zwischen radikalem Potential und optischer Scheiße ereignet sich jedenfalls die digitale Revolution.

In seinem Blog zeigt Gajic seine Webpräsenz: realvirtuality.wordpress.com
Wir raten zu!

Und wünschen Ihnen schöne und ruhige Feiertage!